Meinung: Große Koalition

Frauenquote in Aufsichtsräten

Gab es Ende 2014 für die Große Koalition keine drängenderen Fragen zu lösen als die Frauenquote in Aufsichtsräten?

Frauen, Bildquelle: Thinkstock/Digital Vision

Sie rückte noch spät im Jahr in den Blickpunkt: die Quotenfrau.

Fast in jedem Jahr bringt sie die Politik aufs Tapet, zumeist während des Sommerlochs, wenn im Bundestag gähnende Leere herrscht und sich das politische Geschehen eher in malerischen Urlaubsorten an der Nordsee oder am Mittelmeer abspielt. Doch diesmal rückte sie im vergangenen Jahr noch spät in den Blickpunkt des Geschehens. Die Rede ist von der Quotenfrau. Diesbezüglich hatte die Große Koalition im November folgende Regelung beschlossen: Künftig sollen per Gesetz 30 Prozent der Aufsichtsratspositionen in 108 börsennotierten deutschen Unternehmen mit Frauen besetzt werden. Hat man auf Anhieb nicht ausreichend weibliche Führungskräfte zur Hand, bleiben die Stellen einfach vakant.

Vor diesem Hintergrund stellt sich zunächst einmal die Frage, in welcher Gesellschaft und in welcher Zeit wir eigentlich leben, wenn per Gesetz die geschlechterspezifische Zusammensetzung hiesiger Aufsichtsräte erzwungen werden muss. Als ob es keine drängenderen und wichtigeren Themen gebe – beispielsweise Datenklau und Wirtschaftsspionage, der Schutz von Privatsphäre oder die unheilvolle Freihandelsabkommen TTIP und Ceta.

Und Hand aufs Herz: Nichts gegen die Kollegen in den Aufsichtsräten, aber welche wichtige Rolle spielen diese eigentlich im Tagesgeschäft von Unternehmen? Vielmehr handelt es sich um ein Kontrollgremium, das vom operativen Geschehen oftmals meilenweit entfernt ist. Zudem finden sich in solchen Ämtern eher alternde Honoratioren oder Mitglieder des altbekannten „Klüngels“. Will man sich als Frau allein um der Quote willen in diesen Kreisen sehen? Wohl eher nicht, denn die Positionen sowohl in der freien Wirtschaft als auch in öffentlichen Verwaltungen sollten stets nach dem Leistungsprinzip besetzt werden. Die- oder derjenige mit entsprechendem Know-how sowie der notwendigen sozialen Kompetenz sollte auf eine Führungsposition hin besetzt werden.

Allem blinden Aktivismus der Bundesregierung zum Trotz gibt es in der IT-Industrie bereits genug Beweise dafür, dass es auch ohne Quote funktionieren kann. So haben Dell und IBM seit Jahren Deutschland-Chefinnen. In der hiesigen Geschäftsführung von Microsoft tummeln sich gleich vier Kolleginnen und auch bei kleineren Anbietern stößt man auf Frauen in Spitzenpositionen. So sitzen bei dem Sicherheitsspezialist Radware ebenso Frauen in der Firmenleitung wie beim Münchener Softwarehaus Autotask.

Auch in unserem Redaktionsteam arbeiten drei Kolleginnen. Besuchen wir einschlägige IT-Veranstaltungen, befinden wir uns selten allein unter Männern. Denn IT- oder Technikjournalistinnen gibt es mittlerweile genug und auch unter den PR- und Marketingverantwortlichen der IT-Anbieter tummeln sich zahlreiche Frauen. Eine Einschränkung bemerken wir jedoch sehr wohl: Weibliche CIOs sind hierzulande (noch) eher selten, sodass der IT-Kurs von vielen Unternehmen in Männerhänden liegt. Doch wir sind guter Dinge, in Zukunft auch die eine oder andere IT-Verantwortliche befragen zu dürfen – und dies am besten ohne vorheriges Dekret.

Bildquelle: Thinkstock/Digital Vision

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