Digitale Dividende II: Interview mit Dr. Wilhelm Eschweiler, Bundesnetzagentur

Fördermittel für den Netzausbau

Interview mit Dr. Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur, über eine technologieaffine Breitbandversorgung sowie das bald anstehende Vergabeverfahren für weitere Mobilfunkfrequenzen

Dr. Wilhelm Eschweiler, Bundesnetzagentur

Dr. Wilhelm Eschweiler, Vizepräsident der Bundesnetzagentur

IT-DIRECTOR: Herr Eschweiler, gemäß der Breitbandstrategie der Bundesregierung sollen flächendeckend allen Haushalten in Deutschland bis 2018 Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Wie ist der momentane Stand bei diesem bundesweiten Breitbandausbau?
W. Eschweiler:
Der Breitbandausbau in Deutschland schreitet weiter voran. Ende 2013 konnten bereits ca. 60 Prozent aller Haushalte über einen Breitbandanschluss mit Übertragungsraten von 50 Mbit/s und mehr verfügen. Allerdings zeigen sich deutlich Unterschiede zwischen dem städtischen und ländlichen Raum. Während in den Städten 80 Prozent der Haushalte auf Breitbandanschlüsse mit 50 Mbit/s und mehr zugreifen konnten, bestand im ländlichen Raum bei einer insgesamt geringeren Anzahl an Haushalten diese Möglichkeit lediglich für etwas mehr als 15 Prozent.

IT-DIRECTOR: Wie schätzen Sie aktuell die Rolle der Politik – sowohl auf Bundes- als auch auf Länderebene – hinsichtlich des Breitbandausbaus ein? An welchen Stellen läuft es gut? Wo besteht dringender Handlungsbedarf?
W. Eschweiler:
Die Bundesregierung hat sich mit der Breitbandstrategie ambitionierte Ziele gesetzt. Viel ist bereits erreicht worden. So besteht beispielsweise eine nahezu vollständige Abdeckung bei Breitbandanschlüssen mit mindestens 2 Mbit/s. Doch gerade bei den hoch-bit-ratigen Anschlüssen sind wir noch nicht da, wo wir gerne sein wollen. Vor allem im ländlichen Raum besteht ein großer Nachholbedarf. Bei den hierfür nötigen Ausbauinvestitionen sind die Telekommunikationsunternehmen aufgrund ungünstigerer Rahmenbedingungen häufig auf staatliche Förderung angewiesen. Beihilfen sind geeignet, im Rahmen der vorhandenen Mittel etwaige Deckungslücken beim privatwirtschaftlichen regionalen Breitbandausbau zu decken. Dabei sollten die Förderauflagen so gestaltet sein, dass Wettbewerbsverzerrungen vermieden werden, z.B. durch die Gewährung eines offenen Netzzugangs für Dritte.

In einem gemeinsamen Antrag haben die Regierungsparteien bekräftigt, dass eine flächendeckende Breitbandversorgung Voraussetzung für Teilhabe und eine gute wirtschaftliche Entwicklung ist. Sie wollen deshalb eine optimale Hebung von Synergieeffekten zur Kostensenkung beim Ausbau der Breitbandfestnetzinfrastruktur sowie eine konsequente und zeitnahe Nutzung der Potenziale von Funkfrequenzen für den Breitbandausbau erreichen. Darüber hinaus wird eine effiziente und stärkere finanzielle Förderung für unterversorgte Gebiete angestrebt.

IT-DIRECTOR: Welchen Stellenwert nehmen im Rahmen des Netzausbaus moderne Mobilfunktechnologien LTE sowie Voice over LTE ein?
W. Eschweiler:
Wir haben immer betont, dass ein flächendeckender Breitbandausbau nur mit einem Technologiemix möglich ist. Die gesetzten Ziele sind nicht mit einer Technologie erreichbar. Insbesondere im ländlichen Raum kann eine technologieoffene Breitbandversorgung dabei helfen, die digitale Spaltung zu überwinden. Deutschland hat als erster Staat in Europa die für LTE wichtigen 800-MHz-Frequenzen, die Digitale Dividende, vergeben. Die Netzbetreiber haben danach massiv in diese Netze investiert. Gerade diese Frequenzen haben einen wichtigen Beitrag dazu geleistet, bisher mit Breitband unterversorgte bzw. unversorgte Städte und Gemeinden zu versorgen. Deshalb wollen wir zusätzliche Frequenzen, die Digitale Dividende II, zur Verfügung stellen, um den Breitbandausbau weiter voranzutreiben. Das diesbezügliche Vergabeverfahren soll noch in diesem Jahr eröffnet werden.

IT-DIRECTOR: Aufgrund der aktuellen Trends hin zur mobilen Arbeitsweise, zum Internet of Things oder zur Industrie 4.0 werden Privathaushalte wie auch Unternehmen immer leistungsfähigere Netze benötigen, um die Daten schnell von A nach B zu senden. Inwieweit trägt die derzeitige Breitbandstrategie diesen Entwicklungen bereits Rechnung?
W. Eschweiler:
Für die deutsche Wirtschaft ist eine moderne digitale Infrastruktur ein wichtiger Standortfaktor. Auch die Privathaushalte benötigen immer schnellere Breitbandanschlüsse. Im Bereich der Anschlussnetze besteht hier noch ein großer Anpassungsbedarf. Diesem trägt die Bundesregierung mit der Breitbandstrategie und den darin gesetzten Zielen Rechnung. Im Bereich der Verteilnetze hat die Branche jedoch in den vergangenen Jahren große Anstrengungen unternommen, um mit den steigenden Datenverkehren mithalten zu können. Dies geschah zum einen durch Investitionen in moderne Infrastrukturen, zum anderen führen technische Entwicklungen dazu, dass Datenmengen kostengünstiger transportiert werden können.

IT-DIRECTOR: Wie lautet Ihre Einschätzung: Kann der geplante Netzausbau diese zukünftig exorbitante Datenlast locker stemmen? Oder werden die Infrastrukturen über kurz oder lang darunter zusammenbrechen?
W. Eschweiler:
Im vergangenen Jahr sind die Datenmengen sowohl im Festnetz als auch im Mobilfunk wieder deutlich angestiegen. Ein Ende des Trends ist nicht absehbar. Die stetigen Investitionen der Netzbetreiber und die technischen Innovationen bei den Netzkapazitäten werden auch in Zukunft sicherstellen, dass die Steigerungen aufgefangen werden können.

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