IT-Geschäftsprozesse: Interview mit Christoph Thomas, Motorola

Enterprise Mobility von großer Bedeutung

Im Interview erklärt Christoph Thomas, MSSSI Vice President and Sales Director bei der Motorola Solutions Germany GmbH, warum einige Unternehmen beim Thema „Enterprise Mobility“ noch Zurückhaltung zeigen und welche Möglichkeiten sie dadurch verschenken

Christoph Thomas, Motorola

„Wir gehen davon aus, dass die Anzahl mobiler Mitarbeiter und damit die Nachfrage nach professionellen mobilen Lösungen weiter zunehmen werden“, so Christoph Thomas, MSSSI Vice President and Sales Director bei Motorola Solutions.

IT-DIRECTOR: Herr Thomas, welchen Stellenwert genießt das Thema „Enterprise Mobility“ aktuell in den Großunternehmen?
C. Thomas:
Die Anzahl mobiler Mitarbeiter steigt weiterhin stetig an. Der aktuellen IDC-Studie „Enterprise Mobility in Deutschland 2013“ zufolge arbeitet mehr als jeder zweite Angestellte (57 Prozent) heute zumindest teilweise mobil. Die meisten Geschäftsprozesse sind ohne mobile Mitarbeiter und Lösungen überhaupt nicht mehr abbildbar. Daher ist das Thema „Enterprise Mobility“ von großer Bedeutung für die Produktivität und Effizienz und damit den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Was schreckt das eine oder andere Unternehmen bisher noch ab, auf „Enterprise Mobility“ zu setzen? Wie lässt sich das zögerliche Verhalten erklären?
C. Thomas:
Einige Unternehmen stehen der Verwendung mobiler Endgeräte oft noch kritisch gegenüber, weil Mitarbeiter meist ihre Consumer-Geräte nutzen – Stichwort „Bring Your Own Device“ (BYOD). Ihnen fehlen geeignete Security- und Device-Management-Systeme, um einen wirklich effizienten und sicheren Einsatz im Unternehmen zu gewährleisten. Außerdem benötigen Unternehmen Businessgeräte, die speziell für den professionellen Bedarf entwickelt wurden und die hohen Anforderungen im Unternehmensumfeld erfüllen, wie beispielsweise Robustheit, lange Verfügbarkeit, professionelles Zubehör sowie Service- und Managementleistungen.

IT-DIRECTOR: Kann es sich ein Unternehmen heutzutage überhaupt noch leisten, auf die Mobilisierung von Geschäftsprozessen zu verzichten? Welche Chancen und Möglichkeiten werden dadurch verschenkt?
C. Thomas:
Unternehmen können mit mobilen Lösungen ihre Effizienz, Reaktionsfähigkeit und Produktivität steigern und ihre Mitarbeiter ganz gezielt bei der Bearbeitung ihrer Aufgaben unterstützen. Dadurch lassen sich höhere Umsätze erwirtschaften, Geschäftsprozesse zukunftsweisend ausrichten und Unternehmen sind insgesamt wettbewerbsfähiger.

IT-DIRECTOR: Welche Geschäftsprozesse sind besonders geeignet für ein mobiles Arbeiten? Welche Prozesse können gewinnbringend mobilisiert werden?
C. Thomas:
Mobile Lösungen werden mittlerweile in allen Unternehmensbereichen erfolgreich eingesetzt. Sie bieten vor allem dort den größten Mehrwert, wo Mitarbeiter schnell und flexibel auf Kunden- und Unternehmensdaten zugreifen sowie diese unterwegs erfassen müssen. Dies ist insbesondere im Field Service, Transport, in der Logistik oder auf der Verkaufsfläche im Einzelhandel der Fall. Die Anwendungsbereiche sind denkbar vielfältig und reichen vom Lager- und Bestandsmanagement über Zustellbestätigungen (Proof of Delivery) bis hin zu Mobile-Payment-Prozessen sowie Wartung und Instandhaltung von Maschinen.

IT-DIRECTRO: Wer stößt die Umsetzung einer mobilen Strategie im Unternehmen i.d.R. an?
C. Thomas:
Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Investitionsentscheidungen für mobile Lösungen heute auf verschiedenen Ebenen im Unternehmen angeregt werden. Je nach Anforderung und Einsatzbereich steuern das Management oder aber auch die Fachbereichsleiter oder IT-Verantwortlichen die Planung und Umsetzung von mobilen Strategien.

