Agile Software-Entwicklung

Effektive DevOps-Konzepte

Im Interview erläutert Henning von Kielpinski, Leiter Business Development bei der Consol Consulting & Solutions Software GmbH, über die Vorteile von DevOps-Konzepten und warum Testing sowie Monitoring auch bei agiler Software-Entwicklung wichtig sind.

Henning von Kielpinski, Consol

Henning von Kielpinski, Leiter Business Development bei der Consol Consulting & Solutions Software GmbH

IT-DIRECTOR: Herr von Kielpinski, welche Rolle spielen DevOps-Methoden für Unternehmen auf ihrem Weg zur digitalen Transformation?
H. von Kielpinski:
Ein wichtiger Aspekt der digitalen Transformation sind neue Technologien, wie sie in sozialen Netzwerken, aber auch im Bereich von Industrie 4.0 kontinuierlich den Markt betreten. Da diese Technologien und ihre Akzeptanz zum einen, aber auch die Einbindung in die eigenen Geschäftsprozesse zum anderen sehr agil sind, ist hier DevOps als iterative Vorgehensweise unabdingbar, um sich einem Thema inkrementell zu nähern und dabei über kontinuierliches Feedback den eigenen Ansatz zu überprüfen. Nur dadurch können Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und Strategien angepasst werden, um einem sich schnell ändernden Markt folgen zu können.

IT-DIRECTOR: Welche Voraussetzungen müssen in den Anwenderfirmen gegeben sein, damit DevOps-Projekte nicht von vornhinein zum Scheitern verurteilt sind?
H. von Kielpinski:
DevOps ist eine Strategie und damit muss diese im Unternehmen auch von der Geschäftsführung unterstützt werden. Das bedeutet nicht, dass DevOps immer gleich unternehmensweit eingeführt werden muss. Aber zum einen wird DevOps die Interaktion der betroffenen Mitarbeitern und Abteilungen verändern und zum anderen führt DevOps initial nicht zu einer Kostensenkung, sondern zu Mehrausgaben, welche erst langfristig wieder eingespielt werden. Desweiteren muss es klare Vorstellungen darüber geben, was erreicht werden soll, denn eine Strategie nur um ihrer selbst einzuführen führt schnell zu Frustration und einer generellen Ablehnung des gesamten Konzeptes.

IT-DIRECTOR: Was bremst DevOps-Vorhaben Ihrer Erfahrung nach am häufigsten aus?
H. von Kielpinski:
Dies ist die gewachsene Struktur von Unternehmen. Die siloartigen Verantwortungen für kleine Teilbereiche verschmelzen mit DevOps zu einer Gesamtverantwortung für das Produkt. Das bedeutet eine massive Umstellung für viele und führt auch zu menschlichen Herausforderungen in der Zusammenarbeit. Häufig ist aber auch die starke Verlagerung von Diensten an externe Unternehmen ein Problem, vor allem die in Dienstleistungsverträgen klar definierten Verantwortlichkeiten sind für DevOps immer wieder kontraproduktiv, da durch diese die Silos statisch definiert werden.

IT-DIRECTOR: Auf welche Herangehensweisen und Tools sollten die Verantwortlichen bei der Etablierung von DevOps-Konzepten zurückgreifen?
H. von Kielpinski:
Nach der Identifikation eines Bereiches, in dem DevOps als nutzbringend erachtet wird, muss vor allem durch Kommunikation und persönliches Zusammenarbeiten die neue gemeinsame Verantwortung etabliert werden. Dabei ist der Aufwand von Fall zu Fall sehr unterschiedlich, da dieser Schritt viel mit zwischenmenschlicher Kommunikation zu tun hat. Gerade am Anfang wird auch einiges nicht so reibungslos funktionieren und man sollte hier den Mut haben, nicht sofort in die etablierten Prozesse zurückzufallen. Denn durch diese Fehler lernen sich die vormals verschiedenen Teams erst richtig kennen. Neben den unverzichtbaren Tools zur Kollaboration im Team, in denen auch die Wissensdatenbank für alle zugänglich wachsen sollte, ist das weitere Toolset von den Gegebenheiten abhängig. Generell sollte man versuchen, möglich alle sinnvoll automatisierbaren Vorgänge, wie z.B. das Deployment, auch wirklich automatisch umzusetzen um Reproduzierbarkeit zu gewährleisten.

IT-DIRECTOR: Welche DevOps-Standards sollte man auf jeden Fall beachten?
H. von Kielpinski:
Generell lässt sich festhalten, dass DevOps und agile Entwicklungsmethoden stark voneinander profitieren. Wenn man Scrum im Unternehmen einsetzen kann, ist das sicher auch von Vorteil. Generell ist der wichtigste „Standard“: Keep Calms. Dabei ist Calms ein Akronym von Damon Edwards und Jez Humble und steht für Culture, Automation, Lean, Metrics und Sharing als die wichtigsten Aspekte die DevOps in einem Unternehmen voraussetzt. Neben der Kultur der Kollaboration und Kommunikation und dem daraus abgeleiteten miteinander Teilen von Erfahrungen jeglicher Art sind damit Automatisierung, die Vermeidung unnötiger Schritte und die Messbarkeit der Ergebnisse beschrieben. Dabei bezieht sich die Messbarkeit nicht nur auf technische Größen, sondern auch auf „weiche“ Fakten wir Teamwork und Zufriedenheit.

IT-DIRECTOR: Welche Rolle spielen Testing und Monitoring bei der Software-Entwicklung gemäß DevOps-Prinzipien?
H. von Kielpinski:
Testing und Monitoring sind unverzichtbare Bestandteile von DevOps. Dabei spielt der Monitoring-Aspekt vor allem in der kontinuierlichen Verbesserung und im reproduzierbaren Feedback eine extrem wichtige Rolle und das Testing in den Schritten des Deployments und der Integration. Dabei ist es wichtig, dass das Testing nicht zum Flaschenhals wird, denn während funktionales Testen meist schon automatisiert ist sind die End-to-End-Tests und User-Acceptance-Tests meist noch manuell und damit auch langsam und recht subjektiv. Abhilfe würde hier der Einsatz von automatisierten End-to-End-Testing und Integrations-Frameworks wie z.B. Sakuli und Citrus schaffen.

IT-DIRECTOR: Inwieweit gibt es Grenzen für die Nutzung von DevOps-Verfahren? Für welche Applikationen sind diese eher ungeeignet?
H. von Kielpinski:
Zum einen gibt es unternehmerische Konstellationen, in denen ein DevOps-Konzept prinzipiell nicht funktioniert, z.B. bei einer Konstellation mit mehreren Service-Providern und vertraglich festgelegten Silos. Zum anderen ist DevOps kein geeignetes Werkzeug, wenn die Applikationen mehrjährige Lifecycles haben oder sogar gesetzlich bezüglich Compliance reglementiert sind. Hier ist ein klassisches Wasserfall-Development kaum vermeidbar, wobei auch hier im Rahmen einer bimodalen IT ein nebeneinander von „langsamer“ und „schneller“, DevOps-gestützter IT gut möglich ist.

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