Nachgefragt bei Sebastian Koch, KPMG

Erheblicher Informationsbedarf bei der E-Bilanz

Interview mit Steuerberater Sebastian Koch, Partner bei KPMG, über mögliche Gefahren bei der Umstellung auf die E-Bilanz

Sebastian Koch, KPMG

Der Steuerberater Sebastian Koch ist Partner bei KPMG.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind die Unternehmen und Wirtschaftsprüfer in Deutschland bereits auf die E-Bilanz vorbereitet?
S. Koch: Die Steuerberater und Wirtschaftsprüfer sind im Zusammenhang mit der E-Bilanz sicherlich die ersten Ansprechpartner, da diese sich mit den Anforderungen bereits seit Beginn des Jahres 2010 intensiv auseinandersetzen. Aktuelle Anfragen von Unternehmen deuten darauf hin, dass mitunter noch ein erheblicher Informationsbedarf besteht.

IT-DIRECTOR: Welche Daten müssen die Betriebe im Rahmen von E-Bilanz nun elektronisch übermitteln?
S. Koch: Die Unternehmen sind verpflichtet, entweder eine Handelsbilanz mit Überleitungsrechnung oder eine Steuerbilanz elektronisch zu übermitteln. Die entsprechenden Gewinn- und Verlustrechnungen sind ebenfalls innerhalb desselben Datensatzes zu übermitteln. Darüber hinaus sind, in Abhängigkeit von der Rechtsform, weitere Angaben zur steuerlichen Gewinnermittlung und zu den Unternehmensdaten, zu übersenden.

IT-DIRECTOR: Wo lauern für die Verantwortlichen mögliche Gefahren bei der Umstellung auf die E-Bilanz?
S. Koch: Entscheidend für eine erfolgreiche Umstellung der Prozesse auf die Anforderungen der E-Bilanz ist ein planvolles Vorgehen im Rahmen eines abgestimmten Projektes. Da die E-Bilanz sowohl Einfluss auf das Rechnungswesen, als auch auf die IT-Umgebungen und nicht zuletzt auf die Zusammenarbeit zwischen Steuerabteilung/Steuerberater und dem Finanzamt hat, sind Vertreter dieser Bereiche bei der Projektplanung zu berücksichtigen. Die größte Gefahr besteht daher darin, dass nicht sämtliche Beteiligte einbezogen werden.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann die E-Bilanz mit bereits vorhandener Finanzsoftware gestemmt werden? Oder müssen Unternehmen eine Aktualisierung Ihrer Finanzsysteme vornehmen bzw. diese um neue Funktionen ergänzen? Wenn ja, um welche?
S. Koch: Diese Frage kann man sicherlich nicht pauschal beantworten. Da bei den Unternehmen unterschiedlichste Finanzbuchhaltungs- und ERP-Software im Einsatz ist, gehört es im Rahmen einer Analysephase zu den Aufgaben der IT-Vertreter innerhalb des E-Bilanz-Projektteams, die Funktionalität der genutzten Software zu untersuchen und eine Beurteilung der Nutzungsmöglichkeit für die E-Bilanz-Zwecke abzugeben. Da die erstmalige verpflichtende Übermittlung überwiegend erst im Jahr 2014 erfolgen wird, sollte mit den Anbietern bis dahin geklärt werden, ob diese entsprechende Schnittstellen implementieren werden.

IT-DIRECTOR: Wie kann die Sicherheit der Finanzdaten gewährleistet werden – zum einen auf Seiten des Anwenderunternehmens und zum anderen auf der der Finanzbehörde?
S. Koch: Die zunehmende Digitalisierung von Geschäftsprozessen im Rahmen der elektronischen Kommunikation mit dem Finanzamt, stellt die Unternehmen vor einige sicherheitsrelevante Herausforderungen. Auf Ebene der Unternehmen sollten daher sowohl der elektronische Versand und die Archivierung als auch die Verfügbarkeit historischer Daten mit den Sicherheitskonzepten der Unternehmen verglichen und abgestimmt werden. Insbesondere die Berechtigungskonzepte und elektronischen Kommunikationsmittel sollten im Vorfeld definiert und auf sicherheitsrelevante Aspekte geprüft werden. Für die Finanzverwaltung wird eine besondere Herausforderung darin liegen, mit den ihr zur Verfügung gestellten Daten auch weiterhin die erforderlichen Sicherheitsanforderungen zu erfüllen.

IT-DIRECTOR: Welche Neuregelungen im Bereich der Finanzbuchhaltung sind vom Steuerbürokratieabbaugesetz (Steubag) in naher Zukunft noch zu erwarten?
S. Koch: Es ist zu erwarten, dass die zukünftigen Betriebsprüfungen sehr viel zielgerichteter und zeitnaher auf bestimmte Auffälligkeit im Zusammenhang mit den eingereichten E-Bilanzen reagieren werden. Das Risikomanagement auf Ebene der Finanzverwaltung wird weiter ausgebaut werden und zu einer neuen Form der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Finanzverwaltung führen. Insbesondere wird der Umgang mit Änderungen an den eingereichten Datensätzen durch die Finanzverwaltung und deren Rückübermittlung an die Unternehmen zu weiteren Anforderungen führen können.

IT-DIRECTOR: Wie ist Deutschland mit den neuen Regelungen zur E-Bilanz im europäischen bzw. internationalen Vergleich aufgestellt?
S. Koch: In einigen Ländern innerhalb der europäischen Union ist die Digitalisierung und Übermittlung von elektronischen Bilanzen heute schon Realität. Auch bedingt durch die hohe Komplexität des deutschen Steuerrechts hat die Finanzverwaltung hier noch einen gewissen Nachholbedarf.

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