IoT-Projekte in Deutschland

Digitalisierung: Abwarten? Nein, danke!

Schwarz oder weiß – die Digitalisierung teilt die deutsche Wirtschaft in zwei Lager: Die einen möchten frühzeitig innovative Projekte umsetzen, die anderen lehnen Änderungen ab. Doch heute gibt es keinen Grund mehr abzuwarten.

Erfolgreiche IoT-Projekte

Erste erfolgreiche IoT-Projekte (Internet of Things) gibt es auch in Deutschland.

Digitalisierung kann durch die weitgehende intelligente Vernetzung zu besseren Daten, mehr Wissen und fundierteren Entscheidungen führen. Das Potential in Deutschland haben bereits zahlreiche Unternehmen und öffentliche Institutionen erkannt. Zum Beispiel eröffnete IBM in München ein Watson Internet of Things (IoT) Lab. Microsoft zog kurze Zeit danach mit einem Labor für Künstliche Intelligenz (KI) und Internet der Dinge in der bayerischen Landeshauptstadt nach. Bosch und Audi greifen in den Bereichen autonomes Fahren und intelligentes Parken auf IoT-Lösungen zurück. Cisco treibt bereits seit 2015 im Innovations-Center „Open Berlin“ gemeinsam mit nationalen und globalen Start-ups Entwicklungen für das Internet der Dinge voran. Neben Hamburg und Berlin entwickelt das IT-Unternehmen derzeit auch mit der Stadt Dortmund eine Smart-City-Strategie. Daneben sind schon einige weitere Projekte in der Praxis angekommen.

Tatsächlich wurden in Deutschland bereits in verschiedenen Bereichen konkrete Digitalisierungspiloten umgesetzt. So entwickelte Cisco gemeinsam mit Serviceplan und Vitra eine standardisierte Omnichannel-Lösung, um Einzelhändler bei der Digitalisierung der Verkaufsfläche zu unterstützen. Sie vernetzt Online- und Mobile-Shopping mit stationären Läden. So entsteht eine durchgängige, kanalübergreifende Lösung, die eine individualisierte Kundenansprache ermöglicht. Wie der „Point of Sale“ der Zukunft dann aussieht, lässt sich im „Weshop“ begutachten, einem nachgebauten Laden in der Cisco-Niederlassung in Eschborn.

Digitalisierung ist Teamsport

Gemeinsam mit Ernst & Young wurde dieser Ansatz für das Finanzwesen weitergedacht. Das Konzept „Wefinance“ zeigt, wie vergleichsweise trockene und erklärungsbedürftige Angebote mit Methoden wie Simplification und Gamification konkret und begreifbar werden. Themeninseln behandeln Allfinanz-Inhalte wie Versicherungen, Vermögensbildung, Aktienkurse oder Immobilienfinanzierung. Dabei bieten Tablets und interaktive Beratungstische detailliertere Informationen. Auch hier zeigt sich: Digitalisierung ist ein Teamsport.

Wie agil ein Ökosystem von innovativen Unternehmen und der öffentlichen Hand handeln kann, zeigte sich in Hamburg: Seit rund einem Jahr bietet dort das Refugee First Response Center (RFRC) in einem Hightech-Container eine Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge. Dolmetscher werden live in Bild und Ton in die Sprechstunde geschaltet, um Sprachbarrieren zu überwinden und Patienten gezielt zu behandeln. Dieses Video-Dolmetscher-System findet nun auch im mobilen Medibus Verwendung, mit dem medizinisches Personal der Charité die Notunterkünfte in Berlin betreut. Der umgebaute Linienbus verfügt über zwei voll ausgestattete und voneinander abgetrennte Behandlungsbereiche mit einer leistungsfähigen IT-Infrastruktur.

Die zunehmende Vernetzung dieser unterschiedlichen Anwendungsbereiche macht eins deutlich: In Zukunft wird es keine Nicht-IT-Berufe mehr geben. Die Weiterbildung der Digitalkompetenz ist daher eine zentrale Herausforderung um den Mangel an Fachkräften vorzubeugen. In Kooperation mit öffentlichen Bildungseinrichtungen stellt z.B. die Cisco Networking Academy kostenlos Lernmaterialien für die Vermittlung von Kenntnissen im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien zur Verfügung. Von Grundlagen der Computertechnik bis zu anspruchsvollen Netzarchitekturen vermitteln die Kurse IT-Wissen und bereiten die Teilnehmer auf eine digitale Zukunft vor.

