Rechenzentrumsdienstleister

Hoch hinaus mit passgenauen Services

Rechenzentrumsdienstleister verfolgen für die ­Erweiterung ihrer Portfolios immer facettenreichere ­Differenzierungsansätze. Die Kunden profitieren von neuen Angeboten, mit denen sie ihre Digitalisierungs­projekte gezielt vorantreiben können.

  • Hoch hinaus mit passgenauen Services

    Das Verlangen IT-Funktionen in die Cloud zu verlagern wird immer größer. (Bildquelle: Getty Images/iStock/Getty Images Plus)

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    Joachim Rath, Geschäftsführer bei Datagroup: „Die klassische Lösungs­variante nach dem ‚One size fits all‘-Ansatz kommt heutzutage kaum noch zum Tragen.“ (Bildquelle: Datagroup)

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    Jens-Peter Feidner, Geschäftsführer von Equinix Deutschland: „Bei Interconnection-Services liegt der größte Mehrwert im ­Zugang zu einem umfassenden digitalen Ökosystem aus Tausenden potenziellen Partnern und Kunden.“ (Bildquelle: Equinix)

Der Digitalisierungskurs der hiesigen Wirtschaft ist und bleibt klar: Die Reise geht weiter in die Cloud. Trotz anhaltender Sicherheitsbedenken in gewissen Kreisen beziehen die meisten Branchen ihre digitalen Dienstleistungen und Werkzeuge immer häufiger als lizenzbasiertes Serviceprodukt aus der Datenwolke – Tendenz steigend. Laut einer Umfrage von Equinix planen in Deutschland derzeit 63 Prozent der Befragten, größere Teile ihrer IT-Funktionen in die Cloud zu verlagern, drei Viertel davon wollen den Umzug bereits im nächsten Jahr vollziehen. Damit die steigende Nachfrage angemessen bedient werden kann, müssen auch die Infrastrukturen mitwachsen, denn Rechenzentren sind letztlich der Motor hinter dieser Entwicklung. Damit steigen auch die Anforderungen an die Branche, die nicht nur reichlich Kapazitäten zur Verfügung stellen, sondern dabei auch höchste Sicherheitsstandards und effiziente Energiekonzepte vorlegen muss.

Laut einer Untersuchung der internationalen Kanzlei DLA Piper markierte bereits das Jahr 2018 in Hinblick auf die Rechenzentrumsinvestitionen einen absoluten Höhepunkt. Trotzdem soll dieser im aktuellen Jahr noch übertroffen werden, so die Prognose. Doch um auf dem Markt nachhaltige Erfolge zu erzielen, ist inzwischen mehr gefragt als die gängigen Sicherheits- oder Energiezertifikate. Rechenzentrumsbetreiber müssen mit ihren Kunden als Partner auf Augenhöhe agieren und neben den Grundkompetenzen auch ergänzende Mehrwerte anbieten. „Für RZ-Betreiber ist es enorm wichtig, sich mit entsprechenden Angeboten rechtzeitig am Markt zu positionieren und zu etablieren, um den Anschluss nicht zu verlieren“, betont Markus Angermüller, Leiter Vertrieb bei der Centron GmbH. Die Erfahrung zeige, dass sich immer mehr Unternehmen eine Komplettlösung aus einer Hand wünschen. Betreiber von Rechenzentren mit einem breit aufgestellten Portfolio und erstklassigem Service seien demnach klar im Vorteil.

„Die klassische Lösungsvariante nach dem ‚One size fits all‘-Ansatz kommt heutzutage kaum noch zum Tragen“, stellt auch Joachim Rath, Geschäftsführer bei Datagroup, fest. Im Full-Outsourcing kombinierten Kunden daher sehr häufig Services, die zum Teil aus der Cloud und zum Teil aus den Rechenzentren mit individuellem Leistungsschnitt abgerufen werden. Diese hohe Servicediversität und Betriebskomplexität zu planen, zu orchestrieren und am Ende reibungslos zu betreiben, sei eine wichtige Aufgabe. Laut Markus Angermüller gehören Public- und Private-Cloud-Angebote zu den essenziellen Zusatzleitungen eines Rechenzen-trumbetreibers. „Viele Kunden benötigen neben den klassischen Colocation-Lösungen einen Service, der ihnen maximale Flexibilität und Skalierbarkeit bietet“, so seine Einschätzung. Ein gutes Beispiel seien schnell wachsende Start-ups, aber auch klassische Unternehmen, die weder über eigene IT-Infrastrukturen noch über das entsprechende Know-how für den Betrieb verfügen. Jens-Peter Feidner, Geschäftsführer von Equinix Deutschland, beobachtet derweil eine hohe Nachfrage nach kontextvirtualisierten Services wie Software-defined Networking (SDN) oder Virtual-Cross-Connects (VXC), die keine zusätzliche Hardware benötigten und eine schnelle Skalierung der Unternehmensinfrastruktur erlaubten.

