Digitaler Rückstand

Fünf Bücher, die Sie lesen sollten

Die Welt der digitalen Wirtschaft in fünf analogen Büchern über das Silicon Valley, Innovation, die digitale Transformation und den Aufbau eines Startups.

Die Digitalwirtschaft bricht an vielen Stellen mit altgewohnten Traditionen. Befehl und Gehorsam, Ordnung und Kontrolle, „Das haben wir immer schon so gemacht“, „Das entscheidet der Chef selbst“ - besonders weit kommen wir mit solchen Vorstellungen in Zukunft nicht mehr.

Doch was ist Digitalwirtschaft? Wie funktioniert sie? Wie können wir ein Unternehmen digital erneuern? Wie können wir ein digitales Unternehmen aufbauen? Wer fundierte Antworten auf diese Fragen möchte, sollte die folgenden fünf Bücher aufmerksam durchlesen.

Der journalistische Überblick

Coworking Spaces, Crowdsourcing, Sharing Economy, Design Thinking, Customer Experience, Makers - die Welt der Startups scheint vollgestopft zu sein mit englischen Modephrasen, die in der Altwirtschaft immer noch für Verwirrung sorgen. Dieses Buch ist eine Art Crashkurs gegen die Konfusion.

Es ist der zurzeit beste Überblick über das Thema, der auch für Leute ohne technischen oder kaufmännischen Hintergrund gut verständlich ist. Es ist voll mit praktischen Beispielen und Geschichten aus der Startup-Szene. Traditionelle Unternehmen, aber auch potentielle Gründer finden hier eine Riesenmenge an Ratschlägen und vor allen Dingen an weiterführender Literatur.

New Business Order. Wie Start-ups Wirtschaft und Gesellschaft verändern, von Christoph Giesa und Lena Schiller Clausen, Hanser

Die Manager-Perspektive
Das war tatsächlich eine Überraschung für alle Skeptiker: Christoph Keese, Executive Vice President bei Axel Springer SE, hat eines der interessantesten und besten (deutschsprachigen) Bücher über das Silicon Valley geschrieben.

Er nutzt für sein Buch das Privileg, für ein halbes Jahr lang in Palo Alto leben und auf Augenhöhe mit den CEOs von Apple bis Oracle sprechen zu können. Keese wirft einen ungeschminkten Blick auf den Hotspot der Digitalisierung und arbeitet deutlich heraus, dass der deutsche digitale Rückstand (DDR) ungefähr dem zwischen einem Trabant und einer S-Klasse entspricht.

Aus diesem Buch spricht eine große, mit Angst grundierte Faszination. Keese verlässt nur selten die Perspektive eines deutschen Medienmanagers, der um sein Geschäftsmodell fürchtet. Trotzdem (oder gerade deshalb) ist es Pflichtlektüre für alle Unternehmer, die vom digitalen Umbruch betroffen sind - also ausnahmslos alle.

Silicon Valley. Was aus dem mächtigsten Tal der Welt auf uns zukommt, von Christoph Keese, Knaus

Die digitalen Transformer
Der Begriff „Digitale Transformation“ hat wegen des großen Engagements von Karl-Heinz Land eine gewisse Konjunktur in der deutschen Unternehmenslandschaft. Das ist immerhin ein erster Schritt zu einem Ziel, dass in diesem Buch bestehenden Unternehmen empfohlen wird: Die Digitalisierung der bisherigen Geschäftsmodelle.

Der Band ist ein eher wissenschaftlicher Ratgeber zu vielen Aspekten der digitalen Transformation. Einige Stichworte sind: Social Media, Social Graph, Vertrauen, Mundpropaganda, neue Organisationsformen. In zahlreichen, wie für ein Lehrbuch aufgebauten Kapiteln, gibt es einen Überblick über Social Media für Unternehmen.

Land und Kreuzer heben deutlich hervor, dass soziale Medien für Unternehmen nicht nur Chancen, sondern auch Risiken haben. Die größte Gefahr ist aber der Digitalisierung fernzubleiben. Sie wird viele bisherige Geschäftsmodelle und damit auch Unternehmen obsolet machen.

Digitaler Darwinismus. Der stille Angriff auf Ihr Geschäftsmodell und Ihre Marke, von Ralf T. Kreutzer und Karl-Heinz Land, Gabler

Der Freund des Neuen
Der Ex-Mathematikprofessor und Ex-IBM-Manager Gunter Dueck arbeitet sich bereits seit Jahren in immer neuen Büchern an der herkömmlichen Management-Kultur ab, die auf Hierarchie, Formalismus und Kontrolle beruht. Dieses Buch berichtet über seine persönlichen Erfahrungen mit dem Verhinderungsdenken in großen Konzernen.

Es bietet praxisorientierte Ratschläge für alle, die trotzdem so stur sind, ihre Ideen durchsetzen zu wollen. Denn aus leidvoller Erfahrung weiß Dueck: Die Innovationsbremsen und Bedenkenträger sind nicht zu überzeugen. Ein Innovator kann sie nur geschickt umgehen.

Das Neue und seine Feinde. Wie Ideen verhindert werden und wie sie sich trotzdem durchsetzen, von Gunter Dueck, Campus

Die Anleitung zum Gründen
„Minimum Viable Product“, „Build, Measure, Learn“ - die beiden Mantras des Lean-Startup-Prinzips können viele auswendig aufsagen. Doch das hilft wenig beim Aufbau eines Unternehmens. Eric Ries, der Erfinder dieses Konzepts, ist ein großer Freund des systematischen Vorgehens bei der Gründung.

Letztlich handelt sich um ein Konzept, bei dem eine Hypothese („Diese Minimallösung reicht den Kunden aus“) getestet wird und anhand der Ergebnisse das Produkt dann weiterentwickelt und optimiert wird. Wer es jenseits von Schlagworten genau wissen will, sollte dieses Buch lesen.

Noch eine Randbemerkung: Der deutsche Untertitel, besonders der Begriff „risikolos“, ist wohl ein Reflex auf deutsche Besonderheiten. Im Original heißt es richtiger: “How Today’s Entrepreneurs Use Continuous Innovation to Create Radically Successful Businesses”.

Lean Startup. Schnell, risikolos und erfolgreich Unternehmen gründen, von Eric Ries, Redline

Bildquelle: Lupo / pixelio.de

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok