„Digitalisierer für den Mittelstand“

Die Zeichen stehen auf Wachstum

Im Interview erläutert Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender und CEO der QSC AG, die Wachstumsstrategie des Unternehmens nach dem Verkauf von Plusnet und mit welchen Kompetenzen sich der „Digitalisierer für den Mittelstand“ zukünftig positionieren möchte.

  • Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender und CEO der QSC AG

    Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender und CEO der QSC AG: „Der Verkauf unserer TK-Tochter Plusnet ist ein wesentlicher Meilenstein für unsere Neuausrichtung, den klaren Fokus und die Wachstumsstrategie.“

  • Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender und CEO der QSC AG

    „Im SAP-Umfeld liegt unser Augenmerk aktuell auf HANA und zwar sowohl auf der Datenbank als auch dem Betriebssystem S/4HANA“, so Jürgen Hermann, QSC AG.

  • Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender und CEO der QSC AG

    Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender und CEO der QSC AG: „Mit unserer ‚Fritzbox’ für die Industrie 4.0 bringen wir die Welten von Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) zusammen.“

  • Jürgen Hermann, Vorstandsvorsitzender und CEO der QSC AG

    Jürgen Hermann, QSC AG: „Wollen die Kunden IoT-Komponenten zu echten Geschäftsanwendungen entwickeln, sind die Integration in das Cloud- und ERP-Umfeld erforderlich.“

IT-DIRECTOR: Herr Hermann, bei QSC findet derzeit ein Wandel statt. Im Zuge dessen haben Sie Mitte des Jahres Ihre Telekommunikationstochter Plusnet an den Energieversorger EnBW veräußert. Was waren die Gründe für diese strategische Entscheidung?
J. Hermann:
Der Verkauf unserer Telekommunikationsaktivitäten war eine strategische Entscheidung. Der Schritt ist ein wesentlicher Meilenstein für unsere Neuausrichtung und steht für einen klaren Fokus, der beschleunigtes Wachstum in unseren wichtigsten Geschäftsfeldern Cloud Computing, SAP-Dienstleistungen und Internet der Dinge (Internet of Things, IoT) ermöglicht. Denn diese Technologien besitzen eine große Relevanz für unsere Kunden.

IT-DIRECTOR: Was wird sich durch den Verkauf ändern?
J. Hermann:
In den letzten Jahren hat das sinkende Telekommunikationsgeschäft unser Wachstum gebremst, aber nun sind wir wieder ein Wachstumsunternehmen. Die Neuausrichtung mit einem klaren Fokus auf die Märkte Cloud, SAP und IoT und die Branchen Handel, produzierendes Gewerbe und Energie sind dabei die Treiber.

IT-DIRECTOR: Wie drückt sich die damit verbundene „Wachstumsstrategie2020plus“ in Zahlen aus?
J. Hermann:
Wenn man die Zahlen um das Telekommunikationsgeschäft bereinigt, starten wir im Hinblick auf das letzte Geschäftsjahr mit einem Jahresumsatz von 135 Millionen Euro. Bis 2022 wollen wir den Umsatz auf 200 Millionen steigern und attraktive Renditen erwirtschaften.

IT-DIRECTOR: Welchen Bereich genau haben Sie mit Plusnet abgestoßen?
J. Hermann:
Unser früheres Kerngeschäft rund um das DSL-Netz. Denn, um im TK-Bereich wettbewerbsfähig zu bleiben, hätten wir in neue Glasfaserinfrastrukturen investieren müssen. Das können jedoch Anbieter wie Telekom, Deutsche Glasfaser oder eben EnBW besser.

IT-DIRECTOR: Ihr Unternehmen agiert seit über acht Jahren als SAP-Partner. Welche Schwerpunkte setzen Sie hierbei?
J. Hermann:
Der Startschuss für das SAP-Geschäft fiel im Jahr 2011 mit dem Kauf des IT-Consulting- und Outsourcing-Anbieters Info AG aus Hamburg. Seitdem bieten wir die Implementierung und den klassischen Applikationsbetrieb von SAP-Systemen an. Aktuell liegt das Augenmerk aber auf der HANA-Technologie – sowohl auf der Datenbank als auch dem Betriebssystem S/4HANA.

