IT-Beratung

Digitalagentur oder Freelancer?

Outvise-Partner Marco Rosenheimer erläutert im Interview, wann Großunternehmen in Sachen Digitalberatung auf große Agenturen setzen sollten und wann die Expertise eines Freelancers reichen würde.

Outvise-Partner Marco Rosenheimer

„Den wenigsten Freelancern wird es gelingen, direkt von großen Unternehmen beauftragt zu werden“, weiß Outvise-Partner Marco Rosenheimer aus Erfahrung.

ITD: Herr Rosenheimer, inwieweit wird Digitalisierungsberatung in deutschen Großunternehmen benötigt bzw. nachgefragt?
Marco Rosenheimer:
Die Nachfrage nach Digitalisierungsberatung gerade in deutschen Großunternehmen ist unserer Erfahrung nach hoch. Neben strategischer Beratung besteht vor allem Bedarf an agilen Digitalisierungsexperten für die operative Umsetzung. Der Großteil dieser digitalen Experten, vor allem jene mit ausreichend relevanter Berufserfahrung, arbeitet freiberuflich. Insbesondere, wenn es um neueste Technologien geht, benötigen diese Unternehmen die besten Experten auf dem jeweiligen Gebiet. Sie müssen zudem schnell, agil und flexibel einsetzbar sein, um die Herausforderungen der Digitalisierungsprojekte zu meistern. Deutsche Großunternehmen konkurrieren heutzutage international. Da aber die besten Digitalexperten für ein bestimmtes Thema nicht unbedingt nur in Deutschland zu finden sind, ist es sehr hilfreich, wenn auch ausländische Spezialisten zielgerichtet beauftragt werden können – am besten aus einem kuratierten, internationalen Netzwerk.

ITD: Wann Großunternehmen hierbei auf eine große Digitalagentur setzen, wann reicht auch die Zusammenarbeit mit einem freiberuflichen Digitalexperten?
Rosenheimer:
Beide Modelle haben ihre Daseinsberechtigung, nur mit völlig unterschiedlichen Rollen. Digitalagenturen punkten vor allem dann, wenn komplette Themenkomplexe oder Bereiche outgesourct werden sollen – z.B. wenn ganze Entwicklerteams in „Nearshore“-Modellen oder komplette Online-Vermarktungsdisziplinen extern vergeben werden sollen. Wenn es aber um tiefes digitales Spezial-Know-how, neueste Technologien oder auch um einen hohen Grad an Seniorität mit Leadership-Kompetenzen in agilen Umfeldern geht, sind freiberufliche Experten oftmals das geeignetere Modell. Zukünftig können auch ganze Teams von Freelancern komplette Themenkomplexe übernehmen. Dazu bedarf es aber eines klar definierten Rahmens und Set-ups. Freelancer werden immer einen Tick flexibler, agiler und spezialisierter sein.

ITD: Wie können Freelancer ihre Digitalexpertise auch für große Unternehmen schmackhaft machen?
Rosenheimer:
Den wenigsten Freelancern wird es gelingen, direkt von großen Unternehmen beauftragt zu werden. Der administrative Aufwand ist für diese Firmen einfach zu hoch. Daher sind kuratierte Netzwerke und Online-Marktplätze, die die Rolle des Aggregators einnehmen, meist die erste Wahl. Der große Vorteil für die Unternehmen ist, dass diese Ressourcen, also die freiberuflichen Experten, entsprechend kuratiert, d.h. qualitativ vorgeprüft sind. Daher ist es für die Freelancer wichtig, sich innerhalb dieser Marktplätze zu positionieren und den direkten Kontakt zu ihnen zu suchen. Es ist hilfreich, wenn sie ihre Kompetenzen, die sie in konkreten Projekten anwenden konnten, in ihren Lebensläufen hervorheben und Beispiele und Referenzen mitbringen.

ITD: Worauf sollten wiederum die Unternehmen bei der Auswahl eines entsprechenden Beraters achten?
Rosenheimer:
Der Wettbewerbsdruck ist gewaltig. Um im Markt zu bestehen, benötigen Unternehmen die passenden Kompetenzen. Unternehmen sollten daher genau darauf achten, dass die Freiberufler über das gesuchte Fachwissen verfügen und dass dieses bereits erfolgreich in anderen Projekten angewendet wurde. Dies herauszufinden und zu überprüfen, ist nicht einfach. Unsere Experten, die selbst Spezialisten auf dem Gebiet sind, stellen z.B. sicher, dass die geforderten Fähigkeiten tatsächlich auf dem benötigten Niveau sind. Wir verfügen derzeit über 50 solcher sogenannten Scouts mit tiefgreifender Expertise. Durch ihren Einsatz verringern sich die Austauschquoten enorm, denn ein Lebenslauf sagt eben nicht alles.

ITD: Wie zufrieden sind freiberufliche Digitalexperten mit ihrer Tätigkeit in Deutschland?
Rosenheimer:
Genau dazu haben wir gerade unsere Nutzer befragt. Das Ergebnis: 62 Prozent sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer freiberuflichen Tätigkeit. Unzufrieden sind lediglich zwei Prozent der Befragten. Demzufolge planen 60 Prozent, auch in fünf Jahren noch als Freelancer zu arbeiten. Auch finanziell lohnt es sich übrigens: Fast zwei Drittel (61 Prozent) gaben an, in den letzten zwölf Monaten ein Einkommen von mehr als 100.000 Euro erzielt zu haben, bei 22 Prozent der von uns befragten Nutzer waren es sogar über 200.000 Euro.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Was sind ihre Motivationen, worin bestehen für sie die Herausforderungen?
Rosenheimer:
Die Motivation der Freelancer, selbstständig zu arbeiten, ist vielfältig. Der wichtigste Grund ist laut unserer Befragung die eigene Unabhängigkeit (33 Prozent). Auch abwechslungsreichen Tätigkeiten (20 Prozent) und die Möglichkeit, eigene Ideen umsetzen zu können (14 Prozente), sind für viele Freelancer wichtige Faktoren. Als größte Herausforderung hingegen betrachten die befragten freiberuflichen Experten die Akquise neuer Projekte: Mit 62 Prozent ist sie das mit großem Abstand größte Problem freiberuflicher Tätigkeit.

Bildquelle: Outvise

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