Vielfältige Nachfrage

„Im Grunde geht es immer um Differenzierungsansätze und Alleinstellungsmerkmale im Leistungsportfolio“, bringt es Thomas Sting, Mitgründer und Geschäftsführer der DeRZ Deutsche Rechenzentren GmbH, auf den Punkt. „Je breiter diese aufgestellt sind, desto geringer wird der Preisdruck bei den klassischen Dienstleistungen”, so sein Fazit. Gefragt seien vor allem Dienstleistungen, die durch eigenes Personal nicht in der benötigten fachlichen Qualität erbracht werden könnten. „Beispielhaft seien hier Sicherheitsapplikationen genannt wie z.B. das optimale Sicherheitsmanagement der Schnittstellen in einem hybriden Cloud-Modell“, so Sting. Weiterhin würden Rechenzentrumskunden gerne Leistungen verlagern, die sie selbst nur ineffizient erbringen können, z. B. mit Personal, das ohne die Nutzbarkeit von Skaleneffekten chronisch unausgelastet sei. Joachim Rath sieht derweil eine ausgeprägte Nachfrage nach hybriden Lösungen mit einer hohen Flexibilisierung und Nutzerfreundlichkeit beim Endanwender. Darüber hinaus begegne er von der Prozessberatung, SAP-Migration in die Cloud über Office 365 bis hin zum Betrieb von selbst entwickelter Software im Kundenrechenzentrum einer vielfältigen Nachfrage im Alltag.

„Kunden lassen sich gerne bei ihrem Colocation-Projekt beraten und begleiten. Sie lassen sich ihre Hardware einbauen, umbauen oder erweitern“, verrät Konrad Johann Bauer, Global Head of Datacenter bei T-Systems. Dazu gehörten auch Verkabelungsleistungen für Übertragungstechnik und Stromversorgung. Gefragt seien zudem Sicherheitsleistungen, beispielsweise mechatronische Zugangssysteme für den Flächenzugang. Neben der physikalischen Sicherheit sind für viele Kunden auch entsprechende Services auf der Software-Ebene ein wichtiger Grund dafür, die Zusammenarbeit mit dem Colocation-Partner auszuweiten. Dazu kann neben Leistungen wie DDoS-Protection oder Managed Firewalls auch ein umfangreiches Security Information and Event Management (SIEM) gehören. Ein solches System stellt einen Knotenpunkt für alle relevanten Netzwerkdaten dar und wertet Logfiles und Meldungen in Echtzeit aus, um etwaige Abweichungen zeitnah zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einleiten zu können.

Vom gesamten Ökosystem profitieren

Unternehmen bieten durch neue Zusatzleistungen reizvolle Synergieeffekte, die sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Geschäft auswirken können. Neben niedrigeren Investitions- und Wartungskosten profitieren Kunden laut Jens-Peter Feidner etwa von der zusätzlichen Flexibilität bei der Nutzung externer Services: „Bei Interconnection-Services liegt der größte Mehrwert im Zugang zu einem umfassenden digitalen Ökosystem aus Tausenden potenziellen Partnern und Kunden“, so sein Befund. Die meisten Unternehmen hätten nicht die Erfahrung und Kapazitäten, Digitalisierungsprojekte alleine zu stemmen. Daher sei es wichtiger denn je, mit Partnern zu kollaborieren und Daten auszutauschen. „Wenn ein mittelständisches Industrieunternehmen z.B. ‚Predictive Maintenance‘ in der Produktion umsetzen will, greift es dazu auf externe IoT-Spezialisten zurück. Interconnection macht den Austausch von Expertise und Services in diesem Rahmen erst möglich“, führt Feidner aus. Auch Konrad Johann Bauer sieht klare Vorteile in der erhöhten Zugänglichkeit zu speziellen Services: „Indem der Kunde seine Hardware bei einem RZ-Betreiber aufbaut, kann er von dessen Angeboten aus unmittelbarer Nähe profitieren“, so seine Einschätzung. Auch der Zugang zu Super- und Quantencomputing werde dabei zukünftig an Bedeutung gewinnen.

„Wie bei so vielen Dingen gilt hier: Viele Köche verderben den Brei. Unternehmen, die auf mehrere Dienstleister zurückgreifen, haben häufig das Problem, dass bei Serviceanfragen die Zuständigkeiten nicht eindeutig geregelt sind, oder sie leiden unter langen Reaktions- und Lösungszeiten“, warnt Markus Angermüller indes und ergänzt: „In der heutigen, schnelllebigen Zeit ist das ein absolutes K.-o.-Kriterium.“ Eine Lösung aus einer Hand mit einem dedizierten Ansprechpartner, der die gesamte Infrastruktur und das Zusammenspiel der einzelnen Systeme genau kennt, sei daher die bessere Wahl.