IT-DIRECTOR: In welchen Geschäftsbereichen findet SAP denn Anwendung?
J. Hermann:
Aktuell stellen wir vermehrt im Handel, wo es auf Geschwindigkeit ankommt, auf HANA-Technologie um. So sorgen wir dafür, dass bei Fressnapf die Regale gefüllt sind und die Logistik sowie die Kassenabrechnungen funktionieren. Bei Tchibo stellen wir sicher, dass Filialen ausreichend beliefert und im Onlineshop zeitnah Transaktionen abgewickelt werden können. Zudem haben wir bei der Baumarkt-Handelskette Fishbull gerade erst eines der größten HANA-Projekte umgesetzt.

IT-DIRECTOR: Stimmt es, dass Anwender insbesondere aus dem Mittelstand noch zögerlich auf die Implementierung von S/4HANA setzen?
J. Hermann:
Das stimmte bis Ende letzten Jahres und entspricht der üblichen Zurückhaltung bei „neuen“ Produkten und Technologien. Mittlerweile sehen wir allerdings eine deutlich gestiegene Nachfrage – sowohl von Neukunden als auch Bestandskunden.

IT-DIRECTOR: Lässt sich dieser Eindruck beziffern?
J. Hermann:
Nach unseren Recherchen planen 45 Prozent der deutschsprachigen Unternehmen die Umstellung auf S/4HANA bis zum Jahr 2021.

IT-DIRECTOR: Könnten Sie Ihr Leistungsspektrum in Sachen SAP kurz umreißen?
J. Hermann:
Wir sind ein Fullservice-Dienstleister, der von der Beratung über die Implementierung bis hin zur Wartung sämtliche Schritte begleitet. Gemeinsam mit den Kunden bilden wir ihre geschäftskritischen Prozesse in SAP ab. Gleichzeitig kümmern wir uns um Themen wie Lizenzen, Hochverfügbarkeit und Ausfallsicherheit. Dabei sind von unseren 230 SAP-Beratern über 90 Prozent HANA-geschult.

Generell fokussieren wir uns auf Unternehmen mit 200 bis rund 5.000 IT-Arbeitsplätzen, die allein mit SAP-Standardlösungen nur wenig anfangen können. Vielmehr müssen in ihren Projekten weitere Applikationen angebunden und entsprechende Schnittstellen geschaffen werden.

IT-DIRECTOR: Setzen viele Anwender nicht bewusst auf Individuallösungen, um sich von Mitbewerbern abzuheben?
J. Hermann:
Das steht den Kunden frei – die Software ist flexibel genug. In manchen Bereichen setzen sie gezielt Standardlösungen ein. Geht es jedoch um die Kernprozesse, dann kommen meist maßgeschneiderte Individuallösungen zum Einsatz. An diesem Punkt können wir sämtliche Implementierungen nicht nur durchführen, sondern auch mit vorhandenen Systemen integrieren und die gesamte IT-Landschaft in unseren Rechenzentren betreiben. Bei manchen Kunden müssen auf diese Weise bis zu 800 Applikationen integriert werden.

IT-DIRECTOR: Gleichzeitig müssen alle Systeme gewartet, Patches eingespielt, Releases durchgeführt und Lizenzen sowie Nutzerrechte beachtet werden ...
J. Hermann:
Vor diesem Hintergrund ist der Betrieb von Standardlösungen sicher am effizientesten und spart Kosten. Es gilt, branchen- und kundenabhängig das richtige Maß zwischen Standard- und Individuallösungen zu finden. Wir haben festgestellt, dass wir bei der Standardisierung von 60 bis 70 Prozent der Prozesse bereits Skaleneffekte erzielen.

IT-DIRECTOR: Neben SAP legen Sie großes Augenmerk auf IoT-Anwendungen im produzierenden Gewerbe. Was steckt dahinter?
J. Hermann:
Der IoT-Markt ist noch sehr jung und bietet daher enormes Wachstumspotential. Dennoch haben wir mit diesen Technologien bereits seit sechs Jahren Erfahrungen sammeln können, die wir in unserer Tochtergesellschaft Q-loud gebündelt haben. Wir integrieren dabei nicht nur die Daten der Sensoren, sondern liefern auf Wunsch auch die erforderliche Hard- und Software.

