Wandel der IT-Dienstleister

Digitale Transformation erfordert neue Geschäftsmodelle

Im Zuge der digitalen Transformation müssen IT-Dienstleister ihr Geschäftsfeld überdenken und sich neu ausrichten.

Chamäleon

Der Wandel für IT-Dienstleister ist alternativlos.

Aufgrund der digitalen Transformation stehen Unternehmen branchenübergreifend vor gravierenden Veränderungsprozessen. Die damit verbundenen Aufgaben stellen nicht nur die Unternehmen selbst, sondern auch ihre IT-Dienstleister vor enorme Herausforderungen und zwingen sie dazu, ihre traditionellen Geschäftsmodelle auf den Prüfstand zu stellen.

Viele Unternehmen befinden sich bereits auf der Reise der digitalen Transformation. Sie haben mit der Informationsgewinnung begonnen, tauchen tief in ihre Big-Data-Analysen ein und starten das eine oder andere Leuchtturmprojekt rund um Industrie 4.0 oder Internet of Things (IoT). Dies allein wird allerdings nach Ansicht von Heiko Henkes, Manager Advisor beim Beratungsunternehmen Experton Group AG, nicht ausreichen, um ein neues digitales Geschäftsmodell ins Leben zu rufen. „Parallel muss man sich mit den Mitarbeitern beschäftigen und an den Führungs- und Organisationsstrukturen arbeiten. Es gilt, die digitale DNA in der Unternehmenskultur zu implementieren und die neuen Technologien parallel einzuführen. Datengetriebene Entscheidungen werden immer stärker unseren Arbeitsalltag beeinflussen, aber auch die Kooperationen mit neuen innovativen und kreativen Partnern“, so Heiko Henkes. Die digitale Transformation bedingt einen strategischen und integrierten Ansatz von Beratungs- und Integrationsdienstleistungen. Der Wandel ist komplex und nach Henkes’ Worten in den meisten Fällen nur über externe Hilfe zu bewerkstelligen.

Im Rahmen eines „Digital Transformation Vendor Benchmark“ hat sein Unternehmen Geschäfts- und Angebotsmodelle führender IT-Dienstleister untersucht und bewertet. Nach Ansicht der Analysten kann eine nachhaltige digitale Transformation nur über ein integrales Zusammenspiel wesentlicher IT-Disziplinen wie Big Data, Cloud Computing, Internet of Things/Industrie 4.0, Mobile Enter­prise, Sicherheit und Social Business gelingen. Das Ergebnis ist ernüchternd: Demnach können nicht einmal zehn Prozent der relevanten IT-Dienstleister mindestens drei der sechs genannten IT-Trendthemen unterstützen. Nur sieben Anbieter (Atos, Capgemini, HP, IBM, Microsoft, SAP und Telekom) sind demnach aktuell in der Lage, Kunden über alle Themen im Sinne einer „Full IT Business Transformation“ strategisch zu begleiten.

Eine Schlüsselrolle bei der Digitalisierung von Geschäftsprozessen spielt das Cloud Computing. Die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, das Safe-Harbor-Abkommen zwischen der EU und den USA aus Datenschutzgründen für rechtswidrig zu erklären, setzt Service-Anbieter unter Handlungsdruck. Wie eine aktuelle Umfrage des IT-Dienstleisters CSC belegt, fordern 60 von 100 befragten deutschen Entscheidungsträgern, dass IT-Dienstleister künftig Rechenzentren in Europa betreiben. Für die Zukunft wünschen sich die Entscheidungsträger aber auch vom IT-Dienstleister, an der Einhaltung der Datenschutzvorgaben aktiv mitzuwirken. So fordern beispielsweise 43 Prozent der Unternehmen einen rechtlich bindenden Nachweis, dass der IT-Service-Partner geltende Datenschutzvorgaben befolgt. Zudem erwartet gut jeder dritte Entscheider von seinem IT-Partner, selbst Rechtssicherheit beim Umgang mit personenbezogenen Daten zu schaffen.

„Das Thema Datensicherheit ist für uns und unsere Kunden ein Imperativ“, bestätigt Claus Schünemann, Vorsitzender der Geschäftsführung von CSC in Deutschland. „So bieten wir beispielsweise unseren Cloud-Kunden die Möglichkeit, nicht nur den Ort der Datenhaltung selbst vorzugeben, sondern auf Wunsch das Land der Support-Erbringung sowie die Nationalität der Support-Mitarbeiter selbst festzulegen.“

