Mainframes leben noch

Dinosaurier mit Zukunft und Jobgarantie

Großrechner werden immer noch gerne eingesetzt: Sie können mit relativ wenig Personal betrieben werden und gelten als besonders sicher. Doch die Mainframe-Experten werden knapp.

Großer Prozessor für Großrechner: Die System-z-CPU

"Entspricht in Zeiten von Mobile- und Cloud-Konzepten nicht mehr dem Stand der Technik." - "Effizient, ausfallsicher und gut geschützt vor Cyberkriminellen." Die Diskussion über Wohl und Wehe der Großrechner wogt seit Jahren zwischen den beiden Polen "Dinos in der Sackgasse" versus "Arbeitstier mit Zukunft" hin und her.

Auf der einen Seite schaffen Unternehmen ihre Großrechnersysteme ab, zum Beispiel der Touristikkonzern TUI. Die IT-Tochter TUI InfoTec übertrug zwischen 2005 und 2010 das Reservierungssystem und die Datenbanken auf eine verteilte Server-Umgebung. Alle verbundenen Anwendungen wie Kundendatenbank, Reklamationssystem und Agentursystem wurden nach und nach auf die neue Plattform portiert. Mitte 2013 verließ der letzte Mainframe das Rechenzentrum.

In die Gegenrichtung bewegten sich zwei brandneue zEnterprise-Systeme von IBM: Die Anstalt für Kommunale Datenverarbeitung in Bayern (AKDB) schwört auch weiterhin auf Mainframes. Für eine Reihe von Groß- und Sonderkunden aus Ministerien und Justiz übernimmt der IT-Dienstleister die Datenbearbeitung sowie die nachgelagerte Logistik.

Dabei handelt es sich nicht um Kleinigkeiten: Allein für das zentrale Mahngericht des Freistaats werden etwa zwanzig Millionen Seiten pro Jahr gedruckt und verschickt. Hier hat der Mainframe nach Ansicht des Dienstleisters enorme Vorteile, auch wegen des vergleichsweise geringen Personaleinsatzes.

Auch andere Unternehmen bleiben gerne in der Mainframe-Welt. Eine aktuelle Studie von Micro Focus zeigt, das in Deutschland fast sechzig Prozent aller Mainframe-Anwender davon ausgehen, die Geräte mindestens in den nächsten fünf bis zehn Jahren noch einzusetzen.

Fast ein Viertel der Nutzer gehen sogar davon aus, dass die Großrechner auch in zwanzig oder mehr Jahren noch aktuell sein werden. Den Wechsel innerhalb des nächsten Jahrfünfts streben dagegen lediglich vierzehn Prozent der befragten Unternehmen an.

Doch der Betrieb der Großrechner wird nicht einfacher, denn die Trends in der IT gehen in eine andere Richtung. Das größte Problem: Es wird immer schwieriger, qualifiziertes Fachpersonal mit Mainframe-Know-how zu finden. Unattraktiv ist dieses Feld nicht. Durch den Fachkräftemangel gibt es eine Art Jobgarantie für alle, die sich überhaupt für die Großrechnerwelt interessieren.

Eine weitere Herausforderung ist die bislang nur umständliche Verknüpfung mit modernen Technologien wie Cloud oder Mobility. Doch da der Großrechnermarkt für die wenigen verbliebenen Hersteller immer noch sehr interessant ist, sorgen sie für Abhilfe. IBM stellte zuletzt eine Virtualisierungslösung namens Wave vor, die eine flotte und unkomplizierte Administration von virtuellen Linux-Servern für Private-Cloud-Umgebungen auf dem System z erlaubt.

Auch die Nachwuchssorgen seiner Kunden lassen IBM nicht ruhen. Das Unternehmen will jetzt mit einem Wettbewerb gegensteuern. Bereits seit einigen Jahren schreibt IBM unter dem Stichwort „Master the Mainframe“ auf Landesebene Programmierwettbewerbe für Studenten aus. In diesem Jahr wird das Programm jetzt weltweit propagiert. In New York sollen die besten Mainframe-Experten in einem internationalen Wettbewerb gegen einander antreten. Unter den mehr als 20.000 Teilnehmern wurden die besten 44 Studenten aus 22 Ländern ausgesucht.

Bildquelle: IBM

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