Bedenken gegenüber Digitalisierung

Diese Beispiele dürfen allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Deutschland vielerorts nach wie vor große Bedenken gegenüber der Digitalisierung und der umfassenden Vernetzung bestehen. So zeigt eine aktuelle IDC-Studie, dass nur ein Drittel der Unternehmen bislang IoT-Projekte umgesetzt hat. Dabei bezeichnen fast drei Viertel der Befragten IoT als sehr oder extrem wichtig für ihr Unternehmen. Diese Beobachtung wirkt auf den ersten Blick widersprüchlich, doch gibt es gibt auch Gründe für die zögerliche Umsetzung: fehlendes Budget, mangelndes Know-how oder zu hohe Komplexität. Viele Unternehmen haben auch noch nicht ausreichend erkannt, dass sie durch IoT ihre digitale Transformation vorantreiben können.

So wird im Moment viel über IoT gesprochen und diskutiert, doch müssen nun schnell weitere erfolgreiche Beispiele folgen. Diese sind besonders wichtig, um die Digitalisierung auch in der breiten Wirtschaft „agendafähig“ zu machen. Von Prognosen und Theorien muss der Brückenschlag zu konkreten Handlungen und Beispielen erfolgen, die den Weg zur ganzheitlichen Digitalisierung Deutschlands aufzeigen. So ist es jetzt an der Zeit, Digitalisierungsprojekte in der Praxis umzusetzen.

Die Industrie als Vorbild

Der Treiber kann hier die Industrie sein. Dank einer starken Ausgangslage in Deutschland bietet sie die Basis dafür, mit erfolgreichen Projekten den Digitalisierungswillen zu erhöhen. Auch hier gibt es bereits zahlreiche konkrete Einsatzbeispiele, denen jedoch weitere folgen sollten.

So nutzt etwa DHL Supply Chain gemeinsam mit Cisco entwickelte IoT-Cockpits in drei Lagerhallen in Deutschland, den Niederlanden und Polen. Durch die grafische Darstellung der Betriebsdaten können die betrieblichen Abläufe so in Echtzeit überwacht werden. Die Daten stammen von Scanner-Sensoren, Transport- und Verladegeräten sowie vom DHL Lagerverwaltungssystem. Die visuelle Darstellung von Betriebsdaten anhand von Heatmaps hat die Analyse und Verwendung von Daten an den Pilotstandorten deutlich verbessert. Prozesse innerhalb der digitalen Lieferkette oder die Konzeptionierung der Lagerflächen können nun bei Bedarf jederzeit angepasst werden. Neben der Optimierung der betrieblichen Abläufe wird auch die Sicherheit der Mitarbeiter gesteigert.

Auch in der Industrie für Feinmechanik und Optik sind Anwendungsmöglichkeiten vielfältig. Der Technologiekonzern Zeiss erweitert sein Portfolio im Bereich digitaler Services, um Kunden mit intelligenten Geräten besser bei der Vereinfachung täglicher Abläufe zu unterstützen. Als Ergebnis wird neben einer Steigerung der Effizienz in der Prozesssteuerung eine weltweite Vernetzung der Geräte an übergeordnete IoT-Systeme realisiert. Dafür entwickelt das Unternehmen gemeinsam mit dem Anbieter eine sichere Datenübertragungsplattform, um Geräte wie Messmaschinen während des Betriebs mit übergeordneten Systemen im Industrie-4.0-Umfeld zu verbinden.

Die skizzierten Beispiele zeigen, dass insbesondere große Unternehmen die Digitalisierung und Vernetzung vorantreiben. Der Mittelstand darf sich allerdings nicht mehr auf die Vorreiter auf Konzernebene verlassen, sondern muss selbst aktiv werden. Angst vorm Scheitern ist dabei unbegründet. Denn erste erfolgreiche Projekte belegen, dass Digitalisierung als schrittweiser Prozess umsetzbar ist.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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