Eine Entwicklung, der inzwischen auch Marktführer wie Microsoft Rechnung tragen. Ab dem zweiten Halbjahr 2016 wird das Unternehmen ein umfassendes Cloud-Angebot offerieren, das ausschließlich aus deutschen Rechenzentren stammt. Verwaltet werden die Daten durch die Telekom-Tochter T-Systems, die als Datentreuhänder fungiert. „Durch die deutsche ‚Gatekeeper-Funktion’ können ausländische Behörden oder Gerichte Microsoft nicht anweisen, Daten aus der deutschen Cloud zugänglich zu machen. Das ist ein entscheidender Unterschied zu anderen Ansätzen in Deutschland, bei denen ausländische Firmen das Pro­blem zu lösen glaubten, indem sie selbst ein Rechenzentrum in Deutschland etablierten. Solange die Rechenzentren in Deutschland aber voll unter der Kontrolle ausländischer Unternehmen sind – ein Beispiel ist das Amazon-Rechenzentrum Frankfurt –, wären diese Firmen aber trotzdem an Weisungen beispielsweise eines US-Gerichts gebunden und müssten Daten auch aus deutschen Rechenzentren freigeben. „Dies hat Microsoft geschickt umgangen“, erläutert Robert Gögele, Geschäftsführer der Avanade Deutschland GmbH. Der IT-Dienstleister wurde im Jahr 2000 gemeinsam von Accenture und Microsoft gegründet und bietet ein breites Spektrum digitaler Dienste an.

Neben Cloud-Computing-Konzepten wird das Internet of Things dieses Jahr zum Schlüsselfaktor für Unternehmen. Die Kosteneffektivität der Cloud und die zunehmende Leistung bei Lösungen zur Datenanalyse machen es nach Ansicht von Robert Gögele einfacher, aus Daten unterschiedlichster Geräte und Systeme verwertbare Informationen zu generieren – für ein Mehr an Produktivität.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 04/2016. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Avanade arbeitet nach seinen Angaben bereits mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen an neuen Möglichkeiten. „Wir haben zum Beispiel eine IoT-Lösung mitentwickelt, mit deren Hilfe ein Kunde große Datenmengen von unterschiedlichen Systemen und Geräten auswerten kann. Kunden aus allen Branchen berichten uns von dem großen Potential, das sie in IoT sehen, um ihre Produkte weiterzuentwickeln und um zusätzliche Dienstleistungsangebote zu offerieren. Die Nutzung intelligenter Data Minings und vorausschauender Analysefähigkeiten zur Selektion relevanter Informationen wird 2016 eine der Schlüsselprioritäten für Unternehmen sein“, ist Robert Gögele sicher.

Unwissen blockiert Innovation


„Die digitale Transformation ist die größte Herausforderung, aber auch die größte Chance der deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren. Die Unternehmen müssen bei der Digitalisierung ihres Geschäfts unbedingt noch mehr Tempo aufnehmen“, fordert Bitkom-Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. Nach einer aktuellen Bitkom-Umfrage sehen nahezu alle deutschen Unternehmen (96 Prozent) in wichtigen Branchen die Digitalisierung für sich als Chance. Zugleich geben aber 56 Prozent der befragten Geschäftsführer und Vorstände aus den Bereichen Automobilbau, Banken, Medien, Pharmaindustrie und Touristik an, ihre Unternehmen seien bei der Digitalisierung eher Nachzügler und weitere acht Prozent halten sich sogar für abgeschlagen.

Ergebnisse, die von der aktuellen CSC-Umfrage „Digitale Agenda 2020 – Human Resources“ unter 1.000 Arbeitnehmern gestützt werden. Demnach sind 88 Prozent davon überzeugt, dass es den Unternehmen mit den bestehenden Strukturen nicht gelingen wird, die Weichen für die Anforderungen der neuen Arbeitswelt zu stellen. Befragt nach den Erfolgsfaktoren der Zukunft, halten die Befragten drei Themen für zentral wichtig: Führung, Teamarbeit sowie Aus- und Weiterbildung sollten an die digitale Arbeitswelt angepasst werden. Besonders hoch im Kurs stehen dabei neue Schulungsstrategien.

In der Entwicklung solcher maßgeschneiderter Schulungskonzepte eröffnen sich innovativen IT-Dienstleistern neue Marktpotentiale. „Die Mitarbeiter sind zentraler Schlüssel für die digitale Transformation“, sagt Claus Schünemann. „Wie ein Aus- und Weiterbildungsangebot der Next-Generation-IT in der Praxis funktioniert, zeigen wir mit der jüngst für unseren Kunden Skills Development Solutions GmbH entwickelten Plattform. Die Lizenzen haben wir selbst bereits erfolgreich im Einsatz. Mit dieser Lösung wird die individuelle, systematische Entwicklung sozialer Kompetenzen ermöglicht und Mitarbeiter nehmen ihre persönliche Entwicklung selbst in die Hand. Gleichzeitig sichern Unternehmen damit ihre Zukunft“, so Schünemann abschließend.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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