IoT: Die Chancen ergreifen

Gewinner im Internet der Dinge

Die Firmen, die heute schon die Chancen des Internets der Dinge (Internet of Things, IoT) erkennen, werden die Gewinner von morgen sein, glaubt Martin Tantow, General Manager EMEA bei Kii.

Martin Tantow, Kii

Martin Tantow, General Manager EMEA bei Kii

IT-DIRECTOR: Herr Tantow, worin liegen Ihrer Ansicht nach die Chancen und Risiken des Internets der Dinge?
M. Tantow:
Glaubt man den Research-Instituten, werden bis zum Jahr 2020 bis zu 50 Milliarden Geräte untereinander vernetzt sein – die meisten dieser Geräte werden dabei mit einer IoT-Plattform verbunden sein. Das ist eine große Chance für uns als Hersteller einfach zu verwaltender IoT-Plattformen. Damit öffentliche Verwaltungen, Regierungen und Unternehmen bis dahin auch ausgebildete IoT-Experten in ihren Reihen haben, unterstützen unsere Experten schon jetzt sämtliche Branchen mit IoT-Ausbildungsprogrammen.

IT-DIRECTOR: Wie lange wird es dauern, bis sich das Internet der Dinge hierzulande flächendeckend durchgesetzt hat? Was sind die Hemmnisse und was die Treiber für diese Entwicklung?
M. Tantow:
Heute steht das Internet der Dinge ungefähr dort, wo das Internet Mitte der 1990er Jahre stand, als Firmen erkannten, dass sie eine Firmenwebseite benötigen. Die rasante Entwicklung des Internets ist bekannt und auch für das Internet der Dinge wird noch einiges kommen, an das wir heute noch nicht denken. Haupthemmnis hierzulande scheint die Investitionsbereitschaft der Unternehmen zu sein, aber meiner Meinung nach werden die Firmen, die heute schon die Chance des IoT erkennen, die Gewinner von morgen sein.

IT-DIRECTOR: Können Sie uns bitte kurz ein erfolgreiches IoT-Projekt eines deutschen Unternehmens umreißen?
M. Tantow:
Die Audi AG nutzt in der Automobilproduktion ein sogenanntes Ressourcen-Cockpit, das für die Instandhaltung und Fernwartung der Produkte und Produktionsressourcen alle relevanten Datenströme zusammenführt und dem mobilen Audi-Mitarbeiter zur Verfügung stellt. Das Ressourcen-Cockpit erstellt automatisiert und dynamisch eine Übersicht der anstehenden Aufgaben, notwendigen und freien Ressourcen sowie sämtlicher Maschinenzustände und Termine u.v.m. Eine derartige Transparenz aller Prozesse und Statusinformationen im Produktionsumfeld ist nur durch moderne IoT-Konzepte zu ermöglichen.

IT-DIRECTOR: Inwiefern müssen sich heutige öffentliche Netze (Internet) und Unternehmensnetze verändern, um die schnelle Übertragung millionenfacher IoT-Daten zu gewährleisten?
M. Tantow:
Die benötigte Connectivity kann heute über verschiedene Technologien wie Bluetooth Low Energy (BLE), Lora oder Sigfox sichergestellt werden – aber natürlich auch über das bekannte GSM-Netz. Hier ist vor allem 5G interessant, weil es die wichtigsten Herausforderungen des IoT bewältigt. Dazu zählt die massive Anzahl von verbundenen Geräten innerhalb eines bestimmten Radius, im Falle von 5G sind es bis zu eine Million Verbindungen pro Quadratkilometer. Zudem punktet 5G mit einer geringen Latenzzeit von 50 ms und einem zehn Mal größeren Datenvolumen als in 3G-Netzen.

IT-DIRECTOR: Was kommt damit auf die Netzbetreiber zu? Mit welchen neuartigen Betreibermodellen können klassische Telkos und Provider im IoT-Umfeld punkten?
M. Tantow:
Netzbetreiber müssen Technologien weiterentwickeln, auch weil neue, konkurrierende Technologien hinzukommen wie z.B. Sigfox. Wenn die Netzbetreiber nicht wieder zur Bitpipe degradiert werden wollen, müssen sie an zusätzlichen Geschäftsmodellen arbeiten und z.B. flexiblere Servicemodelle mit modularen Buchungspaketen für Kunden anbieten.

IT-DIRECTOR: Stichwort Netzneutralität: Wer bestimmt, welche Daten priorisiert übertragen werden: Die einer per ärztlicher Live-Schaltung durchgeführten Herz-OP eines Kindes oder eine Warnmeldung für den 70-jährigen Insassen eines autonomen Fahrzeugs?
M. Tantow:
Das ist ein Thema, mit dem sich die Politik befassen muss. Wir bei Kii unterstützen die Netzneutralität mit Nachdruck.

IT-DIRECTOR: Wem gehören eigentlich die Daten im Internet der Dinge – Nutzern, Geräteherstellern oder Dienste-Anbietern? Warum ist das so?
M. Tantow:
Die Datenverarbeitung- bzw. weiterverarbeitung ist eine rein vertragliche Frage und sollte Gegenstand jedes Vertrages zwischen Nutzern, Geräteherstellern und Service Providern ein.

IT-DIRECTOR: Im Zusammenhang mit der reinen Maschinenkommunikation und der Verarbeitung der Daten „vor Ort“ fällt häufig der Begriff „Edge Computing“. Was ist damit gemeint?
M. Tantow:
Edge Computing wird dann relevant, wenn Rechenoperationen einer IoT-Lösung möglichst in Echtzeit durchgeführt werden müssen. Dies lässt sich am Beispiel Connected Car verdeutlichen: Wenn sich das intelligente Auto im Falle eines bevorstehenden Unfalls erst in der Cloud Anweisungen einholen müsste, ob es bremsen oder ausweichen soll, wäre die herkömmliche Latenzzeit viel zu hoch, um pünktlich zu reagieren. Daher müssen die Rechenleistung, Daten und Funktionen in hochperformanten IoT-Anwendungsfeldern möglichst nahe am Benutzer, Sensor oder der Maschine angesiedelt sein.

IT-DIRECTOR: Wie lassen sich IoT-Daten in die entsprechenden Software-Systeme (Big-Data-Analyse-, CRM- oder Produktionsplanungssystem) verteilen und anschließend verarbeiten?
M. Tantow:
Die Interoperabilität zwischen Plattformen und Systemen ist hier entscheidend, weil natürlich diese Daten entsprechend in verschiedenen Systemen weiterverarbeitet werden sollen. Die Flexibilität der IoT-Lösung, insbesondere der Plattform, ist hierbei ebenso wichtig, wie auch auf entsprechende einheitliche IoT-Kommunikationsstandards zu setzen.

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok