Tapedrives

Diese Dinosaurier wollen nicht sterben

Bandlaufwerke sind das älteste magnetische Speichermedium für Computer und im Zeitalter von Big Data das kosteneffizienteste.

Computer und Bandlaufwerke

Erst das Bandlaufwerk macht den Hollywood-Computer

Bis weit in die achtziger Jahre hinein wurde die Vorstellung von einem Computer durch Hollywood bestimmt. Gezeigt wurde meist ein großer Schrank mit einem Bandlaufwerk, in dem sich zwei Spulen ebenso ruckartig wie suggestiv bewegten. Es gibt hunderte solcher Aufnahmen in Kino und TV.

Und tatsächlich ist das Tapedrive neben der Lochkarte das älteste Speichermedium für Computer. Bereits seit den 1950er Jahren werden größere Datenmengen auf Magnetbändern gespeichert. Die Lochkarte war dagegen eher ein Werkzeug für Entwickler, mit dem Programme und Eingabeparameter gespeichert wurden. Doch größere Datenaufzeichnungen waren die Domäne der Tapedrives. Sie sind es bis heute.

Der 30-Terabyte-Dinosaurier aus Magnetband

Die Dinosaurier unter den Speichermedien wollen nicht aussterben, obwohl ihnen der Tod schon mindestens seit 30 Jahren vorausgesagt wird. Diese Leichen leben noch: Ein technisch aktuelles Tapedrive mit der LTO-Technologie der achten Generation bringen auf einer Cartridge mit knapp einem Kilometer hauchdünnem Magnetband unglaubliche Datenmengen unter: Zwölf Terabyte ohne und etwa 30 Terabyte mit Datenkomprimierung. Die Schreib/Lese-Geschwindigkeit liegt bei immerhin 300 MB/s, was schon den Datenraten von Niedrigpreis-Festplatten entspricht.

Diese Daten zeigen das Haupteinsatzgebiet von Bandlaufwerken: Sie dienen der Datensicherung und -archivierung. Der Grund für ihr Überleben liegt in zwei Entwicklungen der letzten 30-40 Jahre. Zum einen sind die von den Unternehmen verarbeiteten Datenmassen enorm angestiegen. Zum anderen ist der Amtsschimmel schuld. Die umfangreichen Regeln in Sachen Datenschutz, Datensicherheit, revisionssicherer Archivierung machen ein speichereffizientes Format notwendig.

Zudem ist die Datensicherung auf Tape-Cartridge recht kostengünstig. LTO-8-Bänder kosten um 140 Euro, eine preisgünstige SAS-Festplatte für den Dauerbetrieb mit zwölf Terabyte Kapazität kostet mindestens das dreifache. Bei größeren Datensicherungsautomaten mit mehreren Petabyte Kapazität ist der Kostenvorteil der Cartridges noch größer.

Der Vorteil eines Datenarchivs auf Festplatte ist allerdings der schnelle Zugriff, denn Zugriffe auf Bandsysteme sind unter Umständen langsam. Bei älteren archivierten Dateien muss häufig das Band gewechselt werden, was aber automatisch geschieht. Trotzdem dauert es dann schon mal ein paar Minuten, eine Datei zu finden und wiederherzustellen. Bei einem plattenbasierten System vergehen lediglich wenige Sekunden.

Bandarchive durchbrechen die Zettabyte-Grenze

Doch die schiere Datenmenge begrenzt die Möglichkeiten von Plattenspeicher. Das merken auch die großen Cloudanbieter wie Amazon oder Microsoft, die oft Terabyte-große Datenarchive sichern müssen - pro Kunde. Also suchen sie inzwischen nach Zettabyte-Speichern. Aus solchen fantastischen Zahlen lässt sich eine Grundregel für den kosteneffizienten Einsatzkorridor von Tapedrives ableiten: Bei weniger als einem Petabyte reicht Plattenspeicher, darüber ist die Domäne der Bandlaufwerke.

Mit einiger Sicherheit werden Rechenzentren auch in den nächsten Jahren, vielleicht sogar Jahrzehnten, noch auf Bänder sichern. Denn der allgemein akzeptierte offene LTO-Standard hat nachgelegt: In den letzten zehn Jahren ist die Kapazität der Bänder um 1.400 Prozent, die Leistung der Laufwerke um 200 Prozent und die Zuverlässigkeit um 9.900 (!) Prozent gestiegen, wie Rich Gadomski, Mitglied des Tape Storage Council in einem Blogbeitrag schildert.

Der derzeitige Kostenvorteil gegenüber Festplatten wird in Zukunft sogar eher noch größer werden, denn bis 2025 sollen die Datenübertragungsraten von Bandsystemen fünfmal schneller sein als bei Festplatten. Selbst wenn bis dahin auch die konkurrierenden Speichersysteme noch an Kapazität zulegen werden, Bandlaufwerke können da noch einige Zeit mithalten.

Außerdem ist in den Zeiten von Cyberangriffen aus allen Richtungen auch wieder die bei Tapedrives inhärente Sicherheit attraktiv. Denn die Cartridges sind nach dem Beschreiben offline, sie stehen oder liegen in der "Bibliothek" des Bandsystems. Wenn das gesamte System nun noch in einem etwas weiter entfernten Hochsicherheitsgebäude steht, ist ein großer Teil der typischen Cyberangriffe auf Plattensysteme bereits ausgeschlossen.

Bildquelle: Thinkstock

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