IT-DIRECTOR: Gibt es konkrete Beispiele?
J. Hermann:
Ein großer Heizungshersteller produziert Wärmepumpen und stand vor der Aufgabe, diese internetfähig zu machen. Eine vorausschauende Wartung sollte ebenso möglich sein, wie die Daten auszuwerten und Steuerungen zu regeln. Dies konnte Q-loud mit eigens entwickelter Hard- und Software realisieren. Generell können wir dabei ältere Systeme sogar rückwirkend umrüsten.

Im Moment stellt Industrie 4.0 einen sehr großen Markt für uns dar, in dem wir uns gut aufgestellt sehen. Das betrifft insbesondere das Edge Computing, das ja die Steuerungskompetenz bereits vor Ort übernimmt, so dass die Systeme selbst eigene Entscheidungen treffen können. Diese Systeme gestalten und betreiben wir.

IT-DIRECTOR: An dieser Stelle bieten Sie eine sogenannte „Fritzbox“ für die Industrie an ...
J. Hermann:
Genau. Wir bringen die Welten von Operational Technology (OT) und Information Technology (IT) zusammen. Dazu zählen auf der einen Seite die klassischen IT- und TK-Protokolle, wie LAN, WIFI, 3G, 4G und 5G- sowie auf der anderen Seite Produktionsprotokolle wie M-Bus, MQTT oder OPC UA.

IT-DIRECTOR: Neben dem Handel und dem produzierenden Gewerbe wollen Sie zudem in der Energiebranche neue Projekte gewinnen. Wie passt das zusammen?
J. Hermann:
Wir besitzen im Energiesegment schon lange umfangreiche Kompetenzen, insbesondere beim Einsatz von sicheren, intelligenten Cloud- und IoT-Lösungen. Überdies ist der Markt bezüglich seines Digitalisierungsgrades noch nicht weit entwickelt und bietet viel Potential. Desweiteren stehen die Versorger bei der Umsetzung der Energiewende vor enormen Herausforderungen.

Insgesamt stehen die drei genannten Branchen derzeit für die Hälfte aller IT-Services in Deutschland. Mit unseren hochskalierbaren, standardisierten IT-Produkten, unserem Branchen-Know-how und starken Partnerschaften können wir Mehrwerte in Sachen Digitalisierung schaffen.

IT-DIRECTOR: Worin liegt der Schlüssel zum Erfolg?
J. Hermann:
Erst die Integration und Vernetzung von Dienstleistungen mit Lösungen rund um Cloud, SAP und IoT und die entsprechenden Rechenzentrumsressourcen bringen wesentliche Vorteile. Dabei ist die Integrationsfähigkeit schon jetzt unsere große Stärke. Wer das Internet der Dinge in seinen Geschäftsprozessen oder zur Effizienzsteigerung einsetzen will, braucht die passende Cloud- und ERP-Anbindung damit Prozesse reibungslos funktionieren.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Ansprechpartnern gehen Sie aktuelle Projekte an?
J. Hermann:
Hinsichtlich der Unternehmens-IT sprechen wir in der Regel mit dem Chief Information Officer (CIO). Hinsichtlich des Internets der Dinge sind die Geschäftsführung oder der Chief Digital Officer (CDO) oft unsere Ansprechpartner.

IT-DIRECTOR: Wie viele Unternehmen migrieren derzeit in die Cloud?
J. Hermann:
Wir schätzen, dass fünfzig Prozent der Mittelständler noch auf den Eigenbetrieb setzt. Somit ist in Deutschland von rund 50.000 Rechenzentren bzw. Serverräumen die Rede. Wie verschiedene Studien belegen, verfolgen viele Unternehmen einen Multi-Cloud-Ansatz, das heißt sie nutzen die Cloud-Dienste und -Plattformen mehrerer Anbieter. Dies ist schon bemerkenswert, war der Weg in die Cloud für viele Mittelständler doch vor wenigen Jahren noch ein „No Go“.

