Robert Guzek, Fujitsu

Flexible Speicherinfrastruktur, hochkapazitive Datenträger

Interview mit Robert Guzek, Eternus Business Management Germany bei Fujitsu Technology Solutions

Robert Guzek, Fujitsu

Robert Guzek, Eternus Business Management Germany bei Fujitsu Technology Solutions

IT-DIRECTOR: Inwiefern haben aktuelle Technologien wie Virtualisierung und Cloud Computing den Markt für Speicherlösungen verändert?
R. Guzek: Die Speichervirtualisierung ermöglicht eine höhere Ausnutzung vorhandener Ressourcen. Mit Cloud Computing wird eine Flexibilisierung bei der Beschaffung und Bereitstellung von Speicher erreicht. Ein schnelles Zuschalten oder Anmieten zusätzlicher Kapazitäten ist somit einfach möglich. Die Cloud begünstigt auf diese Weise ein schnelles Reagieren auf wechselnde Anforderungen der Speicherlandschaft.

IT-DIRECTOR: Hinsichtlich sogenannter „Big Data“ gehen Experten in den nächsten Jahren von einem Datenwachstum bis in den Exa- und Zettabyte-Bereich aus. Welche Anforderungen stellt dieses Wachstum künftig an die Speicherinfrastruktur?
R. Guzek: Aufgrund des anhaltenden Datenwachstums (4,4 Yotabyte bis 2050; Quelle Horizon) werden hochkapazitive Datenträger benötigt. Treibende Kräfte liegen in unterschiedlichen Bereichen wie der Medizin mit der elektronischen Patientenakte, dem Internet (z.B. Video-, Musik Clips und Bildern) sowie gesetzlichen Regelungen zur Speicherung und Vorhalten von Daten. Zudem stehen wir am Anfang einer neuen Epoche, in der Clouds aus den Sensornetzwerken eine Flut von Daten verarbeiten müssen. Beispiele hierfür sind Temperatursensoren, Überwachungskameras, Rauchmelder, Infrarot-Sensoren oder auch Fingerabdruckscanner.

Die Speicherinfrastrukturen müssen daher zunehmend flexibler gestaltet sein und schneller auf sich wandelnde Anforderungen einstellen können. Funktionalitäten von Fujitsu wie „Data in Place“ – eine Skalierbarkeit der Kapazität und Performance vom Einstiegs- bis zum High-End-System – werden zunehmend erforderlich. Wichtig sind eine optimierte Benutzeroberfläche und Verwaltungssoftware. Diese müssen den steigenden Anforderungen an die Systeme standhalten und zusätzlich noch einfach bedienbar sein. Weiter sollten die Systeme gute Eigenschaften für einen Migrationspfad aufzeigen.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Speicherkonzepten können Unternehmen diese Datenflut am besten in den Griff bekommen?
R. Guzek: Ein wichtiges Konzept heißt Efficient Data Use: Dieses stellt die Betrachtung der Daten als Ganzes in den Vordergrund und basiert auf drei Schichten mit unterschiedlichen Funktionalitäten. Die erste Schicht stellt Efficient Data Use selbst dar, gefolgt von Online-Datenmanagement, Efficient Data Protection, hierarchisches Speichermanagement (HSM), Datenklassifizierung und Migration. In der dritten Schicht folgen Technologien wie virtualisierte Umgebung, Deduplikation, Tiered Storage und Provisioning.

Immer wichtiger wird auch eine Datenklassifizierung mit Speicherhierarchien. Technologien wie Deduplikation und Kompression können mittelfristig unterstützen, ein Hardwarewachstum zu begrenzen, können allerdings nicht das Datenwachstum eindämmen.

IT-DIRECTOR: Wie können IT-Verantwortliche – ohne große Neuinvestitionen zu tätigen – die Leistungsfähigkeit ihrer Speicherlandschaften steigern? Und wie können sie diese energieeffizienter gestalten?
R. Guzek: Erster Schritt ist eine Datenklassifizierung. Dadurch können viele Daten über Speicherhierarchien von der Platte auf Band verlagert werden. Die Bandspeicherung bietet gegenüber der Plattenspeicherung einige Vorteile. Zum einen ist dies vom Standpunkt der Energieeffizienz her attraktiv, denn Tape kann zu überaus großen Einsparungen bei den Energiekosten beitragen, wenn in der Vergleichsrechnung Strom und Klimakosten berücksichtigt werden. Bei Aufbewahrungsfristen bietet Tape erhebliche Vorteile. Neben der längeren Standzeit der Systeme (Faktor 2 bis 3) und der damit verbunden verbesserten Gesamtbetriebskosten, liegt die Lebensdauer der Daten bei Tape bei 30 Jahren gegenüber zehn Jahren bei Disk.

IT-DIRECTOR: Stichwort Langzeitarchivierung: Welche Speichermedien eignen sich am besten für eine sichere und Compliance-gerechte Langzeitarchivierung von Unternehmensdaten?
R. Guzek: Bei der Langzeitaufbewahrung gilt, dass die Daten für den entsprechenden Zeitraum gelesen und verarbeitet werden können. In der Regel wird die Hardware nach drei bis fünf Jahren ersetzt. Im gleichen Zeitraum erfolgt meist auch ein Wechsel der Software durch Updates, ein Versionswechsel oder Wechsel des Anbieters, wodurch die Daten inkompatibel werden können. Daher ist das Datenformat bei einer Langzeitarchivierung ein entscheidendes Kriterium. Zudem muss bereits bei der Anschaffung ein Migrationspfad auf zukünftige Technologien berücksichtigt werden. Systeme wie Eternus CS bieten diese Möglichkeiten heute schon an. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass die Lösung die Daten nach Ablauf der Aufbewahrungszeiten löscht. Hierbei sind sowohl kaufmännische als auch gesetzliche Anforderungen zu berücksichtigen. In der Regel eignen sich LTO-Bandmedien mit Worm-Funktionalität und T10000 für diese Aufgaben.

IT-DIRECTOR: Welche Langzeitspeichermedien werden in Zukunft eher zu den Auslaufmodellen gehören? Welche Gründe sind hierfür ausschlaggebend?
R. Guzek: Optische Speichermedien werden zunehmend rückläufig sein. Die Argumente hierfür liegen im Preis und der mangelnden Weiterentwicklung des Mediums.

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