04.11.2015 Im Gespräch mit DAM United

Digital-Asset-Initiative gestartet

Von: Marcus Bond

Interview mit Roland Berg und Andreas Fink, Gründer des Dienstleisternetzwerks „Digital Asset Management (DAM) United“, über die Ziele der neuen Organisation und was sich Anwenderunternehmen davon versprechen können

  • Andreas Fink, DAM United

    Andreas Fink, Gründer der Initiative „DAM United“

  • Roland Berg, DAM United

    Roland Berg, ebenfalls Erfinder von „DAM United“

IT-DIRECTOR: Herr Berg, Herr Fink, Sie haben kürzlich mit „DAM United“ ein Dienstleisternetzwerk mitgegründet. Was waren Ihre Beweggründe?
R. Berg:
Nicht nur im Privaten steigt die Bilderflut rasant, auch Unternehmen erstellen, kaufen, nutzen und archivieren immer mehr Bilder und Videos. Digitale Assets werden immer wichtiger, sowohl für die Darstellung als auch für das Wissensmanagement. Entlang der ganzen Wertschöpfungskette entstehen Bilder, bis hin zur Anwendung des Produkts beim Endkunden. Und es gibt immer mehr Kanäle wie Youtube, Instagram, Facebook und Blogs, in denen Unternehmen auch bildlich professionell auftreten müssen. Kurzum: Digital Asset Management ist schon längst keine Spielerei für die Kreativen mehr. Entsprechend steigt die Nachfrage nach DAM-Lösungen und dem entsprechenden Know-how. Vor diesem Hintergrund haben wir das Netzwerk gegründet. Es besteht aus erfahrenen DAM-Spezialisten, womit wir Kunden deutlich besser beraten und bedienen können – und zwar weltweit.

A. Fink: Als Dienstleister besitzt man überdies immer eine Spezialisierung und kennt bestimmte Systeme oder Lösungen besonders gut. Die zahlreichen DAM-Systeme unterscheiden sich aber in Bezug auf Sonderfunktionen, Skalierbarkeit, Performance, Usability und Flexibilität. Wer Bilder beispielsweise vor allem online für Websites, Shops etc. nutzt, hat ganz andere Anforderungen als ein Unternehmen, das auch regelmäßig Broschüren, Kataloge, Flyer usw. druckt. Wer rein zentral mit wenigen Beteiligten arbeitet, benötigt eine andere Lösung als eine dezentrale Organisation. Mit der neuen Organisation können wir nun die gesamte Palette an Lösungen bieten, und dies sozusagen herstellerneutral.

IT-DIRECTOR: In welchen Anwendungen wird ein DAM-System typischerweise eingesetzt und wie grenzt es sich von Systemen wie Produktionsinformations-Management (PIM), Content-Management-System (CMS) oder Enter-prise Resource Planning (ERP) ab?
A. Fink:
Ein DAM-System importiert digitale Assets aller Art, liest dabei die Metadaten aus, legt diese zentral ab, unterstützt bei der weiteren Kategorisierung und dem späteren Auffinden und stellt die Assets rechtssicher in gewünschter Qualität und Größe an den richtigen Stellen bereit. Es interagiert über fertige Schnittstellen und Konnektoren mit allen angrenzenden Systemen, wie den gerade genannten. Zudem können Workflows eingerichtet und Prozesse im Zusammenhang mit Assets und ihrer Publizierung automatisiert bzw. rechtssicher und nachvollziehbar gestaltet werden. DAM unterstützt Unternehmen also dabei, professionell und effizient mit großen Mengen von Bildern, Videos, PDFs etc. und den angrenzenden Projekten umzugehen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 10/2015. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

R. Berg: Ohne DAM werden Bilder häufig doppelt und dreifach produziert oder mehrfach teuer eingekauft, einfach weil Abteilung A nicht weiß, was Abteilung B macht. Zudem werden Bilder an den unterschiedlichsten Stellen in verschiedenen Varianten abgelegt. Gibt es dann ein neues Produktbild, Logo oder Ähnliches, ist es extrem aufwendig, die veralteten Bilder zu finden und zu tauschen. Mit einem DAM-System klappt das mit wenigen Klicks.

IT-DIRECTOR: An welchen Stellen besteht hier Nachholbedarf?
A. Fink:
Leider wird Asset Management in vielen Fällen noch als reines Speicherplatzproblem abgetan und mit der Anschaffung von Hardware unterstützt. Die Erkenntnis, dass Assets auch Werte darstellen und mit passender Software verwaltet und genutzt werden müssen, wird bei den IT-Verantwortlichen meist nur auf Drängen des Marketings oder der Geschäftsleitung gewonnen. Dabei ist DAM eine ausgereifte Technologie, mit der die IT die Arbeit im Marketing und die Prozesse im Unternehmen enorm voranbringen kann. Die IT-Verantwortlichen müssen sich nicht einmal mit Plattformfragen beschäftigen, da sich so ziemlich alle DAM-Lösungen in bestehende Infrastrukturen einbinden lassen.

IT-DIRECTOR: Welche Dinge sollte man beim Einsatz von DAM beachten?
A. Fink:
Zunächst einmal sollte die IT die Einführung einer DAM-Lösung unterstützen. Wichtig ist zudem eine möglichst herstellerneutrale Beratung und Begleitung beim Evaluationsprozess. Und drittens sollte die Verantwortlichkeit für die Pflege des Asset-Bestands und der zugehörigen Metadaten festgelegt werden. In den USA gibt es mittlerweile den Job des digitalen Bibliothekars, der als Herr über die Bilderwelten wacht. Das klingt nach Extraaufwand, spart unterm Strich aber im täglichen Umgang mit Bildern viel Zeit und Geld ein.

IT-DIRECTOR: Wohin geht die Reise im DAM-Bereich?
R. Berg:
Die Systeme an sich sind sehr ausgereift. Allerdings werden die Lösungen durch breitbandiges Überall-Internet, Wearables, Internet of Things etc. immer interessanter. Warum beim Unfall mit dem Kfz nicht einfach ein paar Schadensfotos vor Ort per Smart­phone direkt zum Versicherer schicken? Das DAM des Versicherers liest Zeit, Ort, Absender etc. automatisch aus und kann mit den Informationen direkt einen Schadensprozess starten. Warum nicht Schlaglöcher und defekte Spielgeräte auf dem Spielplatz ebenso an die Stadtverwaltung senden? Auch im Content Marketing wird es noch viele spannende Anwendungen geben, die auf einem DAM-System basieren.

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