So modernisiert DB Schenker die Lagerverwaltung

ERP-Umstellung im laufenden Betrieb

DB Schenker hat sein Hochregallager in Bad Fallingbostel innerhalb von neun Monaten vollständig modernisiert: Im Auftrag eines amerikanischen Lebensmittelkonzerns organisiert der Kontraktlogistiker jetzt die Lagerverwaltung, die Kommissionierung sowie das Co-Packing mit einem ERP-System.

  • Hochregallager von DB Schenker

    DB Schenker hat sein Hochregallager in Bad Fallingbostel modernisiert.

  • Organisation der Lagerverwaltung

    Im Auftrag eines amerikanischen Lebensmittelkonzerns organisiert der Kontraktlogistiker die Lagerverwaltung.

Damit der Nachschub nicht abreißt, muss die Ware des Konzerns innerhalb von 48 Stunden nach der Bestellung den Weg vom Lager in den Supermarkt gefunden haben. Logistisch eine Herausforderung – für die das amerikanische Unternehmen einen erfahrenen Partner ins Boot geholt hat: Seit 2012 kümmert sich DB Schenker am Standort Bad Fallingbostel um die Lagerhaltung, das Palettenmanagement, das Kommissionieren und die Konfektionierung von Display-Artikeln (Co-Packing) sowie den Aufbau von Werbedisplays. Täglich verlassen dort im Schnitt 100 Lkw mit insgesamt 3.800 Paletten die Verladerampe, etwa 570 davon sind kommissioniert.

ERP-seitig setzten der Lebensmittelkonzern und der damalige Logistikpartner seit 1994 auf die Lösungen der Gus Group. Der Einstieg ins Projekt erfolgte mit der Gus-Lösung Charisma, als ein neues DB-Schenker-Lager in Bad Fallingbostel errichtet wurde. Sowohl die Marktanforderungen als auch die technologischen Entwicklungen haben sich in dieser Zeit sehr verändert. „Das Lagerverwaltungssystem des Fördertechniklieferanten war veraltet, wir mussten also handeln“, erklärt Thomas Deneke, IT-Manager bei DB Schenker am Standort Bad Fallingbostel. Der Kontraktlogistiker machte sich daher gemeinsam mit seinem Kunden auf die Suche nach einer neuen Lagerverwaltung. „Wir haben uns mehrere Software-Hersteller angesehen, uns aber schließlich wieder für GUS entschieden“, erzählt Deneke. „Zum einen hat uns deren Angebot technisch überzeugt, zum anderen arbeiten wir ja mit dem Anbieter, der Charisma nun durch das Nachfolgeprodukt Gus-OS Suite ablöst, seit vielen Jahren zusammen.“

Ein „etwas anderer“ Migrationsweg

Für die Einführung der Software setzte das Team – bestehend aus Mitarbeitern von DB Schenker, dem Lebensmittelkonzern und des ERP-Anbieters – nicht auf das klassische Projektmanagement inklusive Pflichtenheft nach dem V-Modell, sondern entschied sich für eine agile Vorgehensweise in Anlehnung an Scrum. Die agile Vorgehensweise beruht auf der Erfahrung, dass viele ERP-Projekte zu komplex sind, um sie in einen vollumfänglichen Plan abzubilden. Dazu gliederten die Verantwortlichen das Projekt in mehrere Teile, wobei für jedes Thema gemeinsam mit den Nutzern Einzelworkshops durchgeführt wurden. Dort hatten die Anwender die Möglichkeit, Vorschläge für Prozessanpassungen und zusätzliche Funktionalitäten zu unterbreiten.

DB Schenker und sein Kunde werteten die Ergebnisse aus den Workshops gemeinsam aus. Darauf basierend machten sich die IT-Spezialisten dann Modul für Modul an die Konfiguration, Parametrierung und zum Teil auch an die Programmierung sowie das Testen der neuen Software – immer in Abstimmung mit Auftraggebern und Anwendern. „Die agile Projektmethode hat den großen Vorteil, dass die Nutzer des Systems von Anfang an mit im Boot sind“, sagt Kor Straat, Niederlassungsleiter bei DB Schenker am Standort Bad Fallingbostel. „Dadurch gab es bei uns auch keinerlei Akzeptanzprobleme.“ Eine gute Vorbereitung trug dazu bei, dass der Go-Live innerhalb eines Wochenendes erfolgte und ohne Auswirkung auf die Kundenbelieferung blieb. „Wir haben es hier mit ‘Fast moving consumer goods‘ zu tun, die rund um die Uhr und auf den Punkt geliefert werden müssen. Verzögerungen oder längere Unterbrechungen können wir uns hier nicht leisten“, betont Straat.

Lagerdaten über WLAN direkt zum Kommissionierer

Zusätzlich zur Lagerverwaltung bildet DB Schenker heute auch die komplette Auftragsabwicklung, den Wareneingang aus dem Produktionswerk, die Kommissionierung und die Konfektionierung von Displays (Co-Packing), vollständig über das ERP-System ab. Sowohl Projektleitung als auch Nutzer sind zufrieden: „Unsere Sachbearbeiter können auch ohne IT-Kenntnisse alle relevanten Informationen für eine reibungslose Auftragsabwicklung aus dem System ziehen“, sagt Deneke. „Zudem loben die Nutzer das klare und übersichtliche Design der einzelnen Bildschirmansichten.“

Über Schnittstellen ist die integrierte Lagerverwaltung auch an das SAP-System des Lebensmittelkonzerns, eine EDI-Lösung, und weitere externe Anwendungen angebunden – neuerdings auch an eine Pick-by-Voice-Lösung: Statt über Kommissionierlisten am Bildschirm erfährt der Mitarbeiter im Lager heute mittels Sprache, welche Waren er auf welche Palette packen soll. „Das spart Zeit und verhindert Übertragungsfehler“, sagt Deneke. „Denn die Informationen kommen via WLAN direkt aus dem Lagerverwaltungssystem auf den Kopfhörer des Kommissionierers. Sie müssen also nicht mehr extra ausgelesen werden.“ Dennoch war es nicht ganz leicht, die Mitarbeiter von dem modernen System zu überzeugen. „Unsere Kollegen aus dem Lager sind zum Teil schon seit vielen Jahren bei uns und teilweise eher zurückhaltend, wenn es um neue Technologien geht“, sagt Deneke. „Inzwischen hat sich die anfängliche Skepsis aber gelegt.“

Insgesamt arbeiten bei DB Schenker heute rund 160 Mitarbeiter mit der ERP-Anwendung und den angeschlossenen Systemen im Lager. Die Pick-by-Voice-Lösung ist aktuell für 15 Mitarbeiter ausgelegt. Zwar ist das Projekt damit offiziell abgeschlossen, „doch zu tun gibt es immer etwas“, erklärt Deneke. „Da die Food-Branche äußerst schnelllebig ist, kommt es immer wieder zu Marktveränderungen, die wir im IT-System abbilden müssen. In solchen Fällen profitieren wir besonders von der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit den ERP-Kollegen.“

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