Neue Studie

Digitalpakt nur ein Tropfen auf den heißen Stein?

Eine neue Umfrage des Verband Bildung und Erziehung (VBE) veranschaulicht die Digitalisierungs-Defizite an deutschen Schulen.

Lehrerin unterrichtet mit Tablet

Keine Selbstverständlichkeit: Tabletcomputer im Klassenzimmer.

Es ist kein Geheimnis, dass der Stand der Digitalisierung an den hiesigen Schulen nicht nur stark schwankt, sondern bisweilen auch sehr lückenhaft ausfällt. Ein Missstand, den die Regierung unter anderem mit dem sogenannten Digitalpakt beheben möchte. Eine Studie des Verband Bildung und Erziehung (VBE) zeigt nun allerdings, dass die bereitgestellten Mittel von 5 Milliarden Euro nicht ausreichen könnten, um die Defizite auch nur annähernd zu beseitigen.

Dass der von der Regierung bereitgestellte Betrag nicht alle Probleme auf einmal lösen würde, war bereits im Vorfeld abzusehen. So schätzte etwa die Bertelsmann Stiftung, dass alleine pro Jahr 2,8 Milliarden Euro benötigt werden, um den derzeitigen Rückstand aufzuholen. Die Studie des VBE veranschaulicht, wie viel noch zu tun ist. „Um den an Schule gestellten Ansprüchen gerecht zu werden, braucht es endlich mehr als Sonntagsreden und einzelne Leuchtturmprojekte”, betont Udo Beckmann, der Bundesvorsitzende des VBE.

Rückstand erhöht Mobbing-Gefahr

Für die repräsentative Forsa-Umfrage wurde das Leitungspersonal von 1.232 allgemeinbildenden Schulen befragt. Die erste und vielleicht wichtigste Erkenntnis: Nur jede dritte Schule hat in allen Klassenzimmern und Fachräumen einen Zugriff auf das WLAN. Die Ausstattung der Klassen mit digitalen Endgeräten kann ebenfalls nur an jeder dritten Schule gewährleistet werden. Das habe zur Folge, dass Schüler – vor allem an Gymnasien – oft ihre eigenen Geräte mitbringen müssen. Problematisch: 70 Prozent der Schulleitungen gaben an, dass einzelne Kinder gar nicht über eigene Geräte verfügen.

„Wir verstehen das Bemühen der Lehrkräfte, trotz fehlender Infrastruktur Medienkompetenz zu vermitteln und im Unterricht neue Anreize durch die Erweiterung des Methodenmix mittels digitaler Medien zu setzen. Der VBE setzt sich aber für die Unabhängigkeit des Bildungserfolgs vom sozio-ökonomischen Status der Eltern ein”, so Udo Beckmann. Jede zweite Schule gab an, dass durch die Mitnahme von eigenen Geräten die Gefahr des Mobbings ansteigen würde.

Neben den Schülern haben laut des VBE auch die Lehrkräfte mit der fehlenden Digitalisierung zu kämpfen. Das betreffe vor allem die Vorbereitung auf Unterricht. Demnach bilden sich rund 72 Prozent privat fort, um die notwendigen Kompetenzen für das Unterrichten mit neuen Technologien zu erlangen. An zwei von drei Schulen kümmern sich zudem einzelne Lehrkräfte um die Instandhaltung und Pflege der IT-Austattung.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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