Women in Tech

Einzelkämpferinnen in einer Männerdomäne?

Warum sind Frauen in der IT-Branche und innerhalb von IT-Abteilungen nach wie vor unterrepräsentiert? Verschiedene Ansätze sollen dafür sorgen, IT-Berufe und damit „Women in Tech“ attraktiver zu machen.

  • Women in Tech

    Frauen und Technik! Frauen können nicht logisch denken! Viele solcher Vorteile stimmen einfach nicht.

  • Valeria Kalteis, Opentext

    Valeria Kalteis ist Security Advocate und Senior Software-Entwickler bei Opentext.

Die Zukunftsaussichten sind rosig, das Gehalt stimmt, der Bedarf an Informatikern, Ingenieuren, Software-Entwicklern und Elektrotechnikern steigt. Trotzdem machen viele junge Frauen um technische Berufe nach wie vor einen großen Bogen. Sie entscheiden sich deutlich seltener für technische Studiengänge als ihre männlichen Kollegen. 53,5 Prozent der IT-Expertinnen in Unternehmen jedenfalls bestätigen in einer Studie im Auftrag der Monster Worldwide Deutschland GmbH: „In meinem Tätigkeitsbereich arbeiten mehr Männer als Frauen.“ Die Unterrepräsentation von Frauen im IT-Bereich wird demnach bereits im Bewerbungsprozess deutlich. So verzeichnen IT-Unternehmen lediglich 17,4 Prozent weibliche Bewerber, mittelständische Unternehmen 14,4 Prozent, die Top-1.000-Unternehmen sogar nur 13,3 Prozent.

Dabei ist „Women in Tech“ heutzutage in aller Munde. Es geht bei diesem Begriff nicht nur darum, einen Code schreiben zu können, herausragende Kenntnisse in den MINT-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) zu haben oder in einer bestimmten Branche zu arbeiten. Er steht für alle Frauen, die ein fundiertes technisches Know-how benötigen, um ihren Arbeitsalltag erfolgreich zu meistern – ob als Programmiererin oder im Vertrieb von technischen Produkten. Unternehmen und Vereine tun deshalb gut daran, die Frauenquote im Technikbereich zu verbessern und Frauen stärker für Technik zu begeistern.

IT-Wissen: Kinder früher fördern

Der Startschuss dazu fällt bereits in der Kindheit. Mädchen interessieren sich durchaus für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, allerdings nimmt das Interesse oftmals rapide ab, wenn es nicht gefördert wird. Dass mit der Förderung alles steht und fällt, weiß etwa auch Valeria Kalteis, Security Advocate und Senior Software-Entwickler beim Münchner Anbieter von Enterprise-Information-Management-Lösungen Opentext: „Ich wurde bereits früh durch meinen Vater, der Informatiker ist, geprägt. Dementsprechend habe ich mich schon als Kind für Technik und Computer interessiert. Meine Eltern haben das unterstützt und gefördert, bevor ich mich für ein Informatikstudium entschieden habe. Auch bei Freunden, deren Eltern aus dem technischen Umfeld kamen, war das technische Interesse ausgeprägter“, erinnert sich die Programmiererin.

Doch auch bildungspolitisch gibt es Nachholbedarf: 83,3 Prozent der IT-Unternehmen finden, dass das deutsche Schulsystem junge Frauen zu wenig mit IT in Kontakt bringt. Oftmals hapert es bereits am Lehrplan oder an der unzureichenden technischen Ausstattung in den Schulen. Gründe, weshalb Unternehmen ihr Schicksal immer öfter in die eigenen Hände nehmen: Opentext – mit einer Frauenquote von 30 Prozent – setzt beispielsweise bereits seit einigen Jahren verstärkt auf die Förderung von Kindern. So hat das Unternehmen u. a. das Programm „Hour of Code“ eingeführt. Dahinter steckt eine globale Bewegung der Computer Science Education Week und Code.org, an der mehrere zehn Millionen Schüler in über 180 Ländern teilnehmen und eine einstündige Einführung in die Computertechnik und das Programmieren absolvieren.

Unternehmen können hier auf Material für ein für alle Altersstufen geeignetes einstündiges Tutorial zugreifen. Der Münchner Anbieter lädt zu diesem Zweck jährlich 30 Mitarbeiterkinder ein, um ihnen spielerisch das Programmieren beizubringen. Die Kinder lernen so, was es mit dem Schreiben von Code auf sich hat und bekommen einen ganz anderen Bezug zu diesem Thema – vor allem die Mädchen. So wird Technik zur Normalität. Andere Unternehmen und Hochschulen engagieren sich ebenfalls auf vielfältige Weise: Mit Schnupperangeboten, Schülerinnen-Workshops oder Werksführungen bieten sie Einblicke in die Praxis.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf in IT-Jobs

Auch im späteren Berufsleben ist es wichtig, dass Unternehmen Frauen gute Karrierechancen und Angebote zur Verbesserung der Work-Life-Balance bieten. 60,7 Prozent der IT-Expertinnen sind nach wie vor der Meinung, dass Unternehmen zu wenig tun, um Frauen langfristig an den Tätigkeitsbereich zu binden. Valeria Kalteis jedenfalls hat bereits mit 19 Jahren als Werkstudentin bei Opentext angefangen und ist geblieben: „Die Flexibilität im Berufsleben durch Gleitzeit und Home-Office-Optionen sind für mich essentiell. Außerdem sind sie für viele – Männer  wie Frauen – ein wichtiger Punkt, um Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. “ Der Anbieter nimmt darüber hinaus an weiteren Programmen teil und schickt beispielsweise jedes Jahr zehn Mitarbeiterinnen zur Grace Hopper Celebration in die Vereinigten Staaten. Dort können sich Frauen fachlich weiterbilden, mit Kolleginnen weltweit austauschen und mehr über Karrieremöglichkeiten und Aufstiegschancen erfahren.

Dennoch halten sich viele Vorurteile in der Tech-Branche weiterhin hartnäckig: „Frauen und Technik!“ – „Frauen können nicht logisch denken!“ – „Technische Berufe sind eher für Männer gedacht“. Viele Frauen fürchten deshalb eine starke Ellenbogenkultur und ein hohes Konfliktpotential in der Männerdomäne. Kalteis räumt mit diesen Vorurteilen auf: „Ich hatte nie Probleme, mich durchzusetzen, wenn es notwendig war. Meiner Meinung braucht man kein dickeres Fell als in anderen Branchen. Frauen haben allerdings den Vorteil, dass sie häufiger auf einen Konsens aus sind, bevor ein Konflikt heraufbeschworen wird. Sie reagieren oft diplomatischer.“

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Opentext

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