Open-Source-Software im Einsatz

Grenzenlos frei?

Open-Source-Software (OSS) wird heutzutage in fast allen Sparten der Software-Entwicklung eingesetzt. Oft fehlen im Unternehmen aber die erforderlichen juristischen Kenntnisse für die Verwendung von OSS für eigene Zwecke und für Kundenprodukte.

Vogelflug, Bildquelle: © Maren Beßler/pixelio.de

Von der Bundesregierung wird der Einsatz von Open-Source-Lösungen seit dem Jahr 2001 befürwortet. Aus dieser grundlegenden Entscheidung entstanden Projekte zur Einführung von Linux und Open Office in Behörden und Regierungsinstitutionen. Auch das Internet wäre ohne Open-Source-Produkte nicht denkbar, denn bis zu 80 Prozent der eingesetzten Technologien basieren auf Open Source. Für die Anwender stehen Kostengründe sowie Einsatz- und Anpassungsmöglichkeiten im Vordergrund.

Der Grundgedanke von OSS ist, dass jeder den öffentlich einsehbaren Code benutzen, modifizieren und weiterverarbeiten darf, denn Software sollte nach Auffassung der Open-Source-Anhängerschaft frei zugänglich sein. Zudem bietet die freie Software den Vorteil, dass sie kostenfrei ist und von ihrer großen Anhängerschaft unterstützt wird. Die Qualität der Entwickler sowie der Beitrag von Unternehmen wie IBM, Yahoo, Google, Redhat oder Microsoft wirken sich positiv auf Qualität und Reifegrad der Software-Produkte aus. Software-Fehler werden schnell erkannt und beseitigt. Doch Vorsicht: Obwohl die Software anonym und kostenlos aus dem Internet herunter geladen werden kann, ohne dass Lizenzkosten erhoben werden, unterliegt die Nutzung und Verarbeitung von OS-Produkten gewissen Regeln, die das Urheberrecht am Quellcode schützen.

Dem Wunsch nach einer offenen und für alle frei zugänglichen Software folgend, bildeten sich auch neue Software-Entwicklungsmodelle. Bei der klassischen Software-Entwicklung arbeitet eine definierte Zahl von Entwicklern in einem geschlossenen Raum an einer Software, bis diese marktreif ist. Erst dann öffnen sich die Pforten der Kathedrale, und das Software-Produkt wird veröffentlicht. Im Bereich der Open-Source-Software geht es zu wie auf einem „Basar“. Der Entwicklungsprozess ist von Beginn an transparent, und der Ablauf der Software-Entwicklung reguliert sich eigenständig, da viele Entwickler beteiligt sind, die Verbesserungspotentiale entdecken und Korrekturen vornehmen.

Hüter der Lizenzen

Die Organisationen, unter deren Dach Open-Source-Software entsteht, sind die Hüter der Lizenzen. Die beiden wichtigsten Organisationen sind die Free Software Foundation (FSF), deren typische Lizenz die GNU General Public Licence (GPL) ist, und die Open Source Initiative (OSI). Open-Source-Lizenzen sind die „Allgemeinen Geschäftsbedingungen“ der Software und regeln im Wesentlichen die Urheberrechte und Nutzungsarten des jeweiligen Software-Produktes wie auch die Modifikations- und Verbreitungsrechte des Programmcodes durch den Nutzer. Es gibt über 200 unterschiedliche OS-Lizenzen. Bedeutende Lizenzen sind beispielsweise die GNU General Public License (GPL), GNU Lesser General Public License (LGPL), Apache License, BSD-Lizenz und Mozilla Public License (MPL).

Das Copyleft regelt, als Wortspiel zum Copyright, die urheberrechtliche Nutzung von Open-Source-Produkten. Im Prinzip sollen freie Inhalte wiederum frei sein, das heißt auf Basis von Open-Source-Software entstehende Software-Lösungen werden wiederum unter OS-Lizenz gestellt. Das bedeutet, dass kein proprietäres, also Lizenzkosten umfassendes Software-Produkt, auf Basis eines Open-Source-Produktes kommerziell verwertet werden kann. Beim Copyleft wird zwischen starkem, schwachem und keinem Copyleft unterschieden. Ein Beispiel für ein starkes Copyleft ist die GPL: Verwendet man eine Code-Komponente der GPL, müssen alle daraus entstehenden Ergebnisse auch unter der GPL-Lizenz veröffentlicht werden. Als Kontrast dazu steht die BSD-Lizenz, die eine freie Verwendung erlaubt und eine kommerzielle Nutzung ermöglicht.

Lückenloser Verwendungsnachweis

Bei proprietärer Software handelt es sich um kommerzielle Software, die zumeist käuflich in Form von Lizenzen, erworben wird. Diese Art von Software wird von Produkt- und Software-Herstellern entwickelt und durch diese vermarktet. Der Quellcode der Software ist – in aller Regel – nicht einsehbar und damit nicht veränderbar, auch nicht zur Fehlerbehebung. Stellt der Urheber einer OSS-Lizenz keine Ansprüche oder Bedingungen im Einsatz des OSS-Codes in Fremdprodukten, so kann der Code auch in proprietäre Software eingebaut werden. Typisch findet sich dies in der Lizenz BSD und Apache. Sollten seitens der Lizenzansprüche bei Verwendung, Modifikation und der anschließenden Nutzung in einem kommerziellen Produkt bestehen, so sind Vor- und Nachteile kritisch zu prüfen. Bei einem starken Copyleft ist der Einsatz – auch von Code-Fragmenten – in proprietären Produkten ausgeschlossen, da sich das Urheberrecht der OSS-Lizenz vererbt und damit das gesamte Werk wiederum zu Open Source wird. Der Code muss offen gelegt und das Produkt frei zugänglich gemacht werden.

Die Lizenz bildet den rechtlichen Rahmen zwischen Software-Urheber und Lizenznehmer und sollte der heruntergeladenen Software in Textform beiliegen. Lizenzen sind in Deutschland rechtlich nicht geregelt und können somit auch vertragsrechtlich individuell geschlossene Vereinbarungen der beiden Parteien sein. Die Klärung von rechtlichen Problemen beim Einsatz von Open-Source-Software ist je nach Anwendungsfall individuell zu klären. Bei Lizenzproblemen lohnt sich zuerst ein Blick in die Lizenz des Produktes. Hier finden sich Angaben zu Urheber, Verwendungsmöglichkeiten und eventuellen Nutzungsbedingungen die der Urheber festgelegt hat. Es bestehen standardisierte Formen von Lizenzen (beispielsweise GPL), die aber immer vor Nutzung geprüft werden müssen.

Bei Lizenzproblemen greifen Urheber- und Vertragsrecht, das Landesrecht des Software-Inhabers und das Landesrecht des jeweiligen Downloadservers. Juristische Risiken lassen sich durch eine Prüfung vor dem Start des Projektes erheblich vermindern. Es ist ratsam, bereits während des Planungsprozesses einen Software-Partner wie etwa die AraCom IT Services AG oder einen erfahrenen Rechtsanwalt einzuschalten. Prinzipiell ist beim Einsatz von Open-Source-Komponenten immer darauf zu achten, einen lückenlosen Verwendungsnachweis zu führen und eine Kopie des Lizenztextes aufzubewahren. So kann bei nachträglicher Lizenzänderung ein Beweis der eigenen Nutzungsbedingungen vorgelegt werden.

Bildquelle: © Maren Beßler/pixelio.de

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