Digitale Transformation

Eignet sich SAP S/4 Hana als stabile Plattform?

Im Kommentar erläutert Lorenz Beckmann vom SAP-Partner Itelligence, inwiefern sich SAP S/4 Hana als stabile Plattform für die digitale Transformation eignet, derweil in der SAP-Cloud die agilen Applikationen laufen.

  • Der größte Fehler wäre es, wenn ein Unternehmen das, was es heute tut, mit den Mitteln der Digitalisierung nachbaut. (Bildquelle: Thinkstock/TongRo Images)

  • Lorenz Beckmann vom SAP-Partner Itelligence

    Lorenz Beckmann vom SAP-Partner Itelligence (Bildquelle: Itelligence)

Wissen und Fortschritt in Sachen Digitalisierung können künftig darüber entscheiden, ob sich ein Unternehmen im Wettbewerb durchsetzt. Zwei Schritte sind wichtig auf dem Weg zu dieser Transformation: erstens die Analytik als Basis für Geschäftsprozesse und zweitens ergänzende Services für Produkte und Dienstleistungen.

In der Regel schlagen die Änderungen im Geschäftsmodell direkt auf die IT-Systeme durch. Mit einer althergebrachten IT-Infrastruktur können die Unternehmen den notwendigen Umbau wegen der hohen Aufwände bei der Integration nur schwer abbilden. S/4 Hana und die SAP Cloud können für die Digitalisierung als ideale Plattform dienen: S/4 Hana ist der stabile Kern, der alle Abläufe steuert. Dieser Systemteil ändert sich nur dann, wenn ein Unternehmen sein Geschäftsmodell umbaut. Agile schnelllebige Applikationen sowie entscheidungsunterstützende Systeme laufen in der Cloud des Walldorfer Anbieters und lassen sich dort ohne großen Aufwand an geänderte Anforderungen anpassen.

Das In-Memory-System S/4 Hana vereint Transaktionen und Analysen. Direkt über der Belegebene schaffen Core-Data-Services eine einheitliche Sicht. Das bringt unabhängig vom Geschäftsmodell mehrere Vorteile: Schlüsselkennzahlen wie Umsatz und verkaufte Menge, die jedes Unternehmen anders beschreibt, lassen sich in dieser Schicht zentral definieren. So entsteht direkt über den Belegen ein „Single Point of Truth“. Informationen aus dem Finanzwesen lassen sich hier ohne großen Aufwand dazumischen. Das operative Reporting ist stets aktuell und kommt nicht aus SAP BW, dessen Daten möglicherweise mehrere Tage alt sind.

Die so erzielte Transparenz macht die Unternehmen agil. Fiori-Apps bieten Cockpits für Einkauf und Vertrieb und machen diese Schlüsselkennzahlen auf einen Blick sichtbar. Das operative Reporting findet unmittelbar statt. Desweiteren sparen sich die Unternehmen die bislang dafür nötige redundante Datenhaltung in eigenen IT-Systemen. Verantwortliche können nun Probleme in den Geschäftsabläufen direkt in S/4 Hana erkennen und von dort aus auch lösen. Bei althergebrachten IT-Systemen waren diese Abläufe deutlich aufwendiger. Entscheidungsträger mussten zunächst in einem externen System Reports aufrufen, um zu erkennen, ob es irgendwo Probleme gibt. Dann mussten sie an anderer Stelle den Transaktionen nachspüren, um das Problem zu untersuchen. Die In-Memory-Lösung bündelt all diese Schritte. Praxisbeispiele zeigen, dass Unternehmen mit solchen Systemen um bis zu 25 Prozent effizienter arbeiten.

Der Ausweg aus dem Preiskampf


Das Zusammenführen von Transaktionen und Analyse ist nur der erste Schritt. Die Königsdisziplin besteht darin, dass Unternehmen ihr Geschäftsmodell digitalisieren. S/4 Hana stellt dafür die technologische Basis dar. Das Ziel selbst wird im Geschäftsmodell definiert. Wenn sich Unternehmen damit beschäftigen, wie ihr Geschäft der Zukunft aussieht, erkennt man einen gemeinsamen Nenner: Manager wollen dem Kampf um Stückpreise entkommen, indem sie zu ihren Produkten ergänzende Services anbieten, die Nutzen schaffen. Die Konkurrenz soll künftig über diese Services laufen, mit denen sich deutlich höhere Deckungsbeiträge erzielen lassen als mit den Produkten selbst.

