Ismail Elmas, BMC Software

„Die ,Schatten-IT‘ birgt Gefahren“

Interview mit Ismail Elmas, Geschäftsführer & Area Director Germany, BMC Software, über Herausforderungen und Chancen des Cloud-Einstiegs

Ismail Elmas, BMC

Ismail Elmas, Geschäftsführer & Area Director Germany bei BMC Software

IT-DIRECTOR: Herr Elmas, der Einstieg in die Cloud begründet sich für viele Unternehmen in erster Linie durch den Aspekt der IT-Kostenersparnis. Welche Techniken machen die Cloud-Lösung kosteneffizient?
I. Elmas:
Innerhalb einer reinen Private Cloud zum Beispiel, in der alle Prozesse in-house abgewickelt werden, bietet die Verbesserung der Serverauslastung das größte Potential zur Kosteneinsparung. In der Folge lassen sich Hardwarekomponenten stilllegen, Wartungskosten senken und Workloads minimieren. Im Gegensatz hierzu besteht bei der Public Cloud der größte Kostenvorteil in der dynamischen Größenanpassung der Cloud-Umgebung. Nur die tatsächlich genutzten Ressourcen werden in Rechnung gestellt, und es besteht immer die Option Ressourcen dazu- und abzuschalten. Der Hybrid-Ansatz der Cloud bietet die Kombination aus beiden Lösungen, also eine bessere Nutzung der internen Infrastruktur kombiniert mit einer sofortigen Verfügbarkeit von zusätzlichen Kapazitäten.

IT-DIRECTOR: Welche Faktoren sind entscheidend für den erfolgreichen Start in die Cloud?
I. Elmas:
Was ein Cloud-Projekt erfolgreich macht, ist größtenteils die Qualität der Prozesse und Services. Die Cloud ändert die Dynamik zwischen Anwender und der IT in großem Maße. Ein Cloud-Projekt, das lediglich den technischen Ansprüchen der IT genügt, wird sein Ziel nicht erreichen, wenn die Bedürfnisse des Endanwenders nicht von Anfang an in die Planung integriert werden. Erfolgreiche Cloud-Projekte beginnen mit einem Fokus auf den Endanwender und dessen Service-Anforderungen und stellen dann die Voraussetzungen dafür her, dass die Technologie diese Services korrekt erbringen kann.

IT-DIRECTOR: Sehen Sie Herausforderungen für Cloud-Betreiber hinsichtlich des Datenschutzes?
I. Elmas:
In den nächsten Monaten wird wahrscheinlich der Aspekt des Datenschutzes im Zusammenhang mit der Cloud weiter Aufmerksamkeit erregen.  Das Cloud-Management muss sich Herausforderungen bezüglich der strengen europäischen Datenschutzbestimmungen stellen, die wahrscheinlich noch weiter verschärft werden. Im Gegensatz zum europäischen Recht verlangt der US-Patriot Act die Offenlegung aller personenbezogenen Daten. Das gilt natürlich nicht nur für Rechenzentren im US-Territorium, sondern auch für Aktivitäten von US-Unternehmen innerhalb Europas. Ein Element in diesem Zusammenhang ist beispielsweise auch die PCI-DSS, eine Regulierung zum Umgang mit Daten von Kreditkarteninhabern. Natürlich bedeuten diese Entwicklungen nicht, dass es für Unternehmen unmöglich sein wird, voll von der Cloud zu profitieren. Allerdings müssen Unternehmen beachten, dass sie nicht bedingungslos alle Anwendungen in die Cloud auslagern können, ohne vorher Due Diligence hinsichtlich der Konformität mit Datenschutzrichtlinien zu betreiben.

IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie die langfristige Marktentwicklung der Cloud ein?
I. Elmas:
Viele Unternehmen, die bereits sehr früh die Cloud als isoliertes System eingeführt haben, stehen jetzt vor der Herausforderung, die vorhandenen Unternehmensprozesse zu integrieren. Außerdem wird die Rolle des Endanwenders an Bedeutung gewinnen.  Während IT-Abteilungen gewöhnlich nur langsam auf Service-Anfragen reagieren können, sind Anwender mit Hilfe der Cloud plötzlich in der Lage, unabhängig und selbstständig Services über die Cloud zu empfangen. Diese Entwicklung stellt sowohl Chancen als auch Herausforderungen dar. Eine sogenannte „Schatten-IT“, die nur im Hintergrund Prozesse abwickelt, birgt die Gefahr des Datenverlusts oder -diebstahls. Auf der anderen Seite können agile IT-Organisationen von diesem Trend und der allgemeinen Entlastung profitieren, solange ihre Management-Tools entsprechend flexibel genug sind.

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