Mittlerweile schätzen die meisten Menschen sowohl Cloud-Technologien als auch Künstliche Intelligenz, ohne dass es ihnen immer bewusst ist, einfach weil es so viele Vorteile bietet. Beispiele sind sämtliche Smartphone-Apps. Aber auch Cloud-Telefonie und der digitale Arbeitsplatz.

IT-DIRECTOR: Apropos Künstliche Intelligenz – welchen Stellenwert nimmt dieses Thema im Rahmen Ihrer Wachstumsstrategie ein?
J. Hermann:
Wir entwickeln bereits seit längerem KI-Lösungen und setzen sie sowie viele andere Technologien auch in unseren Projekten ein. So haben wir bei einem großen Handelsunternehmen auf Basis von Künstlicher Intelligenz ein E-Mail-Dispatching implementiert, womit der Kunde rund 800.000 Euro jährlich einspart. Mittels entsprechender Algorithmen wurden die Betreffzeilen und Inhalte der E-Mails ausgewertet und an die zuständigen Fachabteilungen sowie Mitarbeitern weitergeleitet. Während zunächst noch viel manuell nachgearbeitet werden musste, verbesserte sich die Trefferquote im Zuge der Zeit kontinuierlich, sodass eine hohe Automatisierung erreicht werden konnte.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns weitere Anwendungsszenarien beschreiben?
J. Hermann:
Um aufzuzeigen, was anhand der Kombination verschiedener Technologien möglich ist, haben wir eine handelsübliche Eistruhe intelligent gemacht. Dieser Show-Case veranschaulicht auf einen Blick, welche Mehrwerte die Digitalisierung zum Beispiel dem Handel bringt.   Die Truhe wurde mit Tür- und Temperatursensoren ausgestattet. Zudem bauten wir eine Waage ein, die geringste Gewichtsschwankungen abbildet, sodass bereits die Entnahme einer einzelnen Eistüte bemerkt wird. Auf diese Weise haben wir die Logistikkomponente abgedeckt. Denn ist die Lagerverwaltung unmittelbar angebunden, weiß der Kunde genau, wann Eis nachgefüllt werden muss.

Desweiteren können rund um die Uhr die Temperatur, der Energieverbrauch oder die Funktionsweise des Kompressors von der Zentrale fernüberwacht werden. Dafür sind alle Sensoren mit einem IoT-Gateway verbunden. Sowohl das Gateway als auch die zugrundeliegenden Technologien basieren auf der Cloud-Plattform Leonardo von SAP. Über entsprechende Übertragungsprotokolle werden alle Sensordaten in die Cloud übermittelt, wo ein digitaler Zwilling des kompletten Systems abgebildet wird. Aktuell ist unsere IoT-Lösung die einzige, die SAP für Leonardo zertifiziert hat. Entscheidend ist aber, dass diese technologische Lösung vielfältige betriebswirtschaftliche Chancen bietet.

IT-DIRECTOR: In welchen weiteren Bereichen spielt das Internet der Dinge eine große Rolle?
J. Hermann:
Den Möglichkeiten sind keine Grenzen gesetzt. Neben Maschinen in vernetzten Produktionsumgebungen können Geräte wie Hubwagen oder Gabelstapler mit IoT-Sensoren versehen werden. Die Hersteller können diese auf Basis von „Logistik as a Service“ bedarfsgerecht vermieten. Die Kunden bezahlen somit allein die Leistung, die die Geräte tatsächlich erbracht haben: Wie häufig wurden die Geräte genutzt? Wie lange damit gearbeitet? Welche Funktionen waren in Betrieb? Anhand der Antworten ergibt sich die jeweilige Abrechnung, wofür jedoch die unmittelbare Verknüpfung mit dem ERP-System gegeben sein muss. Für die Übertragung der Daten nutzen wir dabei bevorzugt Narrowband IoT.

