Neue Ausweis-App

E-Government wird mobil

Interview mit Petra Waldmüller-Schantz, Head of Communications bei dem ­Sicherheitsspezialisten Governikus in Bremen, über die sichere Authentifizierung beim ­elektronischen Personalausweis und mobile Funktionen der neuen Ausweis-App

Petra Waldmüller-Schantz, Governikus

Petra Waldmüller-Schantz von Governikus

IT-DIRECTOR: Frau Waldmüller-Schantz, mit dem digitalen Personalausweis will der Gesetzgeber den Bürgern eine sichere eID zur Verfügung stellen. Mit welchen Methoden und Maßnahmen soll dabei die sichere Authentifizierung gewährleistet werden?
P. Waldmüller-Schantz:
Mit der seit 2010 verfügbaren Infrastruktur zur Nutzung der eID- oder Online-Ausweisfunktion des Personalausweises sowie des elektronischen Aufenthaltstitels (für Nicht-EU-Bürger) besteht die Möglichkeit einer sicheren Zwei-Faktor-Authentisierung, bei der sich nicht nur der Ausweisinhaber gegenüber dem Anbieter eines Online-Angebotes eindeutig ausweist, sondern auch der Anbieter beim Ausweisinhaber.

Der Ausweisinhaber benötigt neben seiner freigeschalteten eID-Funktion ein Kartenlesegerät sowie eine Client-Anwendung. Der Bund stellt seit 2010 den eID-Client „Ausweis-App“ kostenlos zum Download zur Verfügung. Der Anbieter eines Onlinedienstes benötigt neben einem Kommunikationsgegenstück zum eID-Client einen eID-Server, der entweder im eigenen Rechenzentrum oder bei einem Serviceprovider betrieben werden kann. Darüber hinaus ist eine Genehmigung des Bundesverwaltungsamtes (BVA) erforderlich, das nach Offenlegung des Verwendungszwecks sowie der technischen Infrastruktur, Vorlage von Datenschutz- und IT-Sicherheitskonzepten etc. prüft, welche Daten aus dem Ausweis ausgelesen werden dürfen.

IT-DIRECTOR: Seit November 2014 bietet der Bund eine neue Software für die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises an. Worin liegen die Unterschiede zur Vorgängerversion?
P. Waldmüller-Schantz:
Aufgrund der bisherigen Erfahrungen und Studien waren dem Bundesinnenministerium und uns zwei Aspekte bei der Entwicklung der neuen Anwendung wichtig: Nutzerfreundlichkeit und die Vorbereitung zur mobilen Nutzung. Wir haben bereits während der Entwicklung früh das Zentrum für Angewandte Informatik der Hochschule Darmstadt mit einbezogen, um die „Ausweis-App2“ hinsichtlich der Benutzerfreundlichkeit zu prüfen. Es fanden umfangreiche Tests statt, deren Ergebnisse in die Entwicklung eingeflossen sind. Darüber hinaus wird die neue Version ab 1. April 2015 auch für die mobilen Plattformen iOS und An­droid zur Verfügung stehen.

IT-DIRECTOR: Welchen Raum nehmen die ­Sicherheitsfunktionen ein?
P. Waldmüller-Schantz:
Sicherheit besitzt naturgemäß einen hohen Stellenwert innerhalb der gesamten eID-Infrastruktur, schließlich geht es um sichere Identitäten im Netz. Dies war bereits bei der Vorgängerversion der Fall, geändert hat sich in der neuen Version nun allerdings die Vorgehensweise. Wir haben bereits entwicklungsbegleitend die neue App von anerkannten Prüfstellen auf Konformität zu den Technischen Richtlinien des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) prüfen lassen.

IT-DIRECTOR: In welche Richtung wird sich der digitale Personalausweis entwickeln?
P. Waldmüller-Schantz:
Onlineprozesse erobern mehr und mehr unseren Alltag – auch im E-Government. Von daher spielt eID künftig eine wichtige Rolle in allen Bereichen des täglichen Lebens. Mit der digitalen Agenda der Bundesregierung sowie dem bereits in Kraft getretenen E-Government-Gesetz sind die Weichen gestellt, die Nutzung der Online-Ausweisfunktion zu vereinfachen. Darüber hinaus gibt es auf europäischer Ebene die Bestrebung, die vorhandenen eID-Infrastrukturen der einzelnen EU-Mitgliedsstaaten zu interoperabilisieren.

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