Die Sobloo-Plattform

Erdbeobachtungsdaten für alle

Über die Daten hinaus – dieses Motto begleitete die Gründung von „Sobloo“. Doch was verbirgt sich hinter der Digitalplattform? Im Interview klärt Christoph Müller-Dott vom Mitbegründer Orange Business Services darüber auf.

  • Die Cloud-Plattform Sobloo

    Die Cloud-Plattform Sobloo soll das Erdbeobachtungs-Ökosystem erweitern.

  • Christoph Müller-Dott, Orange Business Services

    Christoph Müller-Dott, Geschäftsführer für Zentral-, Süd- und Osteuropa bei Orange Business Services

IT-DIRECTOR: Herr Müller-Dott, was steckt hinter Sobloo?
C. Müller-Dott:
Sobloo ist eine Kooperationsplattform, die von Airbus, Orange Business Services und Capgemini ins Leben gerufen wurde, um Copernicus-Daten mit Hilfe von Cloud Computing für eine größere Bandbreite an Nutzern zugänglich zu machen. Copernicus ist das Erdbeobachtungsprogramm der Europäischen Union, das mit einem speziellen Netzwerk aus Satelliten Daten zur Umweltbeobachtung in Echtzeit liefert. Diese Daten sind der Schlüssel zu globalem Umwelt- und Sicherheitsmanagement.

Die Bereitstellung von Daten ist jedoch nicht die alleinige Funktion: Die Plattform soll das Erdbeobachtungs-Ökosystem erweitern, indem sie Wissenschaftlern, Entwicklern, Start-ups und Unternehmen einen Raum zum Austausch und zur Weiterentwicklung von Ideen gibt. Sie bietet die Möglichkeit, die Plattform gemeinsam aufzubauen und voranzubringen, indem Verbesserungsvorschläge oder Ideen für künftige Anwendungen jederzeit eingereicht werden können.

IT-DIRECTOR: Wer kann auf die Plattform zugreifen?
C. Müller-Dott:
Das ist das Besondere: Jeder kann nun auf Copernicus-Daten zugreifen! Ob kleine oder große Unternehmen, die wissenschaftliche Community oder interessierte Privatpersonen, jeder hat die Möglichkeit, Einblick in die Informationen der Sentinel-Satelliten des Copernicus-Programms zu bekommen. Die Plattform stellt zudem zahlreiche Services zur Verfügung, um die Nutzung und Interpretation der Daten zu erleichtern. So können sich Nutzer von Sobloo-Experten beraten, schulen oder unterstützen lassen oder auch Cloud-Services in Anspruch nehmen, um ihre virtuelle Infrastruktur an ihre Bedürfnisse anzupassen. Dabei stellt Sobloo dank der Einfachheit und Leistung der Cloud-Technologie eine Entwicklungsumgebung bereit, in der Nutzer eigene Anwendungen auf Basis der zur Verfügung gestellten Daten entwickeln können.

IT-DIRECTOR: Wie können die auf der Plattform bereitgestellten Daten der Wissenschaft, Unternehmen und der Gesellschaft allgemein helfen?
C. Müller-Dott:
Copernicus-Daten unterstützen die Arbeit in zahlreichen Bereichen: Landwirtschaft, Meeresbeobachtung, Transportwesen, Tourismus, Forstwirtschaft, Städteplanung, Krisenbewältigung oder Umweltbeobachtung, um nur einige Beispiele zu nennen. Wie die Daten hier zum Einsatz kommen, kann mit Hilfe von einigen Beispielen verdeutlicht werden:

In der Meeresbeobachtung werden die Erdbeobachtungsdaten beispielweise eingesetzt, um in Echtzeit bestmögliche Schifffahrtsrouten in Abhängigkeit von zugefrorenen Gebieten zu bestimmen. Außerdem wird die Wasserverschmutzung sowie die Erosion von Küstengebieten erfasst. Die Daten unterstützen zudem bei der Wettervorhersage und der Erfassung von Klimaveränderungen.

Naturkatastrophen lassen sich nicht beeinflussen, ihre Auswirkungen schon. Um Überschwemmungen, Waldbrände, Stürme oder Erdbeben vorherzusehen und die betroffenen Regionen rechtzeitig warnen zu können, helfen Satellitendaten. Mit ihrer Hilfe lassen sich Modelle zur Vorhersage erstellen. Ist eine Naturkatastrophe eingetreten, können betroffene Gebiete schnell identifiziert und das Ausmaß erfasst werden. Die über die Satellitenbilder bereitgestellten Informationen unterstützen Rettungsteams und humanitäre Organisationen dabei, schnelle Hilfe zu leisten.

Die von Sobloo bereitgestellten Erdbeobachtungsdaten stellen zudem Schlüsselindikatoren zur Verfügung, die den aktuellen Zustand der Umwelt sowie die Auswirkungen des Klimawandels einschätzen. Dabei liefert die Plattform nicht nur Satellitenbilder, sondern auch Messwerte zur Luft- und Wasserqualität, zur Kohlenstoffdioxidentwicklung oder zur UV-Strahlung. Diese Daten sind notwendig, um Forderungen an die Gesetzgebung zu untermauern und damit langfristig den Klimawandel zu bekämpfen.

IT-DIRECTOR: Sobloo basiert auf einer Cloud-Computing-Infrastruktur. Wie hat man sich das vorzustellen?
C. Müller-Dott:
Die Plattform läuft über eine globale Public Cloud, die auf einer Openstack-Technologie basiert. Dieses Cloud-Angebot stellt die enorme Skalierbarkeit und die Big-Data-Umgebung bereit, die für die Speicherung, Strukturierung und den Zugriff auf Copernicus-Daten erforderlich ist.

IT-DIRECTOR: Was hat die Plattform mit der „Europäischen Cloud“ zu tun?
C. Müller-Dott: Die Europäische Union sieht Big Data, Cloud-Dienste und das Internet of Things (IoT) als Katalysatoren für Wirtschaftswachstum, Innovation und Digitalisierung in Europa. Als einer dieser Katalysatoren beschreibt die europäische Cloud das Vorhaben, einen frei fließenden Datenverkehr innerhalb der EU zu ermöglichen. Der damit mögliche, umfassende Austausch fördert verschiedene Branchen und kann beispielsweise in der Forschung zu erheblichen Fortschritten durch eine vereinfachte Zusammenarbeit und besseren Zugriff führen. Sobloo trägt mit der Bereitstellung der Erdbeobachtungsdaten zu diesem Vorhaben bei. Jeder kann, über Länder- und Branchengrenzen hinweg, auf die Daten zugreifen.

Bildquellen: Thinkstock/iStock, Orange Business Services

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