Mut zum Experimentieren

Digitalisierung: Der Schlüssel zu Innovation

Kommentar von Vince Padua, Vice President of Platform Innovation, Technology and Design bei Axway, wie man in Unternehmen die Begeisterung für die Digitalisierung wecken und überlebenswichtige Innovationen anstoßen kann

  • Schlüssel zu Innovation: Wie können die Verantwortlichen den digitalen Wandel bewältigen, ohne unverhältnismäßige Risiken einzugehen?

  • Vince Padua, Axway

    Vince Padua, Vice President of Platform Innovation, Technology and Design bei Axway

Die Geschäftswelt dreht sich in immer irrwitzigerem Tempo. „Business as usual“ war gestern, was allein die Tatsache beweist, dass 50 Prozent der Fortune 500 seit dem Jahr 2000 aus der Liste der umsatzstärksten Unternehmen verdrängt wurden. Geschäftspraktiken verändern sich radikal – vom Wunsch nach Hyperpersonalisierung und Instant Access über neue Partnerschaften zum Erschließen neuer Märkte.

Doch mit dem rasanten Tempo sind hohe Risiken verbunden. Viele Unternehmen plagen tief sitzende Versagensängste, die sie davon abhalten, neue Geschäftschancen auszuloten und verstärkt auf digitale Technologien zu setzen. Wie können die Verantwortlichen den Wandel bewältigen, ohne unverhältnismäßige Risiken einzugehen? Wichtig ist es hier, Experimente zu wagen – und zwar auf allen Ebenen des Unternehmens.

Nicht alles ist planbar

Wo beginnt Innovation? Man hat den Eindruck, dass in vielen Unternehmen das Thema Innovation – oft in Form von Digitalisierungsinitiativen – ganz oben auf der Agenda steht. Doch der Schein trügt. Oft blicken die Verantwortlichen neidisch auf finanzkräftige Konzerne, die mit eigenen Innovationsteams ausgestattet sind, die im Hinblick auf die Geschäftsentwicklung in neue Dimensionen vorstoßen sollen. Aber keine Sorge: Für Innovation benötigt man nicht zwangsläufig enorme Ressourcen, sondern vor allem die richtige Einstellung.

Es spielt keine Rolle, wie viele Mitarbeiter sich kreativ mit neuen Geschäftschancen auseinandersetzen, wenn im Unternehmen eine falsche Vorstellung von Innovation herrscht. Denn meist ist es doch so: Wird eine neue Idee ins Gespräch gebracht, soll diese umgehend mit detaillierten Fakten unterfüttert werden. Diese Mentalität erstickt Innovation im Keim, da von vornherein ein verlässliches und quantifizierbares Ergebnis erwartet wird. Statt um Innovationen geht es um den nächsten Schritt auf dem begonnenen Pfad, getreu nach dem Leitspruch: Was das Unternehmen in der Vergangenheit erfolgreich gemacht hat, wird auch in Zukunft funktionieren. In unserer heutigen, von Disruption geprägten Wirtschaft, ist das ein fataler Trugschluss.

Innovation ist keine gerade Linie; vielmehr sind Irrwege an der Tagesordnung. Das bedeutet: Es muss getestet und experimentiert werden. Experimente garantieren keinen Erfolg, kein vorab definiertes Ergebnis. Es geht um eine Idee oder Theorie, die sich bewährt – oder eben auch nicht. Genau diese ungewissen Erfolgsaussichten bilden den Nährboden für Innovation und visionäre Geschäftspraktiken.

Die richtige Einstellung

Wer erfolgreich experimentieren will, muss Mentalität, Firmenkultur und Verhaltensweisen ändern. Hohe Investitionen oder spezialisierte Teams sind nicht erforderlich. Das Gegenteil ist der Fall. Jeder sollte sich von der Experimentierfreude anstecken lassen – vom Marketing-Manager, der Kollegen beim Mittagessen seine neue Kampagnenidee präsentiert, bis zum E-Commerce-Team, das mittels A/B-Tests ermittelt, wo ein Website-Bild am besten platziert wird.

Warum sollte das Thema Innovation in den Händen einer einzigen und zudem noch kostspieligen Abteilung liegen, während alle anderen in ihrer geschäftlichen Routine verbleiben? Dabei könnte das gesamte Unternehmen kontinuierlich neue Ideen und Theorien testen, ohne signifikante Kosten anzuhäufen. Von Prototypen über Mockups bis zur Nutzung von APIs zur Auslotung von Ideen und Konzepten auf niedriger Ebene – jeder Teil des Unternehmens bietet Möglichkeiten, Innovation voranzutreiben. Was sich ändern muss, ist die vorhandene Skepsis gegenüber Experimenten.

