Datenschutz in der Big-Data-Branche

Gefährliche Analysen

Um ein Thema kommt aktuell niemand aus der Big-Data-Branche herum: den Datenschutz. Längst ist Big Data in den Feuilletons deutscher Zeitungen ­angekommen und wird dort überwiegend negativ, als gefährliche Durchleuchtung der Menschen, präsentiert.

Mark Zimmermann, Infomotion

Mark Zimmermann, Geschäfts­führer der Infomotion GmbH: „Neben der ­Nutzendiskussion zu Big ­Data wird die Technologie in ­diesem Jahr auch unter dem Gesichtspunkt des Datenschutzes kritisch diskutiert."

„Welche Daten sind privater Natur und welche nicht? Welche Daten dürfen verarbeitet werden? Welche Gültigkeit haben gewonnene Erkenntnisse und welche Konsequenzen dürfen daraus gezogen werden?“, fasst Andreas Lenz, DV-Ratio SMC, die Fragen der gesellschaftlichen Diskussion zusammen. Er erwartet, dass sich an dieser Stelle künftig auch der Gesetzgeber verstärkt einmischen und einen regulatorischen Rahmen definieren wird. Das Problem aber ist global. Die bereits bestehenden Regelungen zum Datenschutz berücksichtigen nicht die zur Verfügung stehenden Technologien und sind lediglich nationaler Natur. „Im Internet, wo ein Großteil der Daten nun einmal erhoben wird, kommt man mit einer nationalen Gesetzgebung für gewöhnlich nicht besonders weit“, so Lenz weiter.

Natürlich gibt es Funktionen, den Big-Data-Endanwender in seinen Möglichkeiten zu beschränken. Wolfgang Kobek, Qliktech, verweist auf vorhandene Möglichkeiten: „Was Datenschutz und Datensicherheit angeht: Hier lässt sich bei Self-Service-Analyse-Lösungen alles Wesentliche zen-tral verwalten. Nicht jeder Mitarbeiter hat Zugang zu allen Daten und kann diese verändern – über Rechtemanagement kann die IT das zentral steuern.“ Allein aus Unternehmensräson sollten diese Funktionen eine Selbstverständlichkeit sein. Marcus Dill von Mayato erwartet, dass Infrastruktur und Tools künftig noch mehr dieser eingebauten Mechanismen mit sich bringen werden und müssen. „Nur auf das Wissen und Bewusstsein von Mitarbeitern zu setzen, wird angesichts der Komplexität des Umfelds nicht ausreichen.“

Aber in der gesellschaftlichen Diskussion geht es weniger um den einzelnen Schreibtischtäter, der seine Befugnisse überschreitet. Ben Conners von Jaspersoft erinnert: „Wie die Debatte um die NSA-Affäre gezeigt hat, sind die Versuchungen, an Datensätze zu gelangen, für Unternehmen oder Regierungen sehr groß. Wir müssen uns also klarmachen, dass unsere Daten in Zukunft einem größeren Risiko des Missbrauchs ausgesetzt sein werden.“

Die IT-Branche sollte den gesellschaftlichen Diskurs aktiv mitgestalten und sich die Bedenken außerhalb der eigenen Branche anhören. Es geht um ein altes Dilemma der Wissenschaft und Ingenieurskunst: Wozu werden meine technischen Errungenschaften (von wem auch immer) eingesetzt? Genauso wie ein Atomphysiker sich mit den Möglichkeit auseinandersetzen muss, dass seine Forschung zu einer menschheitsvernichtenden Waffe führt, sollte dies auch der IT-Fachmann hinsichtlich seiner Big-Data-Werkzeuge tun: Informationen sind schließlich die Waffen des 21. Jahrhunderts.

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