Der Mainframe wird 50

Heimatgefühle dank Linux und Eclipse

Der Mainframe ist keine getrennte IT-Welt mehr, meint Wolfgang Drespling, Director Application Modernisation bei Micro Focus. Und er wird sicher noch einige runde Geburtstage erleben.

Wolfgang Drespling, Director Application Modernisation bei Micro Focus

1964 hat IBM das System/360 eingeführt, dessen Grundprinzipien im System z immer noch aktuell sind. Viele halten es für einen Dinosaurier. Wann sterben die letzten Mainframes?

Wie das Sprichwort sagt: Totgesagte leben länger. Der Mainframe wird uns sicher noch einige Jahrzehnte begleiten. Die Vorteile der Architektur sind immer noch wirksam, die z-Serie ist sehr zuverlässig und gut skalierbar.

Entscheidend für viele Nutzer ist auch das bessere Lastverhalten. Bei Mainframes mit z-Architektur gibt es keine Performance-Einbrüche, wenn die Last mal auf 100 Prozent gehen sollte. Das sorgt dafür, dass Großrechner in vielen Unternehmen immer noch eine Schlüsseltechnologie sind.

In welchen Bereichen ist der Mainframe denn noch wichtig?

Vor allem bei Anwendungen, die Hochverfügbarkeit und Echtzeitfähigkeit benötigen. Dort wird der Großrechner sicher noch sehr lange genutzt, mindestens bis ins nächste Jahrzehnt. Beispiele dafür sind Börsensysteme und ähnliche Anwendungen.

Aber trotzdem ist er für eine gewisse Zahl an bisherigen Anwendern irgendwann nicht mehr wichtig. Einige Unternehmen benutzen einen zOS-Rechner nur noch für eine Altanwendung. Da ist es naheliegend, diese Software zu ersetzen. Teils können wir mit unseren Micro Focus-Tools sogar dafür sorgen, dass die Altanwendung auf einem anderen System arbeitet.

Wie sieht es mit dem vielzitierten Fachkräftemangel aus. Ein großer Teil der Mitarbeiter mit Mainframe-Knowhow geht ja bald in Rente?

Wenn es irgendwo einen Bereich mit echtem Fachkräftemangel gibt, dann ist das Mainframe-Knowhow. Nach unseren Erkenntnissen haben gut drei Viertel der Anwender Probleme, die entsprechenden Leute zu finden.

Ein weiteres Problem ist das langsam aus den Unternehmen abfließende Knowhow zu den Anwendungen. Viele Mitarbeiter mit dem entsprechenden Wissen sind manchmal gar nicht mehr im Unternehmen. Außerdem sind Mainframe-Anwendungen oft nur schlecht dokumentiert.

Doch die Situation wird sich nicht ändern, der IT-Nachwuchs lernt – und benötigt – ganz andere Wissensgebiete. Vor allem Knowhow in einer typischen Mainframe-Sprache wie COBOL wird seltener, da sie nur in einem knappen Viertel der Unis weltweit überhaupt noch auf dem Lehrplan steht.

Wie können die Unternehmen stattdessen reagieren?

Das herkömmliche Mainframe-Knowhow ist nicht unbedingt notwendig, um ein aktuelles System z einzusetzen. Erstens lässt sich ein Mainframe dank zLinux inzwischen wie jedes andere System bedienen und administrieren. Zweitens gibt es auch auf dem System z moderne Entwicklungsumgebungen wie Eclipse, so dass die Entwicklung neuer Anwendungen kein Problem ist.

Die aktuelle Generation der IT-Fachkräfte kann also auf ihre gewohnten Werkzeuge auch am Mainframe zugreifen und wird sich dort direkt heimisch fühlen. Dadurch kann der Mainframe viel leichter an Cloudservices und Enterprise Mobility angepasst werden.

Bildquelle: Micro Focus

 

 

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