SAP-Anwenderkonferenz

ERP auf Hana bringt Tempo und viel Arbeit

Es ist die Nachricht, auf die viele gewartet haben: SAPs Business Suite läuft nun auch auf der In-Memory-Datenbank Hana. ERP-Prozesse werden damit deutlich schneller. Doch Anwender müssen bei der Nutzenrechnung langfristig denken. Technischer Aufwand und Erstinvestitionen machen die Migration zu einem komplexen Projekt.

Jim Hagemann Snabe, SAP

„Hana ist die Neuerfindung der Datenbank“, glaubt Jim Hagemann Snabe, einer der beiden Co-CEOs von SAP.

„Hana ist die Neuerfindung der Datenbank“, glaubt Jim Hagemann Snabe, einer der beiden Co-CEOs von SAP. Wenn die Business Suite nun auf Hana laufe, könne man daher auch von einer Neuerfindung der Softwarelösung sprechen. Dies verkündete Snabe auf der Pressekonferenz, auf der die große Neuigkeit präsentiert wurde. Die Kernanwendungen der Business Suite lassen sich jetzt auch auf der hauseigenen In-Memory-Datenbank nutzen. Nachdem SAP auf der vergangenen Anwenderkonferenz in Madrid mit der CRM-Software erstmals die transaktionale Datenwelt für Hana erschlossen hatte, war bereits mit Spannung erwartet worden, wann das ERP-System an der Reihe sei.

Die Marktbeobachter der Experton Group sehen die Ankündigung „als extrem wichtig für SAP, den gesamten ERP-Markt, das Wettbewerbsumfeld und insbesondere auch die SAP-Anwender“ – so die Aussage in einer Stellungnahme des Analystenhauses, die von Wolfgang Schwab, Jürgen Weiß und Andreas Zilch verfasst wurde. Die Nutzer des Business Warehouse (BW) auf Hana hatten bereits über deutliche schnellere Prozesse berichtet – in Einzelfällen um den Faktor 10 000. Ähnliche Temposteigerungen erwarten sich jetzt auch die ERP-Anwender. Und die Analysten. Laut Experton Group zeigt erstes Kunden-Feedback eine massive Beschleunigung von Planungs-, Simulations- und Analyseaufgaben. Entscheidungen könnten zeitnah mit allen verfügbaren Daten getroffen werden, ohne langwierig auf Informationen aus dem BW oder ähnlichen Systemen zu warten. „Dadurch verbessern sich die Entscheidungsgeschwindigkeit und die Qualität“, so das Statement der Experton Group. Die Vielzahl der Chancen, die sich durch die neue Architektur bieten, sei so bedeutend, dass sich jeder SAP-Anwender „damit beschäftigen muss“.

Doch neben den Chancen ergeben sich auch Herausforderungen. Die Datenbank des ERP-Systems ist quasi das Herz jeder Firmen-IT – wenn nicht sogar das Herz des Unternehmens selbst. Die Migration auf eine andere Datenbank ist somit kein triviales Projekt. SAP stellt die Nutzung von Hana für die Business Suite zwar als Enhancement Paket zur Verfügung. Und zusätzlich bieten die Walldorfer für die Einführung so genannte Rapid Deployment Solutions – also vorkonfigurierte Software und Implementierungsservices. Mit dieser Hilfe sollen Anwender in weniger als sechs Monaten in den Live-Betrieb gehen können. Doch die Hauptarbeit müsse trotzdem das Anwenderunternehmen leisten, so die Experton Group.

Die Migration der Datenbank bleibt mit großem Aufwand verbunden, der viele IT-Verantwortliche in den Unternehmen zunächst abschrecken mag. In Sachen Migration sei gerade für größere Unternehmen ein Big Bang unrealistisch, meinen die Analysten. SAP schlägt daher einen anderen Weg vor. Grundidee: Die vorhandene SAP-Installation wird inklusive aller Datenbestände und der bestehenden Applikationen zunächst 1:1 auf die neue Hana-Architektur migriert. „Wenn dies erfolgt ist, hat man zwar noch keine signifikanten Vorteile erzielt“, so die Einschätzung der Experton-Group-Leute, „aber die Basis für wertschöpfende Neuentwicklungen geschaffen“.

Wenn es um den wirtschaftlichen Nutzen von Hana im ERP-Umfeld geht, müssen Firmen allerdings langfristig denken. Für einzelne Hana-Projekte im Analyse-Bereich ist laut den Analysten eine Wirtschaftlichkeitsrechnung zwar relativ einfach. „Schwieriger ist es, den Business-Case für die komplette Migration zur Hana-Architektur für das ganze Unternehmen zu rechnen.“, heißt es in der Stellungnahme des Marktforschungshauses. Zunächst sei ein hohes Erst-Investment notwendig. „Falls dieses auf die ersten Projekte voll umgelegt wird, ist eine positive Wirtschaftlichkeitsbetrachtung schwierig.“

Immerhin: Nach Aussage der Nutzervereinigung DSAG orientiert sich das Preismodell der Business Suite powered by Hana an der Wertschöpfung der Anwender. „SAP-Kunden müssen jetzt nur die Lizenzen upgraden, die wirklich auf die Hana-Datenbank zugreifen und nicht pauschal den gesamten Lizenzvertrag“, erklärt Andreas Oczko, Vorstandsmitglied der DSAG. Die Datenbank für die Business Suite auf Hana koste damit lizenzseitig für Bestandskunden genauso viel wie herkömmliche Datenbanken.

Passende Experten gesucht

Wer sich für die Migration auf die In-Memory-Datenbank entscheidet, könnte jedoch Schwierigkeiten haben, die passenden Experten zu finden. Laut Experton Group ist der Markt für SAP-Spezialisten derzeit extrem überhitzt. Die SAP-Service-Provider sind mit traditionellen Migrationen und Projekten ausgelastet. Sie werden somit erst langsam auch in die Hana-Thematik investieren.

Nach Meinung der Marktbeobachter kann sich die Umstellung auf Hana aber nicht nur aufgrund der bereits genannten Vorteile lohnen. Viele der aktuellen SAP-Installationen seien zwar technisch auf dem aktuellen Stand. Bei Release-Wechseln hätten die Unternehmen aber häufig darauf verzichtet, die Geschäftsprozesse anzupassen, zu standardisieren und zu modernisieren. Die neuen Möglichkeiten der Hana-Architektur könnten den Anstoß geben, das ERP-System von Grund auf zu renovieren und „fit für die nächsten zehn bis 20 Jahre zu machen“.

Eine „glänzende Zukunft“ für die kommenden zehn bis 15 Jahre prognostiziert Hasso Plattner auch dem Walldorfer Software-Anbieter. Laut dem SAP-Mitgründer gab das nach ihm benannte Institut in Potsdam den Anstoß, die neue In-Memory-Datenbank zu entwickeln. Das sie die einzige Chance gewesen, im Wettbewerb zu überleben. Plattner: „SAP musste das machen oder von der Bildfläche verschwinden.“

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