Interview mit Markus Ecke und Klaus Rudolph, E-Shelter

Energieeffiziente Maßnahmen

Interview mit Markus Ecke, Geschäftsführer bei der E-Shelter Facility Services GmbH (Technik), und Klaus Rudolph, E-Shelter-Geschäftsführer für den Bereich "Planen und Bauen"

  • Markus Ecke, Klaus Rudolph, E-Shelter

    Markus Ecke, Geschäftsführer bei E-Shelter

  • Klaus Rudolph,Geschäftsführer bei E-Shelter

IT-DIRECTOR: Herr Ecke, Stichwort Klimatisierung: Kalt-Warm-Gänge und freie Kühlung sind bereits gängige Methoden für eine energieeffizientere Klimatisierung im Rechenzentrum. Welche weiteren Vorgehensweisen können hier Energiekosten sparen?
M. Ecke: Optimierung des Doppelbodenmanagements bzw. des Zuluftmanagements; Einsatz von Adiabatik bei der Außenluftkühlung; energieoptimierende Steuerungen wie unser Kältemanager; Niederdruckumluftkühlung im Zusammenhang mit Kaltgangeinhausung; Nutzung von Wärmerückgewinnung, z.B. durch Hochtemperaturwärmepumen.

IT-DIRECTOR: Wie funktioniert eine Kühlung mit Erdwärme oder mit Grund- bzw. Meerwasser? Und wo liegen hierin die größten Vor- bzw. Nachteile?
M. Ecke: Die thermische Kälteerzeugung mittels Erdwärme erfolgt mittels Absorptionskältemaschinen. (AKM). Diese AKM benötigen jedoch eine Temperatur von min. +85°C. Bei der Kühlung mit Meer- bzw. Grundwasser wird ein Wärmetauscher zwischen dem Kreislauf des Meer- und Grundwassers und dem Kältekreislauf des Rechenzentrums installiert. Dadurch wird das belastete Außenwasser vom Kältekreislauf des Rechenzentrums getrennt.

IT-DIRECTOR: Welche Methoden bzw. Technologien sorgen bei anderen RZ-Komponenten für mehr Energieeffizienz?
M. Ecke: Grundsätzliche Anwendung von drehzahlgeregelten Motoren bei z.B. Pumpen, Ventilatoren, etc. Modulare, an die notwendige Leistung automatisch anpassbare Anlagen (USV) in IGBT und Einschub Technik.

IT-DIRECTOR: Inwieweit nutzen Rechenzentrumsbetreiber in Deutschland bereits erneuerbare Energie für den Betrieb ihres Data Center?
M. Ecke: Wir bieten an jedem Standort die Möglichkeit für die Kunden, Strom aus erneuerbaren Energien zu beziehen. Einige Standorte sind bereits zu 100 Prozent auf zertifizierten Grünstrom umgestellt, in anderen wächst der Anteil stetig.

IT-DIRECTOR: Herr Rudolph, was sind die wichtigsten Maßnahmen, die für Energieeffizienz in Ihrem Rechenzentrum sorgen?
K. Rudolph: Modulare, in der Leistung anpassbare Anlagen, z.B. USV-Systeme die im laufenden Betrieb durch automatisch zuschaltbare Module erweiterbar sind – mit sehr geringen Verlustleistungen. Nutzung von „Freier Kühlung“ und adiabatischer, indirekter Außenluftkühlung. Nutzung drehzahlgeregelter Ventilatoren und Pumpen. Doppelbodenmanagement als Zuluftmanagement und „Kaltgangeinhausungen“.

IT-DIRECTOR: Wie energieeffizient arbeitet Ihr Rechenzentrum? Welchen PUE-Wert weist Ihr Data Center aktuell auf?

K. Rudolph: Der PUE-Wert ist leider nicht eindeutig definiert und hängt von vielen Faktoren ab, wie die genauen Messpunkte, Jahreszeit, Qualität des Rechenzentrums (Redundanzkonzept), Auslastung, so dass die Zahlen in den verschiedenen Rechenzentren, die wir betreiben, variieren können.

IT-DIRECTOR: Wie viel Energie konnten Sie mit Ihren Maßnahmen in den letzten beiden Jahren einsparen?
K. Rudolph: Je nach Standort unterschiedlich, zwischen 30 bis 50 Prozent der eingesetzten sekundären Energie für die Rückkühlung der Rechner und Minimierung der Verlustleistung elektrischer Systeme der primären Energie.

IT-DIRECTOR: Wie gewährleisten Sie die Hochverfügbarkeit Ihres Rechenzentrums? Wie garantieren Sie dabei, dass die Absicherung der IT nicht zu Lasten der Energieeffizienz geht?
K. Rudolph: Die Hochverfügbarkeit bei E-Shelter wird durch zwei Faktoren gewährleistet: Zum einen durch eine eigene, sehr gut ausgebildete und spezialisierte Betriebsmannschaft. Zum anderen mit einer durchgängigen Konzeption der Redundanz technischer Anlagen, die im Notfall weitestgehend auch manuell betrieben werden können. Dabei ist die Energieeffizienz natürlich von der Verfügbarkeit abhängig.

IT-DIRECTOR: Wenn Sie heute die freie Wahl hätten – an welchem Standort würden Sie sofort ein neues Rechenzentrum bauen? Und warum gerade an dieser Stelle?
K. Rudolph: Wir haben die Wahl und evaluieren derzeit verschiedene Standorte in Deutschland, Ost- und Westeuropa. Die Standortwahl hängt neben dem konkreten Marktpotential von drei wesentlichen Faktoren ab – Energie (Verfügbarkeit und Effizienz), Sicherheit (Ausfall und regulatorische Sicherheit) und IT-Infrastruktur (Internetanbindung, Glasfaser, etc.). Je nach Gewichtung haben daher verschiedene Standorte Vor- und Nachteile.

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