Politik und Wirtschaft diskutieren

Digital-Gipfel: Wachstum und Wohlstand dank KI?

Am dritten und vierten Dezember kamen Politik und Wirtschaft in Nürnberg zusammen, um über die Gestaltung der hiesigen Digitalisierung zu beraten. Im Mittelpunkt stand der Umgang mit Künstlicher Intelligenz (KI), aber auch die anhaltende Debatte um den Mobilfunkausbau.

Visualisierung von Daten

Angela Merkel mahnte im Rahmen des Gipfels, dass der Mensch nicht zum kostenlosen Datenlieferanten werden dürfe.

„Mit der Querschnittstechnologie KI können wir unser Leben massiv verbessern, sei es bei der Früherkennung von Krankheiten, der Unterstützung bei der Pflege oder beim autonomen Fahren”, resümierte Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der am Dienstag mehr als tausend Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft zum Digital-Gipfel in Nürnberg empfing. Das Motto: „Künstliche Intelligenz – ein Schlüssel für Wachstum und Wohlstand“. Durch KI seien allein im produzierenden Gewerbe rund 32 Milliarden Euro an zusätzlicher Wertschöpfung in den kommenden fünf Jahren möglich, so seine Einschätzung. Dafür wären seit 2010 fast 250.000 Arbeitsplätze in der ITK-Branche entstanden. Man wolle Deutschland in Anbetracht des zunehmenden Wettbewerbs zu einem führenden Standort für KI machen. Dafür sollen bis 2025 im Rahmen der KI-Strategie rund 3 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Wie genau diese Führungsposition übernommen werden soll, bleibt dabei allerdings noch recht unklar. So war lediglich die Rede von einem staatlich geförderten Großprojekt nach dem Vorbild von Airbus, mit dem großen Konzernen wie Google oder Apple die Stirn geboten werden soll. Dazu gebe es bereits Gespräche mit deutschen und französischen Unternehmen.

Die KI-Strategie der Bundesregierung wurde im Juli vorgestellt. Auch hier war bereits von einem „weltweit führenden Niveau”, aber auch von einer verantwortungsvollen Nutzung zum Wohle der Gesellschaft die Rede. Eckpunkte, die auch in Nürnberg immer wieder eine Rolle spielten. So betonte auch Angela Merkel, dass der Mensch im Zuge des Fortschrittes nicht ausgebeutet werden dürfe, indem er zum kostenlosen Datenlieferanten werde und seine Hoheit über diese Daten schließlich verliere. „Das bedeutet nämlich, in der Endkonsequenz gedacht, sozusagen die Vernichtung der Individualität. Das kann und darf nicht unser Ziel sein. Deshalb müssen wir versuchen, das rechte Maß zu finden”, so ihre Einschätzung. Chancen und Risiken würden hier eng beieinander liegen. Als Negativbeispiel nannte die Kanzlerin ganz konkret den amerikanischen und chinesischen Umgang mit dem Thema Datenschutz. „Das sind zwei Extrempositionen, die wir beide nicht wollen und die auch dem Wesen der Sozialen Marktwirtschaft nicht entsprechen”, so ihr Fazit. Soziale Marktwirtschaft sei niemals reiner Kapitalismus.

Ohne Daten keine KI

Achim Berg, Vorsitzender des Branchenverbandes Bitkom, deutete den Gipfel als deutliches Aufbruchssignal der Bundesregierung: „Die Botschaft lautet: Deutschland will KI – und Deutschland kann KI”, so seine Einschätzung auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Peter Altmaier. Die Digitalisierung sei das beste, was Deutschland passieren könne, da man für diese Entwicklung keine Rohstoffe brauche – etwas, was in diesem Land sehr rar sei. Bei der Digitalisierung ginge es vor allem um Know-how, intelligente Infrastrukturen und Daten. In letzterem Punkt sei man allerdings nicht gut aufgestellt. Die Debatten um den Datenschutz würden hierzulande durch die Angst vor Facebook und Google dominiert werden. Das würde den Blick auf große Chancen bei der kontrollierten Verwendung von Daten verstellen. „Eine KI ohne Daten ist wie ein Schwimmbad ohne Wasser”, so seine Schlussfolgerung.

Beim Thema Breitband würde sich die Republik laut Achim Berg in einem „Wünsch-dir-was”-Modus befinden. Autobauer würden 5G an jeder Straße fordern, Bauern sogar auf jedem Acker. Zudem würde Deutschland zu einem Drittel aus Wäldern bestehen. Berg fragte in diesem Zusammenhang, ob man wirklich Füchse und Vögel mit 5G versorgen wolle. Damit spricht der Bitkom-Vorsitzende vor allem im Interesse seiner Verbandsmitglieder, zu denen auch Netzbetreiber wie Vodafone oder die Deutsche Telekom gehören. Die haben sich in der Debatte immer wieder gegen eine flächendeckenden Ausbau des neuen Mobilfunkstandards ausgesprochen. Angela Merkel vermutet in ihrer Rede, dass 5G für viele Bürger ein Synonym für das Schließen der Funklöcher geworden ist: „Im Grunde führen wir eine Ersatzdiskussion. 5G tritt an die Stelle all der Wünsche von Menschen, die heute kaum ein Telefonat führen, geschweige denn bewegte Bilder sehen können, wenn sie auf irgendeiner Wiese oder an irgendeinem Strand sitzen”, so ihre Einschätzung. Ihre Position in der Debatte bleibt diplomatisch: „Nicht überall braucht man die Tonqualität der Berliner Philharmonie, aber überall sollte man irgendwie Töne hören können.”

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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