Software-defined WAN

Ein flexibles Netzwerk aus Blöcken

Wenn Unternehmen in Zukunft auf die Blockchain-Technologie setzen wollen, müssen sie ihre Netzwerke an die neuen Anforderungen anpassen. Dabei könnte vor allem SD-WAN (Software-defined WAN) eine entscheidende Rolle spielen.

Ein flexibles Netzwerk aus Blöcken

„Traditionelle“ Netze sind zu statisch und erfordern mehrere Monate Installations- und Konfigurationsaufwand.

Die anfängliche Euphorie für Blockchain war groß. Dem Konzept, das mithilfe von kryptografischen Verfahren und dezentraler Datenspeicherung die Abhängigkeit von einer zentralen Stelle eliminieren soll, wurde das Potential zugeschrieben, viele Lebensbereiche grundlegend zu verändern. Bisher sind die Anwendungsfälle allerdings rar und beziehen sich meist auf die Finanzindustrie – vor allem auf Kryptowährungen. Ein Grund dafür sind die Anforderungen, die mit der Blockchain-Technologie auf der Netzwerkebene einhergehen. Denn um reibungslos und effizient zu funktionieren, benötigt eine Blockchain-Transportschicht sichere, kostengünstige und zuverlässige Netzwerkanschlüsse für alle Nutzer. Doch diese Voraussetzungen sind in deutschen Unternehmen bislang zu selten gegeben.

Lange Zeit waren Weitverkehrsnetze (WANs) wie Multiprotocol-Label-Switching-Netze (MPLS) das Gebot der Stunde, vor allem im Hinblick auf die Servicequalität und die Netzwerkzuverlässigkeit. Allerdings sind „traditionelle“ Netzwerke zu statisch und erfordern mehrere Monate Installations- und Konfigurationsaufwand, bevor sie genutzt werden können. Zudem stellen die dynamischen und ständig wechselnden Anforderungen des digitalen Arbeitsalltags die Firmennetze vor wachsende Herausforderungen. Denn der vermehrte Einsatz von Big Data, Cloud-Services und dem Internet of Things braucht immer mehr Bandbreite – ebenso wie die Blockchain. Traditionelle Netzwerke lassen sich nicht ohne Weiteres an diese sich schnell verändernde Umgebung anpassen und führen zu ineffizienteren Prozessen und höheren Kosten. Wollen die Verantwortlichen die Zunahme des Datenverkehrs bewältigen, geht das nur mit agilen Netzwerken.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Eine Lösung für diese Herausforderungen können Software-defined Wide Area Networks (SD-WANs) sein. Dabei handelt es sich um einen „Network Function Virtualisation“-Service (NFV), der mandantenfähig ist und sich dem Bedarf der Nutzer flexibel anpasst. SD-WAN erstellt ein hybrides Netzwerk, in dem nicht geschäfts- und zeitkritische Daten sicher über Internet­leitungen mit DSL, Glasfaser, LTE oder 5G fließen können. Diese verlaufen parallel zur primären Standleitung. Auf diese Weise stellt SD-WAN intelligente „elastische“ Bandbreiten bereit und verfügt dadurch über die notwendigen Kapazitäten für zeit- oder geschäftskritische Anwendungen wie Voice-over-IP- oder ERP-Anwendungen. Die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit von SD-WAN bieten so die Grundlage für die Einführung der Blockchain.

Die Blockchain in der Praxis

Die potentiellen Anwendungsbereiche der Blockchain sind vielfältig. Das am häufigsten angeführte Beispiel ist die Eigentumsübertragung von Werten – meist in Form von Kryptowährungen. Hier dokumentiert die Blockchain mit einem verteilten Ledger-Mechanismus die Transaktionen sicher und unveränderlich. Dies ersetzt Zentralbanken als vertrauenswürdige Instanzen. In der Telekommunikationsbranche wurde eine der ersten Anwendungen von Blockchain von verschiedenen Netzwerkbetreibern vorangetrieben. Im vergangenen Jahr stellten diese eine Machbarkeitsstudie für einen blockchain-basierten Marktplatz vor. Die Blockchain und programmierbare Smart Contracts ersetzen hier die bisherigen umständlichen Prozesse zur Abrechnung von Sprach- und anderen Transaktionen. Zudem erhöht die Blockchain die Sicherheit der Prozesse mithilfe von Verschlüsselung. Die durch den Einsatz der Blockchain eingeführte Automatisierung reduziert einen meist wochenlangen Prozess auf Minuten.

Dadurch senkt sie die Transaktionskosten bei der Abrechnung von Sprach- und Netzwerkdaten. Diese Anwendung gilt als ein Beispiel dafür, wie die Blockchain zur Automatisierung von Geschäftsprozessen eingesetzt wird. Zu diesem Zweck werden Informationen über den Prozess und seine Abläufe in Form von Smart Contracts in den Blöcken gespeichert. Diese Verträge enthalten die Logik des Prozesses für vordefinierte Bedingungen im Software-Code, der von der Blockchain automatisch ausgeführt wird.

Je nach Anwendungsfall müssen Informationen zuvor außerhalb der Blockchain sichergestellt, rechtliche Vorgaben beachtet und Konzepte zur Langzeitsicherheit entwickelt werden. Laut dem Netzwerkspezialisten Colt Technology Services wird die Sicherheit immer wieder als Argument für die Verwendung von Blockchain genannt. Und tatsächlich schneiden Blockchains in den Punkten Verfügbarkeit und Robustheit gegen Missbräuche gegenüber klassischen zentralen Datenbanken grundsätzlich positiv ab. Allerdings hängt die Sicherheit der Technologie stark von den verwendeten kryptografischen Algorithmen ab. Diese müssen daher sorgfältig ausgewählt werden. Entsprechend gilt es, bereits bei der vorangehenden Auswahl eines SD-WAN-Netzwerkanbieters darauf zu achten, dass dieser über die notwendige Erfahrung verfügt.


Einfach vorausdenken ...

Neben den Netzwerken müssen für den Einsatz von Blockchain weitere Voraussetzungen geschaffen werden. So sollte das software-definierte Konzept auch auf die IT, genauer auf die Infrastruktur, übertragen werden. Mit der Software-defined Infrastructure (SDI) werden u. a. Server, File-Server und Storage-Systeme für die modernen Netzwerke der Zukunft gerüstet. Weitere technische Details sowie Informationen zur Sicherheit der Blockchain-Technologie, zu rechtlichen Aspekten, praktischen Anwendungen sowie Hinweisen, was es bei der Einführung der Blockchain zu beachten gilt, beschreibt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in seinem Leitfaden „Blockchain sicher gestalten“.


Bildquelle: Getty Images / iStock / Getty Images Plus

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok