Karriere in einer Männerdomäne

Frauen im IT-Consulting

Wie finden sich Frauen in männerdominierten Berufsfeldern wie dem IT-Consulting zurecht? Welchen Herausforderungen sehen sie sich in der IT-Beratung gegenüber? Und wie lassen sich Familie und eine Karriere als Beraterin unter einen Hut bringen?

  • Frauen im IT-Consulting

    Wie finden sich Frauen in männerdominierten Berufsfeldern wie dem IT-Consulting zurecht?

  • Kristina Hamann, msg

    Im Interview: Kristina Hamann, IT-Consultant bei msg in München

Über diese und andere Themen rund um Frauen in der IT sprachen wir mit Kristina Hamann (30), IT-Consultant bei msg in München. Hamann ist 30 Jahre alt, hat zwei Kinder und einen berufstätigen Partner. Sie arbeitet als Beraterin bei dem IT-Dienstleister und gibt Einblick in ihre Karriere in der IT-Beratung.

IT-DIRECTOR: Frau Hamann, zunächst ein paar Worte zu Ihrer Person. Wie gestaltete sich Ihr Weg in die IT-Beratung? Was reizt Sie daran?
K. Hamann:
In der Oberstufe belegte ich die Leistungskurse Mathematik und Physik, am meisten Spaß bereitete mir aber der Informatikunterricht. Daher lag Informatik als Studienrichtung nahe. Den Weg ins Consulting wählte ich nach dem Bachelorstudium. Seit jeher interessiert mich weniger die reine Technik, sondern wie sie sinnvoll und hilfreich eingesetzt werden kann.

In einem studentischen Mini-Projekt zum Thema Enterprise Architecture Management konnte ich erste Erfahrungen im Consulting sammeln. Den endgültigen Einstieg fand ich mit meiner Masterarbeit, die ich bei dem Münchener IT-Dienstleister geschrieben habe. Als Berufseinsteigerin reizten mich von Anfang an die abwechslungsreichen Projekte. Durch sie konnte ich kurzer Zeit viel sehen und lernen.

IT-DIRECTOR: Dem Klischee nach ist die IT-Beratung eine Männerdomäne. Wie sehen Sie das?
K. Hamann:
Um den Vorurteilen gleich mal den Wind aus den Segeln zu nehmen: In meinem aktuellen Projekt ist der Projektleiter auf Kundenseite weiblich. Und drei meiner männlichen Kollegen haben Teilzeitverträge, um die Karriere ihrer Frau zu unterstützen und/oder für ihre Kinder da sein zu können. Die Geschlechterrollen sind also längst nicht mehr so eindeutig verteilt, wie dies vor ein paar Jahrzehnten vielleicht noch der Fall war.

Das Klischee von der IT-Beratung als Männerdomäne kann ich daher nicht bestätigen. In den letzten Jahren hat sich viel verändert. Nicht nur Frauen sind nun freier in ihren Entscheidungen, sondern auch Männer. Dennoch gibt es natürlich noch viel zu wenige Frauen in der Branche, auch im Consulting.

IT-DIRECTOR: Sie haben zwei Kinder. Ist es für Frauen schwerer, familiäre Verpflichtungen und den Arbeitsalltag im Consulting unter einen Hut zu bringen?
K. Hamann:
Kind oder Karriere – das war für mich nie eine Frage. Ich wollte schon immer beides. Und ja: Es erfordert Unterstützung und Kompromisse. Ich bin mit meiner Lösung zufrieden. Ein Arbeitstag weniger pro Woche, flexible Arbeitszeiten und Kommunikation auf Augenhöhe mit meinem Chef, egal ob es um Überstunden für den Projektabschluss oder um das kranke Kind geht.

Doch längst nicht überall in der Branche herrscht ein derart hohes Maß an Familienfreundlichkeit. Die Flexibilität meines Arbeitsgebers kam für mich geradezu überraschend. In meinem Bewerbungsgespräch wurde ich ganz einfach gefragt, wie viele Stunden ich gerne arbeiten möchte. Nicht, um mich auf die üblichen „40 Wochenstunden plus“ hinzuweisen, sondern um mit mir gemeinsam ein für beide Seiten stimmiges Konzept zu finden – inklusive Home-Office-Tag.

IT-DIRECTOR: Welche Fähigkeiten machen weibliche Consultants aus?
K. Hamann:
Im Prinzip die gleichen wie männliche Consultants. Es geht darum, die Situation des Kunden zu verstehen, zu analysieren und ihn bestmöglich zu beraten. Klassisch wird Frauen oft unterstellt, weniger analytisch und dafür empathischer zu sein, sich also besser in den Kunden hineindenken zu können. Vorurteile dieser Art kann ich nicht bestätigen. Meiner Erfahrung nach hat jeder Mensch sein persönliches Stärkenprofil – unabhängig vom Geschlecht. Die Herausforderung im Consulting besteht darin, ein Team zusammenzustellen, in dem alle benötigten Skills vorhanden sind.

IT-DIRECTOR: Braucht die Branche mehr Frauen? Wie ließe sich das bewerkstelligen?
K. Hamann:
Frauen werden in der IT auf jeden Fall benötigt. Der Anteil weiblicher CIOs stagniert seit 2004 bei 13 Prozent, wie Gartner berichtet. Der Branchenverband Bitkom schätzt den Anteil von Frauen in IT-Berufen in Deutschland auf gerade mal 15 Prozent. Viel zu wenig, um künftige Quotenziele zu erreichen. Und in Zukunft dürfte es kaum besser werden: Derzeit beträgt der Frauenanteil in Informatikstudiengängen nur 23 Prozent. Ich denke, dass bereits viel getan wird, um den Anteil von Frauen zu heben – aber man sollte bedenken, dass die Motivation vom Individuum kommen muss. Nur wer intrinsisch motiviert ist und von sich aus vorankommen will, kann in einem solchen Umfeld erfolgreich sein.

IT-DIRECTOR: Rein statistisch betrachtet kommt Frauen also eine Außenseiterrolle zu. Ist man als weiblicher Consultant häufig mit Diskriminierung konfrontiert, beispielsweise im Umgang mit Kunden?
K. Hamann:
Meiner Erfahrung nach ist das nicht der Fall. In meiner bisherigen Laufbahn hatte ich diesbezüglich keine Probleme – weder mit männlichen Chefs noch mit Kunden. In meinen Projekten entstand nie das Gefühl, mein Geschlecht sei ein Thema oder meine Fachkompetenz würde angezweifelt.

IT-DIRECTOR: Zum Abschluss: Haben sie einen Ratschlag für Frauen, die sich für diesen Beruf interessieren?
K. Hamann:
Prinzipiell gilt: Wer motiviert ist und gute Arbeit macht, der wird im Consulting vorankommen – und zwar unabhängig vom Geschlecht. Vom geringen Frauenanteil sollte man sich deshalb nicht abschrecken lassen, sondern ihn eher als Herausforderung begreifen.

Bildquellen: Thinkstock/Moodboard, msg

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