IT-DIRECTOR: Was sind die ersten Umsetzungsschritte und was muss dabei beachtet werden?
C. Thomas:
Eine sorgfältige Planung und Auswahl eines kompetenten Partners sind hier unabdingbar. Unternehmen sollten ihre Anforderungen genau definieren und gemeinsam mit branchenspezifisch erfahrenen Technologieexperten genau die mobile Lösung auswählen, die ihrer individuellen Aufgabestellung am besten entspricht. Bei der Auswahl der Lösungen sollten vor allem Qualität, leichte Bedienbarkeit, hoher Funktionsumfang und Leistungsfähigkeit, geringe Gesamtbetriebskosten über den gesamten Lebenszyklus, entsprechende Mobile-Device-Management-Lösungen und Sicherheitsfeatures sowie Service und Support im Fokus stehen. Ebenso sollte sichergestellt sein, dass die Implementierung umfassend begleitet wird.

IT-DIRECTOR: Sollte ein Unternehmen interne fachliche Ressourcen aufbauen oder externe Unterstützung anfordern?
C. Thomas:
Wir empfehlen, interne Ressourcen mit externem Know-how zu kombinieren. Schließlich kennen die Fachbereiche die Anforderungen ihrer mobilen Mitarbeiter am besten. Externe Technologieexperten wiederum verfügen über die notwendige Expertise, um die mobile Lösung genau auf die Bedürfnisse der Nutzer und der IT-Umgebung im Unternehmen zuzuschneiden. Auch die Erfahrung von externen Spezialisten ist für die erfolgreiche Durchführung solcher Projekte sehr wichtig.

IT-DIRECTOR: Welche Hürden sind bei einem Enterprise-Mobility-Projekt oftmals zu bewältigen? Welche Aspekte gehören zu den größten Herausforderungen?
C. Thomas:
Eine Herausforderung ist sicherlich, dass in vielen Unternehmen heute bereits eine Vielzahl von mobilen Endgeräten eingesetzt wird, die über spezifische Software-Applikationen verfügen. Der Einsatz neuer Geräte stellt die Softwarenentwickler häufig vor die Herausforderung, diese an neue Gerätetypen und Betriebssysteme anzupassen. Um diesen Aufwand möglichst gering zu halten, hat Motorola mit der Rhomobile Suite ein HTML5-basiertes Entwickler-Framework geschaffen, mit dem Unternehmen ihre Software-Anwendung nur einmal schreiben und dann auf unterschiedlichen Geräten und Betriebssystemen einsetzen können. Das erleichtert den Integrationsprozess und ermöglicht ein übergreifendes Gerätemanagement.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Herausforderungen ist die Mobility-Integration in die zentrale IT bzw. die Verknüpfung mit bestehenden Systemen verbunden?
C. Thomas:
Vor allem das Mobile Device Management (MDM) und Sicherheitsmaßnahmen sollten gut geplant und umfassend umgesetzt werden. Außerdem sollten sie mit dem Typ des Endgeräts und dem Betriebssystem kompatibel sein. Eine weitere wichtige Anforderung ist die Applikationsentwicklung, die stetig an Bedeutung gewinnt.

IT-DIRECTOR: Inwiefern verändert Enterprise Mobility das IT-Netzwerk eines Unternehmens?
C. Thomas:
Die IT-Netzwerke müssen die Flexibilität und Dynamik der mobilen Lösungen abbilden. Dies bedeutet z.B., dass eine sichere und zuverlässige Übermittlung und Weiterverarbeitung der mit den mobilen Geräten erfassten Daten gewährleistet sein sollte. Hierfür müssen u.a. Datenbank- und ERP-Systeme auf dem neuesten Stand der Technik sein.

IT-DIRECTOR: Inwiefern braucht es einen Chief Mobility Officer für eine erfolgreiche Mobility-Strategie?
C. Thomas:
Unserer Erfahrung nach werden die Anforderungen an mobile Lösungen in den jeweiligen Unternehmensbereichen definiert. Die IT-Verantwortlichen werden dann mit deren Umsetzung beauftragt. Für einen Chief Mobility Officer fehlen gerade in kleinen und mittelständischen Betrieben häufig die notwendigen Ressourcen. In der Praxis arbeiten wir erfolgreich mit den IT-Verantwortlichen unserer Kunden zusammen, um eine individuelle Mobility-Strategie für das jeweilige Unternehmen zu definieren und umzusetzen.

IT-DIRECTOR: Wie wird sich der Bereich „Enterprise Mobility“ Ihrer Meinung nach zukünftig entwickeln?
C. Thomas:
Wir gehen davon aus, dass die Anzahl mobiler Mitarbeiter und damit die Nachfrage nach professionellen mobilen Lösungen weiter zunehmen werden. Gleichzeitig steigt u.a. die Anforderung, plattformübergreifende mobile Applikationen zu entwickeln, die auf unterschiedlichen mobilen Geräten laufen – unabhängig vom Betriebssystem sowie mit identischem Aussehen und gleicher Handhabung. Sei es in Android-, Windows-Mobile- oder Apple-Umgebungen.

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