Keine Scheu vor hybriden Landschaften

Während vielerorts schon lange „Cloud First“-Strategien auf der Agenda stehen, sieht die Realität in vielen Unternehmen noch anders aus. Es regieren hybride IT-Modelle, die zwar schon häufig von den Möglichkeiten der neuen Technologien profitieren, trotzdem aber noch auf die selbst betriebenen Infrastrukturen angewiesen sind. „Viele Unternehmen nutzen Cloud-Lösungen parallel zum klassischen Colocation-Angebot – etwa um ihre Produktivumgebung kurzzeitig zu erweitern oder für temporäre Testlandschaften”, stellt auch Markus Angermüller fest. Um ein reibungsloses Zusammenspiel zwischen der kundeneigenen Hardware und den Cloud-Komponenten sicherzustellen, müssten die Systeme und Schnittstellen optimal aufeinander abgestimmt sein. Für den RZ-Betreiber bedeute dies, dass er Fachkräfte mit teils sehr speziellem Know-how vorhalten müsse. „Gerade unter dem Gesichtspunkt des derzeit herrschenden Fachkräftemangels in der IT-Branche kann dies zu einer echten Herausforderung werden“, mahnt der Experte.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 05-06/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Joachim Rath sieht ebenfalls gewisse Hürden, die genommen werden müssen: „Hybride Infrastrukturen erfordern neben der technischen Durchdringung zunächst einmal eine hohe Diszi-plin in der Arbeitsweise und häufig einen kulturellen Shift in der Organisation.“ Moderne Cloud-Architekturen zeichneten sich durch voll automatisierte Bereitstellung und einen hohen Grad an „Infrastructure as code“-Elementen (IaC) aus. In der klassischen On-Premise-Rechenzentrumswelt sei der Automationsgrad in der Regel geringer und aufgrund heterogen gewachsener Infrastrukturen finde man nur selten durchgängige IaC-Modelle vor. „Wenn IT-Dienstleister aber hybride IT-Modelle anbieten, ist es unerlässlich, dass sie ihre Arbeitsweise den Hyperscalern anpassen. Dazu müssen sie beginnen, Infrastruktur-Software zu erstellen und dieses Vorgehensmodell auf ihre klassische Infrastruktur zu mappen“, so seine Einschätzung. Auf diese Art könnten beide Welten mit vergleichbaren Arbeitsmodellen verbunden und die Services und Ressourcen über die Grenzen der eigenen Rechenzentren orchestriert werden.

Steigende Anforderungen

Mit der wachsenden Nachfrage dürfte in Zukunft auch das Dienstleistungsportfolio der Rechenzen-trumsbetreiber weiter neue Facetten hinzugewinnen. Die Prognosen darüber, wie diese aussehen könnten, gehen derweil stark auseinander. Laut Jens-Peter Feidner bleiben die Cloud-Services ein wichtiges Wachstumsfeld, das sich seiner Meinung nach mit Blick auf die eingangs erwähnte Studie deutlich weiterentwickeln soll. Joachim Rath hält Hyperautomation mit Machine Learning als nächsten Schritt der Robotic Process Automation (RPA) für ein wichtiges Branchenthema: „Die selbstlernende automatisierte Infrastruktur, die immer genau die richtige Anzahl an Ressourcen an der richtigen Stelle zur Verfügung stellt, ist die Basis für effizientes Wachstum und vernetztes Arbeiten“, so seine Einschätzung. Daneben bleibe Multi-Experience mit unterschiedlichen Collaboration-Tools und -Services bei höchster User Convenience eine der Herausforderungen für jeden Managed-Service-Provider. Die Kunst dabei sei es, diese Form der Leistungen zur Verfügung zu stellen, ohne dass der Kunde ein Technologieexperte werden muss.

Konrad Johann Bauer sieht demgegenüber großes Potenzial in sogenannten „Bare Metal“-Ressourcen – reine Rechenmaschinen samt Betriebssystem, die als „Data Center as a Service“ aus dem RZ abgerufen werden können. Markus Angermüller glaubt wiederum, dass sich der Blick in die Zukunft nicht pauschal herunterbrechen lasse: „Fest steht, dass die Anforderungen der Kunden immer weiter steigen und dies auch künftig als Wachstumstreiber für die Erschließung ungenutzter Potenziale fungieren wird“, so seine Prognose. 

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