Die Beispiele für ergänzende Services sind vielfältig. Geht es um Maschinen, so wollen die Hersteller nicht mehr das Gerät selbst verkaufen, sondern das, was es kann. Also beispielsweise keine Kompressoren mehr, sondern Druckluft. Kommuniziert die Maschine über das Internet der Dinge mit dem Hersteller, so analysiert dieser das Nutzungsverhalten des Kunden und macht Vorschläge, wie der Kunde das Ergebnis mit geringeren Kosten oder mit einem geringeren Verschleiß erzielt. Im Textilhandel wollen Verkäufer einen Stammkunden sofort erkennen, wenn er den Laden betritt, und die Beleuchtung dort starten, wo Mode in seiner Größe präsentiert wird. Ein weiteres Beispiel ist ein digitales Schaufenster, das den Kunden ihre Lieblingsartikel zeigt und ihnen Rabatte dafür einräumt.

Tintendrucker als Vorbild


Eine weitere Möglichkeit der Digitalisierung betrifft die Verbrauchsstoffe. Nach dem Vorbild von Tintendruckern melden sich die Geräte, wenn der Vorrat zur Neige geht, und bestellen Nachschub. Haben die Kunden einen Rahmenvertrag abgeschlossen, so sind vollautomatische No-Touch-Orders möglich. Die Bestellung kommt zustande, ohne dass ein Mensch eingreift.

Eine weitere Möglichkeit sind kollaborative Geschäftsmodelle. Dabei stellt der Hersteller eine digitale Maschinenakte ins Netz und lässt Lieferanten, Partner und Kunden darauf zugreifen. Wartungsbetriebe hinterlegen ihre Aktionen in dieser digitalen Akte. Nutzen entsteht, indem die Partner die Maschinendaten nicht selbst anlegen, sondern sie über einen Webservice aus der Cloud-Plattform beziehen.

Die Entwicklungsdauer für digitale Geschäftsmodelle fällt unterschiedlich aus. Geht es um Services im Handel, können Unternehmen damit in wenigen Monaten starten und möglicherweise noch im gleichen Jahr einen Return on Investment erreichen. Will hingegen ein Hersteller seine Maschinen vernetzen und die dafür nötige Infrastruktur aufbauen, so können leicht zwei bis Jahre vergehen. Allerdings verdient das Unternehmen auch sehr schnell Geld, wenn die Dienstleistungen bei den Kunden gut ankommen.

Viele Manager fragen mich, was sie auf dem Weg in die Digitalisierung auf jeden Fall beachten sollen. Die Antwort: Der größte Fehler wäre es, wenn ein Unternehmen das, was es heute tut, mit den Mitteln der Digitalisierung nachbaut. Das wäre deutlich zu kurz gegriffen. Viel besser ist es, sich in einem Design-Thinking-Workshop von allen gedanklichen Zwängen zu befreien und das Kopfkino spielen zu lassen. Dann entstehen die besten Lösungen.


Design Thinking sorgt für Kreativität

Viele Unternehmen fragen sich, wie sie ihr Geschäftsmodell digitalisieren. Workshops von SAP-Partnern können hier Raum für Brainstorming schaffen und technische Möglichkeiten aufzeigen. Dabei ist die SAP-Cloud ein Testgelände für Pilotprojekte. Der Hintergrund: Viele Unternehmen machen sich derzeit Gedanken, wie sie ihr Geschäft weiterentwickeln. Sie haben Strategien erarbeitet und fragen sich, wie sie die Maßnahmen dazu im SAP-Kosmos abbilden können.

So weit sind aber nicht alle Betriebe. Manche Manager wissen noch gar nicht, wie sie die Digitalisierung angehen sollen. Für diese eignen sich die Design-Thinking-Workshops von SAP-Partnern. Dabei überlegen die Teilnehmer frei jeglicher gedanklicher und technologischer Grenzen, wie sie ihr Geschäft in Zukunft anders gestalten können. Value Checks zeigen die Möglichkeiten von S/4 Hana und der SAP-Cloud-Plattform auf.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 07-08/2017. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Eine dritte Gruppe von Unternehmen weiß zwar noch nicht im Detail, wie ihr künftiges Geschäftsmodell aussieht, aber sie hat ein Budget für Pilotprojekte. Eine agile Truppe erstellt in einer Art Spielwiese Prototypen und testet sie in der Praxis. Design-Thinking-Hands-on sozusagen. Bei solchen Tests punktet die Cloud-Plattform. Denn IT-Architekten finden darin eine IT-Infrastruktur, eine Entwicklungsumgebung und Datenbankinstanzen vor. So müssen sie nicht erst langwierig eine eigene Infrastruktur aufbauen, nur um dann möglicherweise festzustellen, dass eine andere Variante vielleicht doch besser wäre.

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