Industrial-IoT-Plattformen

Gähnende Leere im magischen Quadrat

Gartner hat seinen ersten Magic Quadrant für das Industrial IoT herausgebracht - aber 98 Prozent der Plattform-Anbieter finden sich nicht darin.

Internet der Dinge

Ist das Internet der Dinge noch ein Nischenmarkt?

Der Markt für IoT-Plattformen, vor allem für Business-Kunden aus der Industrie, gilt als übergelaufen und unübersichtlich. Wie viele Anbieter es gibt, ist nur schwer zu ermitteln. Die Analysten von IoT Analytics beispielsweise haben insgesamt mehr als 450 Anbieter ermittelt, von denen etwa 32 Prozent industrielle Anwendungsbereiche berücksichtigen. Das bedeutet also, dass es 2017 ungefähr 140 Anbieter für das Industrial IoT gab.

Eine etwas strengere Auswahl hat ISG Research getroffen, hier lag der deutsche Markt im Fokus. 74 Anbieter haben es in die Auswahl der Analysten geschafft. Bei Gartner reduziert sich das Feld der Plattformen für Industrial IoT noch stärker: Lediglich elf Unternehmen haben es in den brandneuen "Magic Quadrant for Industrial IoT Platforms" geschafft. Ausgehend von der Ausgangszahl finden sich also lediglich gut zwei Prozent aller Anbieter im magischen Quadrat von Gartner.

Das ist ungewöhnlich wenig, der Magic Quadrant glänzt durch gähnende Leere: Die Sektoren für Marktführer und Herausforderer sind leer, die Anbieter PTC, SAP und Hitachi werden als Visionäre eingeordnet und der Rest findet sich im Abschnitt der Nischenanbieter. Ein Grund für diese ungewöhnlich niedrige Anzahl an Anbietern im Gartner-Quadrat sind die Auswahlkriterien. Ein wichtiges Kickout-Kriterium ist wohl die Möglichkeit gewesen, die Plattform im eigenen Rechenzentrum zu installieren und nicht lediglich in der Public Cloud zu benutzen.

Die Cloud eignen sich gut für erste Gehversuche

Ist das heutzutage wirklich ein Kriterium? Denn gerade IoT-Anwendungen sind prädestiniert für die Cloud. Im Prinzip bestehen sie aus IoT-Geräten, die Daten mithilfe von Sensoren ermitteln und via Mobilfunk oder WLAN ins Internet übertragen. Dort landen sie in einer Cloud-Anwendung, die sie aufbereitet und für weitere Analysen zur Verfügung stellt. Der Einstieg ins IoT ist mit der Cloud besonders einfach, die Unternehmen können sich auf Sensorik und Datenanalysen konzentrieren.

Denn ein weiterer Vorteil der Public Cloud sind der kinderleichte Betrieb der Plattform und die "Connectivity": Cloud-Rechenzentren wie beispielsweise diejenigen der bekannten Marktführer besitzen exzellente Internet-Anbindungen und sind mit allen Schikanen in Sachen Loadbalancing und Abwehr von DDOS-Attacken ausgerüstet. Kurz: In der Cloud gibt es hochwertige und professionell gemanagte Infrastruktur ohne hohe Investitionskosten.

Soweit die Theorie. In der Praxis hat sich jedoch erwiesen, dass Gartner mit seinem strengen On-Premise-Kriterium nicht falsch liegt. Wenn es ernst wird mit dem Industrial IoT, sind immer geschäftskritische oder sonst wie heikle Daten (Stichwort DSGVO) im Spiel, sodass viele Unternehmen eine Lösung in der Private Cloud bevorzugen. Darüber hinaus sind Public-Cloud-Plattformen natürlich "Stangenware", spezielle Anpassungen sind meist nur schwer umzusetzen.

All dies spricht für den Einsatz einer lokalen Installation, die im Idealfall auch weitgehend konfigurierbar und durch Individualprogrammierung anpassbar ist. Im Sinne von Gartner ist die ideale IoT-Plattform-Lösung also sowohl in der Public Cloud als auch in der Private Cloud oder als herkömmliche Installation im eigenen Rechenzentrum verfügbar. Das stimmt nicht unbedingt mit der Marktstrategie bekannter Anbieter wie Siemens, Bosch oder Axoom überein, die ihre Plattformen jeweils bei den großen Cloudservices von Google, Amazon oder Microsoft anbieten.

Bildquelle: Thinkstock

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