Digitaler Rückstand

Die Schwachstellen der deutschen Wirtschaft

Die Zeit für den Umbau zur Digitalwirtschaft drängt. Ein weiterer Aufschub wäre nicht mehr einzuholen, meint eine Zukunftsstudie zur Digitalisierung.

Unkonventionelle Ideen, flexible Strukturen, agile Vorgehensweise - Startups in der Digitalwirtschaft, aber auch eingeführte Unternehmen wie Apple oder Google gehen ganz anders vor als traditionelle Unternehmen. Solche Digitalunternehmen sind in Deutschland noch kaum verbreitet.

Es gibt zwar eine aktive Startup-Szene, doch sie ist im Vergleich mit den USA bedeutungslos. Laut Angaben der FAZ sind im vergangenen Jahr im Silicon Valley etwa zehn Milliarden Dollar Wagniskapital investiert worden. In Deutschland waren es dagegen nur 360 Millionen Dollar, die zudem noch überwiegend aus dem Ausland kamen.

Das klingt nicht gut. Kann die deutsche Wirtschaft diesen Abstand aufholen? Die Autoren der Zukunftsstudie „Digitalisierung. Achillesferse der deutschen Wirtschaft?“ sind zwar optimistisch, sehen aber zahlreiche Schwachstellen, die dringend behoben werden müssen.

Die Studie des Münchner Kreises nutzt eine Expertenbefragung als Grundlage. Sie analysiert, ob und inwieweit Deutschlands Unternehmen durch die digitalen Umwälzungen verwundbar geworden sind. Anhand von sechs Problemfeldern wird der aktuelle Status der deutschen Wirtschaft beurteilt.

Ausbildung von Verlierern?
Den seit Jahren diskutierten Problemen im Bildungssystem wurde bis heute nicht wirksam begegnet. Der Fachkräftemangel bedeutet vor allem im MINT-Bereich (Mathematik, Ingenieurswissenschaften, Naturwissenschaften, Technik) eine strukturelle Herausforderung. Kompetenzen, die im Zuge der digitalen Transformation erforderlich sind, werden nicht oder nur unzureichend vermittelt.

Digitale Politik nicht „up-to-date“?
Die fachlich getrennten Ressorts in den Bundes- und Landesministerien und die interministerielle Zusammenarbeit werden in ihrer derzeitigen Form den rasant wachsenden Herausforderungen der digitalen Gesellschaft nicht gerecht.

Mangel Datensouveränität?
Erst durch den Aufbau von Medienkompetenz jedes einzelnen Bürgers und durch die Entwicklung von IT-Sicherheitslösungen kann in Deutschland der Weg in die „digitale Gesellschaft und Wirtschaft“ souverän gegangen werden. Einflussreich sind hier insbesondere die Medien in ihrer gesellschaftlichen Funktion als Orientierungsgeber und Korrektiv bei Fehlentwicklungen und Missbrauch.

Sackgasse: „Made FOR Germany“?
Ein gefährlicher Befund für das Innovationsland Deutschland: In Amerika und Asien werden (digitale) Innovationsstrategien derzeit im Vergleich zu Europa beziehungsweise Deutschland häufiger, schneller und erfolgreicher umgesetzt.

Verharren in ausgedienten Handlungsmustern?
Angesichts der rasanten Entwicklungen disruptiver Technologien, neuer Märkte und Wettbewerber ist fraglich, ob die Anpassungsgeschwindigkeit der wirtschaftlichen Akteure in Industrie und Medien den Erfordernissen der Digitalisierung entspricht. Deutsche Unternehmen denken derzeit zu wenig in branchenübergreifenden Wertschöpfungsnetzwerken.

Zu schnell für die deutsche Wirtschaft?
In Deutschland sind Förderung von Forschung und Entwicklung und die anschließende Umsetzung und internationale Vermarktung in der Wirtschaft nicht ausreichend an den Herausforderungen und Prinzipien der digitalen Ökonomie ausgerichtet.

„Der gemeinsame Nenner ist, dass etablierte Wege verlassen werden müssen und ein neues Denken und Handeln erforderlich ist, um in einer digitalen Welt erfolgreich agieren zu können“, resümieren die Autoren der Studie. „Die verantwortlichen und betroffenen Akteure sollten sich schnell die notwendigen Kompetenzen aneignen, um die erforderlichen Wege in die digitale Zukunft zu gestalten. Die Zeit drängt und ein weiterer Aufschub wäre kaum mehr einholbar.“

Bildquelle: Jürgen Hüsmert / pixelio.de

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