Netzwerke und Industrie 4.0

Eidgenössisches IoT

Im Interview erklärt Julian Dömer, Head of Internet of Things bei Swisscom, welche Herausforderungen das Internet of Things an die Netzwerke stellt.

Julian Dömer, Head of Internet of Things bei Swisscom

Julian Dömer, Head of Internet of Things bei Swisscom

ITD: Herr Dömer, was sind netzwerkseitig die größten Herausforderungen, die IoT-Anwendungen darstellen?
Julian Dömer:
Die Wahl der richtigen Vernetzungstechnologie und dazugehörende Aspekte: Die Wahl von LP-WAN, Breitband oder auch von Short-Range-Technologien hat starken Einfluss auf die lokale, regionale und internationale  Skalierung  sowie auf die Kostenstruktur. Aspekte wie E-Sim und dazugehörende Prozesse haben ebenfalls einen hohen Einfluss. Eine möglichst unlimitierte Skalierung eines Projektes in mehrere Länder zu möglichst tiefen Kosten ist häufig ein treibender Faktor bei den Überlegungen.

ITD: Können Sie kurz erklären, was „LoRaWan“ eigentlich bedeutet und welche Rolle dabei lizenzfreie Frequenzbänder dabei spielen?
Dömer:
LoRaWAN steht für Long Range Wide Area Network und bezeichnet eine Technologie, die optimiert ist auf die IoT-Kommunikation über sehr grosse Reichweiten und gleichzeitig sehr kleinem Energieverbrauch. LoRaWAN wird dabei ausschliesslich im lizenzfreien Spektrum (SRD-Band) betrieben.

ITD: Wie unterscheidet sich dieser Ansatz vom klassischen Mobilfunk und worin liegt etwa der Unterschied zum NB-IoT?
Dömer:
NB-IoT ist eine LPWAN-Technologie (Low Power Wide Area Network) im lizenzierten Spektrum und kann darum nicht von jedermann betrieben werden. Die Netzarchitektur ist sehr unterschiedlich. Zudem setzt NB-IoT auf die bekannte SIM/IMSI Authentifikation analog sämtlicher Mobilfunktechnologien.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 01-02/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

ITD: Welche Bedeutung kommt LP-WAN-Technologien im Zusammenhang mit Industrie 4.0 zu?
Dömer:
LP-WAN-Technologien können einen wesentlichen Beitrag zur Digitalisierung in der Industrie leisten, wenn es darum geht, Informationen von Dingen zu erhalten, diese zu analysieren und auszuwerten, um Produkte und Services zu optimieren und effizienter zu machen. Der große Vorteil von LP-WAN liegt im Bereich Industrie 4.0, insbesondere im tiefen Energieverbrauch und in besserer Netzwerkabdeckung für kleine Datenmengen.

ITD: Gerade die Schweiz weist ein flächendeckendes LoRa-WAN-Netz auf. Wie lässt sich diese Vorreiterrolle erklären?
Dömer:
Swisscom hat früh auf LoRa-WAN gesetzt und bewusst rasch in die Fläche ausgebaut. Dies hat geholfen, die entsprechenden Ökosysteme für das Internet der Dinge zu etablieren und mit Kunden erste IoT-Projekte zu starten. Für uns war immer klar, dass es kein „Entweder/oder“ der Accesstechnologien sein soll, sondern ein „Sowohl-aus-auch“. Verschiedene Technologien eigenen sich für verschiedene Anwendungen. Wir haben den Anspruch, unseren Kunden ein Portfolio anzubieten, mit dem sie sämtliche Anwendungen umsetzen können.

ITD: 5G ist in aller Munde – wie stehen Sie dem neuen Mobilfunkstandard gegenüber? Wird er sich tatsächlich als Katalysator für Industrie-4.0-Szenarien erweisen?
Dömer:
5G ist für uns aus mehreren Gründen ein Katalysator. 5G bringt die Eigenschaften mit, die es für industrielle Anwendungen braucht: hohe Kapazitäten und kurze Reaktionszeiten. Zudem können wir mit 5G Ressourcen für kritische Prozesse garantieren, dies ermöglicht neue Anwendungen. Die Industrie profitiert von einer einheitlichen und weltweit standardisierten Technologie. Dies ist besonders dann von Bedeutung, wenn Fabrik-Layouts rasch den Bedürfnissen angepasst werden sollen. Bei der Vernetzung von Smartphones zeigt sich eine Sättigung, bei der Vernetzung von Dingen stehen wir erst am Anfang. Jede Technologiegeneration ist effizienter. Dies hilft uns, den steigenden Datenbedarf zu adressieren.

Bildquelle: Swisscom

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