Generell zeigt dieses Beispiel auf: Wollen die Kunden IoT-Komponenten zu Geschäftsanwendungen entwickeln, sind sie schnell im Cloud- und ERP- beziehungsweise SAP-Umfeld unterwegs. Dabei geht es neben der nahtlosen Integration auch um das Zusammenspiel aller Komponenten in Echtzeit.

IT-DIRECTOR: Was sind die Vorteile des angesprochenen Übertragungsverfahrens Narrowband IoT?
J. Hermann:
Narrowband IoT ist eine Übertragungstechnologie, die auf die Kommunikation zwischen „Dingen“ spezialisiert ist. Sie sendet auch dort, wo herkömmliche Mobilfunkfrequenzen an ihre Grenzen stoßen, etwa in Kellern, Tiefgaragen oder in Gebäuden mit sehr dicken Wänden. Mittels Narrowband IoT haben wir beim Flughafen München unter dem Rollfeld und an abgelegenen Ecken IoT-Sensoren installiert, die aktuelle Daten bereitstellen. Sie werden verschlüsselt übertragen und landen im Cloud-Betrieb des Flughafens.

Prinzipiell kann es sich beim Sammelort von IoT-Daten um eine Kunden-Cloud, die Private Cloud von QSC oder eine Public Cloud von Amazon oder Microsoft handeln. Im Anschluss daran werden die Daten dort mittels Analytics und Künstlicher Intelligenz ausgewertet. Es folgen Prognosen und bei Bedarf konkrete Handlungsempfehlungen oder Impulse, um die abgebildeten Prozesse optimieren zu können. Daneben kann mithilfe von Algorithmen eine Logik existieren, die vor Ort eigenständig Entscheidungen trifft und entsprechende Arbeitsprozesse anstößt.

IT-DIRECTOR: Das bedeutet konkret?
J. Hermann:
Im stationären Handel lassen sich Wettersensoren mit elektronischen Preisetiketten verknüpfen, um Preise dynamisch zu verändern. Zudem lassen sich die Laufwege von Kunden nachverfolgen oder die Dauer, wie lange sie vor bestimmten Produkten oder Regalen verweilen.

IT-DIRECTOR: Entwickeln Sie neben Devices eigene Applikationen für IoT-Projekte?
J. Hermann:
Sicher, denn in den passenden Applikationen liegt der größte Nutzen. Zum Hintergrund: Um die bestmögliche Wertschöpfung zu erreichen, arbeiten viele Kunden auf Infrastrukturebene mit Standards und beziehen Ressourcen von Private-Cloud-Anbietern wie QSC oder aus den Public Clouds von Amazon oder Microsoft. Auf diesen Infrastrukturen setzen unsere spezifischen Branchenlösungen auf, die dann auf unserer eigenentwickelten Software konkrete Mehrwerte für den Kunden liefert.

IT-DIRECTOR: Wie realisieren Sie die Entwicklung neuer Lösungen?
J. Hermann:
Bei der Entwicklung neuer Lösungen steht der Branchenfokus Handel, produzierendes Gewerbe und Energie im Vordergrund. Nur mit dem spezifischen Wissen und der Erfahrung können wir passgerechte Lösungen entwickeln. Hierfür haben wir junge, kreative Software-Spezialisten im eigenen Haus, die an innovativen Themen arbeiten. Ganz egal, ob es dabei um die Entwicklung von SAP-Lösungen, integrierten Konzepten oder neuen Technologien wie IoT oder KI geht. Es ist wichtig, dass neben der Branchenkompetenz ein intensiver Dialog mit den Kunden erfolgt. Dieser beginnt oft mit gemeinsamen Workshops auf Grundlage moderner Methoden wie Design Thinking.

IT-DIRECTOR: Wie ist es um die Wirtschaftlichkeit der Lösungen bestellt?
J. Hermann:
Speziell im IoT-Umfeld arbeiten wir mit Machtbarkeitsstudien (Proof of Concept, PoC). Hierbei schildern die Kunden zunächst ihre Herausforderungen. Für einen einmaligen Projektpreis liefern wir anschließend innerhalb von drei bis vier Wochen ein voll funktionsfähiges IoT-Device, das allen Anforderungen entspricht. Das Gerät wird dann im Design noch verbessert und weitere Anregungen des Kunden können noch integriert werden, kann aber sehr schnell in die Serienfertigung gehen.

