Fit für die SEPA-Finalisierung

Finanzunternehmen: Bloß nicht verzetteln

Deutsche Kreditinstitute und Versicherungen stecken bei vielen Auflagen für den einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum (SEPA) noch immer am Anfang. Überraschenderweise zeigt man sich dennoch optimistisch, rechtzeitig zum Stichtag 1. Februar 2014 alles umgesetzt zu haben. Das belegt die dritte Studie der PPI AG zum „SEPA-Readiness-Index“.

Dr. Hubertus von Poser, PPI

*Der Autor, Dr. Hubertus von Poser, ist Studienleiter, Zahlungsverkehrsexperte und Partner beim Software- und Beratungshaus PPI AG.

Der SEPA-Readiness-Index fasst in einer Prozentreihe zusammen, wie weit Finanzunternehmen bei der SEPA-Einführung sind. Um das Ziel fristgerecht zu erreichen, sind gemäß der Untersuchung jedoch dringend gezielte Maßnahmen erforderlich. Denn deutsche Finanzunternehmen liegen bei der Umstellung auf den einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum weit hinter ihren selbst gesteckten Zeitplänen zurück. 80 Prozent der SEPA-Projektaktivitäten sollten eigentlich schon erfolgreich abgeschlossen sein. Die Assekuranzen sind jedoch 26 Prozentpunkte und die Banken 28 Prozentpunkte von diesem Etappenziel entfernt. Damit klafft die Schere zwischen Ist und Soll deutlich weiter auseinander als bei den beiden vorangegangenen PPI-Befragungen.

Zu diesen Ergebnissen kommt die dritte Studie „SEPA-Readiness-Index“. Die Umfrage wurde im April 2013 unter je 30 repräsentativ ausgewählten Kreditinstituten und Versicherungen durchgeführt. Die erste Befragung fand im August 2012 statt, die zweite im November 2012. In den Indexwert fließen der aktuelle sowie der auf Sicht von sechs Monaten erwartete Umsetzungsstand ein. Dabei wird nach fünf inhaltlichen Ebenen differenziert: Umstellung auf die internationale Kontonummer (IBAN) und Bankleitzahl (BIC), Überweisungsvorgänge, Lastschriftverfahren, Umstellung von DTA- auf XML-Format sowie Einführung einer Mandatsverwaltung.

Finanzunternehmen schätzen ihre SEPA-Readiness zu optimistisch ein

Wenn die verschiedenen Abteilungen der Finanzunternehmen sich intern einig wären, wie sie einzelne Auflagen handhaben wollen, wäre die SEPA-Umsetzung schon wesentlich weiter fortgeschritten. Doch wie die Studienergebnisse belegen, sieht die Realität anders aus: 20 Prozent der Banken und 40 Prozent der Versicherer sind immer noch nicht ausreichend auf die SEPA-Umstellung vorbereitet. Rund ein Viertel aller Kreditinstitute und zwei Fünftel der Assekuranzen kämpfen zudem immer noch mit Problemen bei der technischen Umsetzung.

Dennoch sind die Finanzunternehmen zuversichtlicher bei ihrer Zeitplanung als im vergangenen Jahr. So empfinden 67 Prozent der Banken den hohen Termindruck nicht mehr als Risiko. Bei der zweiten Befragung 2012 waren es nur 43 Prozent. Aktuell geht knapp die Hälfte der Befragten davon aus, bereits bis Ende November 2013 alle SEPA-Projektaktivitäten abgeschlossen zu haben. Diese optimistische Selbsteinschätzung der Banken bezweifeln zwei von drei der Assekuranzen jedoch, die zu den wichtigsten Firmenkunden der Geldhäuser zählen. Umgekehrt glauben 53 Prozent der Versicherer, dass sie selbst schon alle notwendigen Maßnahmen zur SEPA-Umstellung getroffen haben. Vier von zehn Banken stellen diese Einschätzung der Assekuranzen jedoch in Frage.

Gezielte SEPA-Soforthilfe beschleunigt die Prozesse

Übertriebener Optimismus ist laut PPI-Studie in der Tat nicht angebracht. Denn bei der Einführung des einheitlichen Zahlungsverkehrsraums wird es im Gegensatz zu neuen Compliance-Auflagen wie Solvency II oder Basel III keine Verschiebung des Starttermins geben. Der Stichtag 1. Februar 2014 steht fest. Was also können Finanzunternehmen tun, um noch rechtzeitig SEPA-ready zu werden?

Durch gezielte Maßnahmen und konsequentes Vorgehen lassen sich viele Aktivitäten beschleunigen. Hierzu bieten sich drei wesentliche Ansatzpunkte an: Projektvorgehen straffen, interne Vernetzung der Beteiligten verbessern und schnellstmöglich Maßnahmen im Bereich Software und Daten ergreifen. So ist es beispielsweise sehr empfehlenswert, sich zunächst auf die SEPA-EU-Verordnung, das deutsche Begleitgesetz und die Inkassovereinbarungen zu konzentrieren. Alle anderen Regelbücher und Spezifikationen sollten die zuständigen Abteilungen vorerst außer Acht lassen. Auch Prozessoptimierungen und Effizienzsteigerungen können später in Angriff genommen werden.

Da die SEPA-Vorschriften auslegungsfähig sind, empfiehlt sich zudem eine rasche Risikoabwägung bei den jeweiligen Vorgehensweisen. Hierfür sollten sich die relevanten IT- und Fachabteilungen sowie die Compliance- und Rechtsabteilung zusammensetzen und schnell entscheiden. Das Topmanagement ist gegebenenfalls zeitnah einzubinden.

Eine weitere Beschleunigungsmaßnahme ist die Aufstockung der Ressourcen. Laut den Studienergebnissen haben ein Drittel der Banken und knapp zwei Drittel der Assekuranzen zu wenig Personal mit explizitem SEPA-Know-how. Bei solchen Engpässen hilft Unterstützung von außen. Laut den Studienergebnissen beauftragen 40 Prozent der Finanzunternehmen bereits externes Personal. Allerdings holen sich bislang nur 20 Prozent der Banken und 17 Prozent der Versicherungen erfahrene Testexperten ins Haus.

Durch Standardsoftware lässt sich die SEPA-Einführung ebenfalls vorantreiben. Dennoch sollten immer wieder Tests eingeplant werden. Denn beispielsweise bei der Konvertierung von Kontonummer und Bankleitzahl in IBAN und BIC können sich auch mit Standardsoftware immer mal wieder Fehler einschleichen. Darüber hinaus empfiehlt sich eine frühzeitige Bereinigung der Kontodaten. Veraltete oder lückenhafte Angaben sollten dringend auf den neusten Stand gebracht werden, damit nur bereinigte Daten in die SEPA-Systeme übertragen werden.

Die Erfahrung aus anderen Großprojekten zeigt, dass Finanzunternehmen mehrere Maßnahmen parallel ergreifen müssen, um einen reibungslosen SEPA-Start gewährleisten zu können. Wer sich dabei zu sehr in Details verzettelt, wird nicht pünktlich fertig werden. Nur mit einem Bewusstsein für die Dringlichkeit, die Fokussierung auf das Wesentliche und zusätzlichem Engagement wird die SEPA-Finalisierung gelingen.

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