IT-affine Quereinsteiger

Gute Chancen für weibliche CIOs

Interview mit Sabine Hansen, Geschäftsführerin bei Delta Management Consultants, über IT-affine Quereinsteiger und die Stärken weiblicher CIOs – wie etwa das vernetzte Denken

Sabine Hansen, Delta Management Consultants

Sabine Hansen, Geschäftsführerin bei Delta Management Consultants

IT-DIRECTOR: Frau Hansen, welche speziellen Karrierechancen für Frauen sehen Sie in der ITK-Branche?
S. Hansen:
Die Chancen für Frauen in der IT stehen generell gut. Wie fast jede andere Branche macht die IT-Industrie einen Paradigmenwechsel durch. Durch die Digitalisierung und insbesondere Cloud-Lösungen verändern sich bestehende Strukturen und Prozesse dramatisch. IT-Manager mit breit aufgestellten Kompetenzen wie Führungsfähigkeiten, Softskills und betriebswirtschaftlichem Know-how gehen mit klassischen Rollenbildern eines Entwicklers nicht mehr konform. Insbesondere IT-affine Quereinsteigerinnen haben daher hier sehr gute Chancen, sich zu positionieren.

IT-DIRECTOR: Was sollten Unternehmen künftig tun, um Frauen IT-Berufe schmackhaft zu machen?
S. Hansen:
Sie sollten frühzeitig Karriere-und Entwicklungspfade aufzeigen und Flexibilität mit innovativen Arbeitsmodellen und -zeiten ermöglichen.

IT-DIRECTOR: Wie ist es derzeit um den prozentualen Anteil weiblicher IT-Führungskräfte in hiesigen Großunternehmen und Konzernen bestellt?
S. Hansen:
Nicht sehr gut. Weniger als 20 Prozent der IT-Führungskräfte sind weiblich. Frauen findet man heute eher noch in der Anwendungsentwicklung und im Projektmanagement.

IT-DIRECTOR: Inwieweit werden weibliche IT-Führungskräfte von ihren Management-Kollegen und ihren Mitarbeitern akzeptiert?
S. Hansen:
Frauen, die es in die oberste Führungsetage geschafft haben, wird eine hohe Akzeptanz entgegengebracht. Ein gutes Beispiel dafür ist hier Hauke Stars, die im Vorstand der Deutschen Börse und verantwortlich für die Bereiche Information Technology und Market Data und Services Division ist. Haben Frauen erst einmal bewiesen, dass sie IT im gesamten Unternehmenskontext als Business Enabler verstehen, werden sie als Know-how-Träger akzeptiert. Die Digitalisierung bricht das Silo-Denken auf – und das können Frauen sehr gut.

IT-DIRECTOR: Was zeichnet den Führungsstil weiblicher CIOs aus? Wo liegen Ihrer Ansicht nach ihre Schwächen, wo ihre Stärken?
S. Hansen:
Eine Stärke ist definitiv das vernetzte Denken und die vernetzte Zusammenarbeit, die weiblichen CIOs liegt. Allerdings sind viele Frauen Quereinsteigerinnen. Sie kommen häufig aus dem IT-Projektgeschäft und wechseln dann auf Industrieseite.  Sie haben also keine klassische Entwicklerkarriere gemacht. Dementsprechend „fehlt“ auch der Stallgeruch – was von Außen oft als Schwäche wahrgenommen wird.

IT-DIRECTOR: Wie ist es um die Gehälterverteilung von männlichen und weiblichen IT-Führungskräften bestellt?
S. Hansen:
Die Diskrepanz ist hier enorm und liegt bei 30 bis 40 Prozent weniger als bei männlichen IT-Führungskräften. Je höher die Position, desto eklatanter sind die Gehaltsunterschiede.

IT-DIRECTOR: Inwiefern lassen sich in der Praxis für weibliche IT-Führungskräfte Beruf und Familie vereinbaren?
S. Hansen:
Wie in vielen anderen Branchen gilt auch hier: Man kann dem Anspruch als Mutter und IT-Führungskraft nicht ohne Unterstützung gerecht werden – und zwar in beruflicher wie privater Hinsicht. Als Führungskraft muss man stets verfügbar und flexibel sein. Ob der Spagat zwischen Familie und Beruf gelingt ist aber in erster Linie ein führungskulturelles Thema. Die Präsenzkultur ist hierzulande und besonders auf dieser Ebene noch sehr stark ausgeprägt, wodurch flexibles Arbeiten und eine Vereinbarkeit von Beruf und Familie leider viel zu selten ermöglicht wird.

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