IT-DIRECTOR: Auf diese Weise können IoT-Projekte zügig umgesetzt werden ...
J. Hermann:
Genau, wobei nicht nur die Umsetzung von IoT-, sondern von IT-Projekten generell in kleinen Schritten erfolgen sollte. Viele Kunden setzen großangelegte Digitalisierungsstrategien auf, anstatt mit einem überschaubaren Vorhaben zu starten. Keiner muss weltweit in einem großen Rollout auf S/4HANA setzen, sondern kann zunächst erst Teilbereiche migrieren. Dies erweist sich durchaus als sinnvoll, da nicht alle Systeme die Schnelligkeit von In-Memory-Computing benötigen. Vielmehr laufen sie nach wie vor auf herkömmlicher Datenbankinfrastruktur einwandfrei. Unter diesen Gesichtspunkten lautet unser Credo: Einfach anfangen, kleine Schritte planen und die konkrete Umsetzung anstoßen. Währenddessen sollte die Entscheidung fallen, ob es sinnvoll ist, das Projekt zu erweitern.

IT-DIRECTOR: Lassen Sie uns abschließend einen Blick in die Zukunft werfen. Welche Ziele haben Sie sich gesetzt?
J. Hermann:
Erstens, zweitens, drittens will ich, dass die CEOs, CIOs und IT-Leiter mittelständischer Unternehmen die QSC AG als ihren Dienstleister für komplexe Digitalisierungsmaßnahmen wählen. Insbesondere wenn es um die Verbindung von Cloud-, SAP- und IoT-Kompetenzen wollen wir als die Nummer 1 am Markt wahrgenommen werden. Das bezieht sich auf Bestandskunden und Neukunden.

IT-DIRECTOR: Wie gestalteten sich Ihre Beziehungen zu Bestandskunden zuletzt?
J. Hermann:
Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Kunden ihr Vertrauen – und die entsprechenden Verträge – mit uns verlängern. Im vergangenen Jahr liefen die bestehenden Verträge zahlreicher Kunden – darunter Edeka, Esprit, Fressnapf, Pari und Tchibo – aus. Wir konnten alle diese Verträge verlängern, die meisten sogar noch erweitern, was für unsere Leistungsfähigkeit spricht. Manche davon hatten die Projekte ausgeschrieben und wir konnten das überzeugendste Angebot liefern. Andere hingegen haben bewusst auf eine Ausschreibung verzichtet und direkt mit uns verlängert.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Gleichzeitig konnten wir aber auch unser Neugeschäft beschleunigen; wie zum Beispiel den Stahlspezialisten Schmolz+Bickenbach oder die Baumarktkette Fishbull.

IT-DIRECTOR: Inwiefern würden Sie Akquisitionen in Betracht ziehen, um weiter zu wachsen?
J. Hermann:
Gezielte Investitionen in Technologien oder Anbieter, die uns bei der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie unterstützen können, fassen wir auf jeden Fall ins Auge. Dabei handelt es sich sicherlich nicht um die Übernahme großer Unternehmen, sondern eher um die von kleineren Firmen. Es geht um die Einbindung strategischer, komplementärer Anbieter wie Start-ups, die sich durch innovative Technologien und geistiges Eigentum auszeichnen.


Jürgen Hermann
Alter: 55 Jahre
Werdegang: Jürgen Hermann studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität der Bundeswehr Hamburg und war anschließend als Offizier der Fernmeldetruppen des Heeres in Deutschland und USA tätig. Danach wechselte er in leitender Position zur Thyssen Telecom AG. Seine Laufbahn bei QSC begann er 1997 mit der Gründung des Unternehmens als Beratungsgesellschaft. Seitdem gestaltete er den Aufbau des Anbieters mit.
Derzeitige Position: seit 30. Mai 2013 Vorstandsvorsitzender und CEO von QSC
Hobbys: Laufen, Tauchen, Motorrad, Lesen, Reisen


Bildquelle: Aleksander Perkovic

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