Mit einer Firmenkultur, die Experimente aktiv fördert, verändert sich auch das Verhalten der Mitarbeiter radikal. Endlich können Ideen ausprobiert werden, ohne dass die Angst vorm Scheitern dominiert. Was passiert, wenn der Onboarding-Prozess für Kunden so optimiert wird, dass statt zwölf Informationseinheiten nur noch neun benötigt werden? Wenn man es an 100 Kunden testet, kann man sehen, ob die Konvertierungsraten steigen. Falls ja, sollte man es an 200 Kunden testen, um zu sehen, ob die Idee auch im großen Maßstab funktioniert. So können die Verantwortlichen mit einem relativ überschaubaren und billigen Experiment eine große Wirkung erzielen. Oder auch nicht.

Mut zum Scheitern

Haben Unternehmen erst einmal die richtige Firmenkultur etabliert, ist es einfach, Technologien ausfindig zu machen, die experimentellere Geschäftspraktiken begünstigen. Nimmt man an, ein Unternehmen möchte seine Marktstellung ausbauen, indem es ein Apple-Spiel für Android verfügbar macht. In solchen Fällen herrschte in der Vergangenheit große Skepsis hinsichtlich der Kosten und des benötigten Entwicklungsaufwands für den Umzug auf die neue Plattform. Andere Überlegungen zur Marktentwicklung wurden erst einmal gar nicht angestellt.

In jedem Fall ging hiermit eine schwerwiegende und risikoreiche Entscheidung einher: Soll die Anwendung nativ auf Android laufen? Soll ein Android-SDK zum Einsatz kommen? Oder die Anwendung für das Android OS und die dazugehörige Infrastruktur portiert werden? Hakt die Performance unter Android, ist der neue Markt verloren, und zudem könnte der Ruf unter der existierenden Apple-Fanbase leiden. Zum Glück machen es aktuelle Toolkits zur Anwendungsentwicklung möglich, ein Programm einmal zu schreiben und anschließend überall auszuführen. Der Entwicklungsaufwand sinkt, und das Unternehmen kann die Qualität der App in kleinem Kreis testen, bevor in großem Stil investiert wird.

Ähnlich gelagert ist der Fall bei firmeneigenen Datenbeständen, von denen interne oder externe Stakeholder profitieren könnten. Die Idee wird häufig jedoch nicht weiterverfolgt, da mit der Schnittstellenentwicklung ein hoher finanzieller und personeller Aufwand verbunden ist. Selbst wenn das Experiment gelingen würde, wäre der stark fallspezifische Ansatz kaum wiederholbar. Muss das Experiment in größerem Maßstab wiederholt werden, würde damit ein weiteres komplexes und zeitaufwendiges Entwicklungsprojekt einhergehen. Mittels einer API kann problemlos ein Experiment durchgeführt werden, bei dem Dritten Zugang zu den Daten gewährt wird. Funktioniert es, kann der Zugang bequem auf einen größeren Personenkreis, auf Mobilgeräte oder sogar auf eine Website ausgeweitet werden. Es müssen lediglich die Richtlinien geändert werden, die definieren, wie die API bereitgestellt, gesteuert und gesichert wird.  Funktioniert es nicht oder werden andere Daten benötigt, kann der hierfür benötigte Zugang schnell und einfach realisiert werden – und zwar von jeder Person im Entwicklungsteam. Der Ansatz ist kostengünstig, schnell und – ganz wichtig – wiederholbar.

Innovation ist zweifellos der Schlüssel zu geschäftlichem Wachstum. Und Mut zum Experimentieren ist wiederum der Schlüssel zu Innovation. Ohne eine Kultur der Experimentierfreude verharren Unternehmen in immergleichen Mechanismen und steigern lediglich Geschwindigkeit und Effizienz. Wo sind die neuen Customer Experience Networks? Die neuen geschäftlichen Partnerschaften, die zunehmend entscheidend für den Unternehmenserfolg sind? Experimente müssen in den Geschäftsalltag eingebettet und nicht in eine separate Abteilung oder ein „Innovationsteam“ ausgelagert werden. Wenn jeder Mitarbeiter die Chance erhält, neue Wege zu erkunden, um die Positionierung auf dem Markt oder das Verhältnis zu Kunden zu verbessern, wird eine Veränderung stattfinden.

Möchten Unternehmen erfolgreich sein, reicht es nicht allein, sich Innovation auf die Fahnen zu schreiben. Vielmehr müssen sie so viele Mitarbeiter wie möglich dafür begeistern, Experimente zu wagen und jederzeit die Grenzen des Möglichen auszuloten.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Axway

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