Netzwerkgeräte als ­Energiefresser

Energie sparen im Standby-Modus

Veraltete Technologien verschwenden hierzulande rund 60 Mrd. Euro, wobei sich ­insbesondere in die Jahre gekommene Netzwerkgeräte hervortun. Dabei ließen sich allein mit einem optimierten Standby-Modus rund 65 Prozent der Energie einsparen.

Netzwerkgeräte, Bildquelle: Thinkstock/Purestock

Veraltete Technologie verschwendet Unmengen an Geld.

Laut aktueller Studie der Internationalen Energieagentur (IEA) verschwenden die derzeit rund 14 Milliarden onlinefähigen elektronischen Geräte jedes Jahr Energie im Wert von knapp 60 Milliarden Euro. Bis 2020 wird diese Summe um weitere 50 Prozent steigen. Einer der größten Energieverschwender sind der Studie zufolge Netzwerke, die bereits im Standby-Modus große Mengen an Strom verbrauchen. Selbst mit vorhandenen Technologien ließen sich ohne Nachteile für die Anwender 65 Prozent der Energie einsparen.

Allein im vergangenen Jahr verbrauchten die weltweit 14 Milliarden Netzwerkgeräte laut IEA-Studie rund 616 Terawattstunden Strom. Der größte Teil ging dabei auf den Verbrauch im Standby-Modus zurück. Allein 400 Terawattstunden wurden aufgrund ineffizienter Technologien verschwendet. Das entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von Norwegen und dem Vereinigten Königreich zusammen. „Das Problem ist nicht, dass diese Geräte oft im Standby-Modus sind, sondern vielmehr, dass sie in der Regel wesentlich mehr Energie verbrauchen, als sie sollten, um eine Verbindung zu erhalten und mit dem Netzwerk zu kommunizieren“, kritisiert Maria Van der Hoeven, Leiterin der IEA. „Allein durch den Einsatz der besten Technologien, die heute bereits zur Verfügung stehen, könnten diese Geräte die gleichen Aufgaben ausführen und dabei im Standby-Modus rund 65 Prozent weniger Strom verbrauchen“, betont Van der Hoeven.

Die Internationale Energiebehörde weist in der Auswertung der Studie darauf hin, dass Verbraucher Geld in Form von Energieverschwendung verlören, was letztlich auch zu teureren Kraftwerken, zusätzlicher Infrastruktur und unnötigen Treibhausgasen führe. Mit bereits verfügbaren Technologien könne dies ­verhindert werden. Zu ähnlichen Schlüssen kommt auch Joachim Dressler, Vorstandsmitglied des unabhängigen Branchenverbands M2M Alliance: „Mit dem Internet of Things hat die Vernetzung von Maschinen und Geräten in den letzten Jahren einen gewaltigen Sprung gemacht, was die eingesetzten Technologien und Wirtschaftlichkeit betrifft. Die Entwicklung ist sicherlich noch nicht am Ende, aber die Lösungen von heute sind denen von vor wenigen Jahren deutlich überlegen.“

Das größte Problem ist Dressler zufolge, dass vielen Anwendern noch nicht bewusst sei, dass sich entsprechende Investitionen mittelfristig auszahlen würden. Ein Beispiel für bereits vorhandene Lösungen, mit denen sich Ressourcen sparen lassen, ist der Funkstandard Ultra-low Energy, kurz ULE. Dieser gilt als energiesparend und kommt u.a. aufgrund seines eigenen geschützten Frequenzbereichs bislang in Bereichen wie Heimautomation, Klimatechnik und Sicherheitslösungen zum Einsatz. Da ULE auf für Telefonie reservierten DECT-Frequenzen basiert, können vorhandene Gateways, die DECT nutzen, durch ein Software-Update ULE-fähig gemacht werden und damit zusätzliche Hardware einsparen. „Die Ergebnisse der IEA bestätigen, dass es vielmehr an entsprechendem Gebrauch denn an fehlender Technologie mangelt, wenn es um effizientere Geräte und Netzwerke geht“, sieht sich René Kohlmann, Vorsitzender der ULE Alliance, bestätigt. „Aufklärungsarbeit ist hier folglich mindestens ebenso wichtig wie die Weiterentwicklung der Produkte.“

Die Internationale Energieagentur hat errechnet, dass 200 Kohlekraftwerke geschlossen werden könnten, würden die derzeitig bereits verfügbaren Lösungen konsequent umgesetzt. Die Agentur ruft in ihrem Bericht dazu auf, dass alle Parteien wie politische Entscheidungsträger, Entwickler von Standards sowie Software- und Hardwarehersteller und alle anderen involvierten Parteien besser zusammenarbeiten sollten, um den Energiebedarf auf internationaler Ebene zu reduzieren.

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