Personalmanagement

Fehlende IT-Bildung gefährdet Innovationsstandorte

Die Informations- und Kommunikationstechnologie (ITK) zählt zu den Schlüsselfaktoren des 21. Jahrhunderts. Sie entwickelt sich rasant und hat eine große Bedeutung für die Wirtschaft. Doch während die Digitalisierung die Arbeitswelt und Gesellschaft mehr und mehr verändert, hinkt die IT-Bildung hinterher. Die fatale Folge: Nachwuchskräfte fehlen.

Fehlende IT-Bildung gefährdet Innovationsstandorte

Ohne eine Reform im Bildungssystem ist der IT-Fachkräftemangel nicht zu stoppen.

Dass in den so genannten MINT-Berufen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) Arbeitskräfte fehlen, ist nicht neu. Das Ausmaß des Problems ist es jedoch schon. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) waren bis Ende April 2018 bundesweit rund 486.000 Stellen für Mathematiker, Informatiker, Naturwissenschaftler und Techniker unbesetzt. Das sind 13,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Insbesondere in der IT ist die Arbeitskräftelücke stark gewachsen. Allein in den vergangenen vier Jahren hat sich der Bedarf mehr als verdoppelt.

Gleichermaßen gibt es eine Studie vom Weltwirtschaftsforum zur Zukunft der Arbeit, laut der zwei Drittel der Grundschüler in einem Beruf arbeiten werden, den es noch gar nicht gibt. Durch Automatisierung werden Berufe wie Radiologe oder Bankberater weitgehend verschwinden. IT-Fachkräfte hingegen werden weiter gesucht werden. Die IT hat an nahezu jedem Arbeitsplatz Einzug gehalten, und die Anforderungen an IT-Fachkräfte steigen kontinuierlich. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt in einem Tempo und mit einer Dynamik, die nur mit Menschen zu bewältigen ist, die über die erforderliche Kompetenz verfügen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 09/2018. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

In digitale Bildung investieren

Doch schon heute fehlen Hunderttausende Informatiker. Ein Mangel, der das Wachstum ganzer Branchen hemmt und Deutschland, Österreich sowie die Schweiz als Innovationsstandorte in Bedrängnis bringt. Deshalb muss unbedingt mehr für die digitale Bildung junger Menschen getan werden. Sie entscheiden, wie es mit den Standorten Deutschland, Österreich und der Schweiz weitergeht.

Das Wichtigste wäre, das Bildungssystem schnell und effizient zu adaptieren, damit es künftigen Rahmenbedingungen gerecht wird. Das fängt schon bei der Ausstattung der Schulen an. Jede weiterführende Schule sollte über einen Glasfaseranschluss und modernes technisches Equipment in ausreichender Menge verfügen. Darüber hinaus muss ein entsprechender Lehrplan geschaffen werden.

Man bräuchte Themen wie Programmieren als verpflichtende Kurse in der Schule – wie eine zweite Fremdsprache. Medienkompetenz, kritischer Umgang mit Informationen und Daten, Sicherheit im Netz sowie das Wissen über Technik, Coding und Problemlösung – also alles, was das Thema „Digitalisierung“ betrifft, müsste aus dem Informatikunterricht herausgelöst und in sämtlichen Fächern integriert werden. Im Geschichtsunterricht ist es z.B. wichtig, über Kryptografie sowie die Auswirkungen maschineller Datenverarbeitung im Zweiten Weltkrieg zu sprechen. Nur so bekommt man überhaupt ein Bewusstsein dafür, was mit Daten angestellt werden kann. Schüler müssen lernen, wie komplexe Prozesse nur aus Nullen und Einsen bestehen, wie Nachrichten binnen Sekundenschnelle von A nach B gelangen und wie sich soziale Netzwerke unfassbare Datenmengen merken.

Kooperationsmodelle notwendig

Doch nicht jede Schule hat das Personal, um IT-Kurse anzubieten oder den Fokus in den Fächern stärker auf die Digitalisierung zu legen. Deshalb müssen Kooperationsmodelle zwischen Schulen, Unternehmen und Verbänden wie der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe e. V. (DSAG) entwickelt und Kurse etwa aus der Cloud für alle interessierten Schüler angeboten werden. Niemand mit Interesse an dem Thema darf an einem fehlenden Zugang zu Wissen scheitern.

Ein verbesserter Wissenstransfer wird nicht nur dazu führen, dass sich mehr junge Menschen für die IT interessieren. Er wird auch Studienabbrüche reduzieren. Denn oftmals sind fehlende Informationen oder falsche Erwartungen schuld daran, dass potentieller IT-Nachwuchs frühzeitig die Segel streicht, obwohl zukunftssichere, interessante und gut bezahlte Jobs winken. Unternehmen, die mit SAP arbeiten und dafür Nachwuchs gewinnen möchten, sollten daher z.B. dafür sorgen, dass die jungen Menschen wissen, was sie erwartet. Hier gilt es auch, ein Stück weit Vorurteile abzubauen. Auch SAP ist mittlerweile in die „angesagte“ App-Entwicklung eingestiegen: weg von den klassischen, meist langwierigen Entwicklungszyklen einer Lösung, hin zur agilen Entwicklung mit kurzen Schritten und schnell realisierbaren Erfolgen. Doch nur die wenigsten der kommenden IT-Spezialisten kennen diese Facetten.

Bildquelle: Thinkstock/iStock

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