Nachgefragt bei Lars Meyer-Pries, Datev

Härtefallregelung in Sachen E-Bilanz

Interview mit Lars Meyer-Pries, Leiter in der Entwicklung der Rechnungswesen-Programme bei der Datev eG

Lars Meyer-Pries, Datev eG

Lars Meyer-Pries ist Leiter in der Entwicklung der Rechnungswesen-Programme bei der Datev eG

IT-DIRECTOR: Herr Meyer-Pries, die E-Bilanz ist für Wirtschaftsjahre, die nach dem 31.12.2011 begonnen haben, verpflichtend anzuwenden. Welche Übergangsregelungen gibt es derzeit? Bis wann dürfen Unternehmen noch eine Papiereinreichung vornehmen?
L. Meyer-Pries: Für die Jahresabschlüsse 2012 gibt es eine sogenannte Nichtbeanstandungsregelung, die das Übermitteln der Bilanz auf Papier im ersten Jahr der Anwendung noch erlaubt. Jahresabschlüsse für das Geschäftsjahr 2013 werden nur noch in elektronischer Form angenommen.

IT-DIRECTOR: Mit welchen Strafen müssen Unternehmen, die sich nicht an die gesetzlichen Vorgaben halten, rechnen?
L. Meyer-Pries: Mit der sogenannten Härtefallregelung können Unternehmen, die nachweislich nicht in der Lage sind, eine Übermittlung vorzunehmen, auf Antrag eine Ausnahmeregelung beantragen. Ansonsten muss mit Sanktionen gerechnet werden, die auch bei fehlender Mitwirkung im Besteuerungsverfahren gelten und bis hin zu einem Zwangsgeld reichen können.

IT-DIRECTOR: Welche Daten müssen die Betriebe im Rahmen von E-Bilanz nun elektronisch übermitteln?
L. Meyer-Pries: Sie müssen entweder die Handelsbilanz mit Überleitungsrechnung oder die Steuerbilanz nach einem fest vorgegebenen Schema – Fachleute sprechen hier von Taxonomie – an das Finanzamt übermitteln. Dieses Schema basiert auf XBRL, die „extensible Business Reporting Language“, einem international akzeptierten Standard für den Austausch von Unternehmensdaten, der unter anderem auch schon für die Offenlegung beim elektronischen Bundesanzeiger Verwendung findet. Die Finanzverwaltung hat diejenigen Abschlusspositionen in der Taxonomie zu Pflichtfeldern erklärt, die sie von den Unternehmen in deren steuerlichen Abschluss erwartet.

IT-DIRECTOR: Wo lauern für die Verantwortlichen mögliche Gefahren bei der Umstellung auf die E-Bilanz?

L. Meyer-Pries: Die E-Bilanz verändert nicht nur die Art und Weise der Übermittlung. Die von der Finanzverwaltung künftig vorgesehene Gliederungstiefe des Jahresabschlusses kann Auswirkungen auf das bisherige Buchungsverhalten und vorgelagerte Unternehmensprozesse haben. Es ist zu entscheiden, ob und wie auf die geforderte Differenzierung der Pflichtpositionen reagiert werden soll und wie das Instrument der sogenannten „Auffangpositionen“, in denen buchungstechnisch nicht differenzierte Restgrößen gesammelt werden können, genutzt werden soll. Die Verantwortlichen sollten sich deshalb rechtzeitig um das Thema kümmern, damit es dann bei der Abschlusserstellung nicht zu einem erhöhten Zeitaufwand und damit unnötigen Kosten kommt.

IT-DIRECTOR: Inwieweit kann die E-Bilanz mit bereits vorhandener Finanzsoftware gestemmt werden? Oder müssen Unternehmen eine Aktualisierung ihrer Finanzsysteme vornehmen bzw. diese um neue Funktionen ergänzen? Wenn ja, um welche?
L. Meyer-Pries: Die eingesetzte Rechnungswesenssoftware sollte eine Überleitung auf die E-Bilanz-Taxonomie-Positionen ermöglichen und eine Aufbereitung im geforderten Format unterstützen, weil die Finanzverwaltung hierfür keine eigenständige Software anbietet. In der Datev-Software ist beispielsweise schon direkt in der Abschlusserstellungssoftware eine Aufbereitungsmöglichkeit der E-Bilanz integriert und ein Assistent verfügbar, der die Erstellung und Übermittlung der E-Bilanz unterstützt.

IT-DIRECTOR: Wie kann die Sicherheit der Finanzdaten gewährleistet werden – zum einen auf Seiten des Anwenderunternehmens und zum anderen auf der der Finanzbehörde?

L. Meyer-Pries: Auf Seiten des Unternehmens bzw. des Steuerberaters und bei der Übermittlung an die Finanzverwaltung gewährleisten unsere Lösungen und unser Rechenzentrum ein Höchstmaß an Sicherheit und Datenschutz.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sind die Wirtschaftsprüfer hierzulande bereits auf die E-Bilanz vorbereitet?

L. Meyer-Pries: Sie meinen wahrscheinlich vor allem die Steuerberater oder die Wirtschaftsprüfer in Ausübung eines Abschlusserstellungsmandats? Die meisten von ihnen sind bereits gut vorbereitet und analysieren zusammen mit ihren Mandanten die Rechnungswesensbestände und -prozesse im Hinblick auf eventuell notwendigen Veränderungsbedarf. Viele sprechen zurzeit ihre selbstbuchenden Mandanten auf das Thema an, weil die Buchführung spätestens zum 1. Januar 2013 auf die neuen Anforderungen eingestellt sein sollte.

IT-DIRECTOR: Welche Neuregelungen im Bereich der Finanzbuchhaltung sind vom Steuerbürokratieabbaugesetz (Steubag) in naher Zukunft noch zu erwarten?
L. Meyer-Pries: Unter anderem hat das Bundesfinanzministerium kürzlich Klarstellungen zum Thema E-Rechnung veröffentlicht.

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