Connected Car

Ein Smartphone auf Rädern

Mittels Edge Computing kommt Mobilität an den Netzwerkrand. Dies gilt als eine wichtige Voraussetzung für den zukünftigen Erfolg und die flächendeckende Verbreitung von Connected Cars.

Ein Smartphone auf Rädern

Während das Connected Car weiter auf dem Vormarsch ist, steigt auch die Datenfülle – das erfordert erhöhte Rechenleistung.

Künstliche Intelligenz und das Internet der Dinge sorgen nicht nur dafür, dass sich immer mehr Wohnraum zum „Smart Home“ verwandelt, indem Haushaltsgeräte und Haustechnik miteinander verknüpft werden. Auch das Auto wird sich in naher Zukunft dank neuer Technologien – beispielsweise in den Bereichen Sensorik und Car2Car-Anwendungen – von einem reinen Fortbewegungsmittel zum mobilen Wohn- und Arbeitsraum entwickeln. Der Mensch wird vom Autofahrer zum Passagier. Diese Entwicklung wird die Automobilindustrie gründlich umkrempeln. So könnten lange Staus und Unfälle bald der Vergangenheit angehören. Doch kann die bestehende Netz- und IT-Infrastruktur dies alles überhaupt bewältigen?

Während der Fahrt senden und empfangen intelligente Autos – die „Connected Cars" – ständig Daten, sei es über Geschwindigkeit, Abstand zu anderen Fahrzeugen, GPS-Daten, Tankfüllung, Verkehrssteuerung oder Wetterbedingungen. Um eine sichere und reibungslose Fahrt sicherzustellen, muss das vernetzte Fahrzeuge diese Daten fortlaufend und in Echtzeit verarbeiten.

Doch nicht nur das: Zu den Daten, die das Connected Car selbst produziert, kommt eine Vielzahl mobiler Endgeräte, die mit dem Auto verbunden sind. Über Smartphone, Tablet oder Laptop können Passagiere wie gewohnt im Internet surfen, E-Mails schreiben, auf Musik- oder Videostreaming-Dienste zugreifen oder stimmengesteuerte Anwendungen nutzen. So verwandelt sich das Auto immer mehr zu einem „Smartphone auf vier Rädern“.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Das heißt im Klartext: Mehr Connected Cars = mehr Daten = steigende Herausforderungen an die IT-Infrastruktur. Die Datenmengen, die Connected Cars auf diese Weise produzieren, wachsen stetig. Innerhalb nur einer Stunde kann ein solches Fahrzeug bis zu 25 Gigabyte in die Cloud laden – das entspricht in etwa zwölf HD-Filmen. Schätzungen zufolge werden in den nächsten drei Jahren bis zu 250 Millionen Fahrzeuge mit dem Internet verbunden sein. Entsprechend steigt auch das Datenvolumen, das auf unseren Straßen produziert wird.

Datenautobahnen für vernetzte Autos

Dieser explosionsartige Anstieg von Daten stellt Autohersteller vor große Herausforderungen, denn die benötigte Rechenleistung für die Verarbeitung dieser Datenmengen ist enorm. Das liegt nicht nur an der schieren Menge von Daten, sondern auch daran, dass die Datenverarbeitung in und um das Connected Car in Echtzeit geschehen muss. Man denke zum Beispiel an die Rechenleistung, die benötigt wird, wenn Bordkameras die Umgebung rund um das Auto überwachen, um Unfälle zu verhindern, bevor sie passieren. Während das Auto diese Daten produziert, muss es entscheiden: Welche Daten können von der im Auto eingebauten IT selbst verarbeitet werden? Und was muss zur Verarbeitung an einen zentralen Standort übertragen werden? Diese Art der Priorisierung ist nur über die Verbindungen zu Clouds, Netzwerken und anderen Partnern möglich. Und das möglichst schnell, zu jeder Zeit und weltweit von jedem Standort. Denn schließlich sind Autos mobil.

Genau das ist auch der Knackpunkt, wenn wir über die Bedeutung von IT-Infrastruktur als wichtige Grundlage für Connected Cars sprechen: Sie bewegen sich und definieren daher die Koordinaten und den „Rand“ des Datennetzes, über das sie sich mit Cloud-Services, Netzwerkanbietern und Partnern verbinden, ständig neu. Traditionelle, zentralisierte IT-Infrastrukturen können diese Art der Verbindung am Netzwerkrand nicht ermöglichen, da sowohl ihre Kapazitäten als auch ihre Reichweite begrenzt sind. Sie sind – vereinfacht ausgedrückt – als „Datenautobahnen“ für vernetzte Autos nicht geeignet.

Daten am Netzwerkrand verarbeiten

Die Lösung für dieses Problem kann in der Nutzung eines globalen Netzwerkes von Rechenzentren wie beispielsweise von Equinix liegen. Das heißt, in der Nutzung mehrerer Rechenzentren an unterschiedlichen Orten, die sowohl über genügend Kapazitäten verfügen, in Echtzeit große Datenmengen zu speichern, zu analysieren und zu verarbeiten, als auch Verbindungen zu allen relevanten Anbietern und Partnern ermöglichen.

In anderen Worten: Connected Cars stellen besondere Anforderungen an IT-Infrastrukturen aufgrund der vielen Daten, die sie produzieren und der benötigten Geschwindigkeit für die Verarbeitung dieser Daten – zu jeder Zeit, von jedem Ort. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, müssen Daten am Netzwerkrand, also dort wo sie entstehen, verarbeitet werden. „Edge Computing“ heißt diese Art der Datenverarbeitung.

Dabei liegen die Vorteile von Edge Computing auf der Hand: Geringe Latenzzeiten, verbesserte Nutzererfahrung und höhere Sicherheit. In Bezug auf das Beispiel der Bordkamera bedeutet dies, dass das Auto ohne Verzögerung noch während die Daten generiert werden auf Veränderungen der Umgebung reagieren und so Unfälle vermeiden kann. Möglich ist die Verarbeitung von Daten am Netzwerkrand jedoch nur, wenn die Infrastruktur entsprechend dezentralisiert aufgebaut ist.

Die Zukunft der Mobilität und Automobilindustrie scheint vielversprechend. Dennoch darf bei aller Euphorie nicht vergessen werden, welche Rolle IT-Infrastrukturen für den Erfolg neuer Technologien rund um das Connected Car spielen. Je intelligenter und autonomer die Autos werden, umso wichtiger wird auch die zugrundeliegende IT-Infrastruktur.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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