Cebit D!conomy

Digitalisierung geht an den Menschen vorbei

Cebit 2016. Alle reden von der Digitalisierung? Wohl nicht. Viele wissen gar nicht, worum es dabei geht und auch die Unternehmen zögern.

Das Cebit-Motto „D!conomy“ bleibt uns auch in diesem Jahr erhalten, denn erneut hat sich die CeBIT die digitale Transformation auf die Fahnen geschrieben. In diesem Jahr soll allerdings der Mensch als Entscheider und Gestalter im Mittelpunkt stehen.

Doch die Digitalisierung geht leider häufig an den Menschen vorbei, denn die können mit Begriffen wie Industrie 4.0, Internet der Dinge, Big Data oder mCommerce nicht besonders viel anfangen - es sei denn, sie haben beruflich damit zu tun.

Nur in der Fachöffentlichkeit bekannt

Dass es sich bei vielen Buzzwords eher um Themen der Fachöffentlichkeit handelt, haben die Marktforscher von TNS Infratest festgestellt. Sie prüften 14 Begriffe rund um die digitale Transformation auf ihre Bekanntheit. Das Ergebnis: Die Mehrheit der Befragten hatte keine Ahnung.

Im Durchschnitt konnte jeder nur zwei der 14 Begriffe erklären. Die größte Bekanntheit hat „Social Media“, allerdings können nur 38 Prozent den Begriff erläutern, weitere 25 Prozent haben ihn schon mal gehört. Vor allem Hypebegriffe wie Connected Cars oder Wearables sind nur einer Minderheit bekannt.

Kein Wunder, dass gut 60 Prozent der Manager in den deutschen Großunternehmen die digitale Transformation nicht so wichtig finden. Die Berater von Etventure haben mit Unterstützung der GfK Nürnberg im Rahmen der Deutschlandstudie „Digitale Transformation und Zusammenarbeit mit Startups in Großunternehmen“ untersucht.

Nur bei 6 Prozent der Großunternehmen in Deutschland ist die Digitalisierung das Topthema, bei 35 Prozent steht es auf den ersten drei Plätzen. Daran zeigt sich, dass die Tragweite der Veränderungen, die die digitale Revolution mit sich bringt, offensichtlich immer noch unterschätzt wird.

Auch bei der Umsetzung hapert es, denn oft fehlt eine klare und konsequente Führung. In nicht einmal der Hälfte der Unternehmen (48%) wird die digitale Transformation vom Vorstand oder der Geschäftsführung gesteuert.

 „Die Digitale Transformation greift in sämtliche Prozesse und auch in die Kultur des Unternehmens ein“, betont Etventure-Geschäftsführer Philipp Depiereux. „Veränderungen mit dieser Tragweite können nur von der Unternehmensleitung durchgesetzt werden. Ohne die volle Rückendeckung der Chefetage kann Digitalisierung nicht funktionieren.“

Verteidigung bestehender Strukturen

Die Untersuchung von etventure zeigt klar die größten Hemmnisse in den Unternehmen. Mit deutlichem Abstand und 65 Prozent Nennung steht an erster Stelle „die Verteidigung bestehender Strukturen“ in den Unternehmen. Je größer die befragten Firmen sind, desto häufiger wird dieser Aspekt angeführt.

Als weitere Hürden werden „fehlende Zeit“ (54 Prozent) sowie „fehlende Erfahrung“ (52 Prozent) genannt. Gut 40 Prozent sagen überdies, dass „notwendige weitreichende und radikale Entscheidungen von den Führungskräften gescheut werden“ oder man „zu festgefahren“ sei.

Philipp Depiereux: „Wir erleben häufig, dass spannende Innovationsvorhaben an internen Widerständen scheitern. Daher haben Geschäftsführer von führenden Unternehmen entschieden, Digitalprojekte zunächst außerhalb des Unternehmens zu starten.“ Dadurch seien die Widerstände gegenüber Neuerungen deutlich kleiner.

Doch welche Unternehmen haben nun die digitale Transformation in Angriff genommen? Es sind gar nicht so wenige, aber trotzdem ist es für interessierte Manager und Unternehmer nicht einfach, gute Beispiele für eine gelungene Digitalisierung zu finden.

Dieses Manko hat auch die Unternehmensberatung PAC erkannt und sammelt unter dem Titel „Innovation Register“ Fallstudien zu Industrie 4.0 und Internet der Dinge. Bisher gibt es 200 Beispiele und in der nächsten Zeit sollen weitere folgen, die zudem ausführlich vorgestellt werden.

Bildquelle: Thinkstock

  • Studie zum Stand der digitalen Transformation

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