Breitbandausbau: Interview mit Christian Dietl, BT

Home Office mit UMTS und LTE anbinden

Interview mit Christian Dietl, Head of Marketing & Products bei BT in Deutschland, über die Breitbandversorgung von Unternehmen mittels Glasfasertechnologie, Satellitenverbindung sowie Richt- und Mobilfunk

Christian Dietl, BT Deutschland

Christian Dietl, Head of Marketing & Products bei BT in Deutschland

IT-DIRECTOR: Gemäß der Breitbandstrategie der Bundesregierung sollen flächendeckend allen Haushalten in Deutschland bis 2018 Bandbreiten von 50 Megabit pro Sekunde zur Verfügung stehen. Wie schätzen Sie den momentanen Stand beim bundesweiten Breitbandausbau ein?
C. Dietl:
Das Ziel ist sicherlich ambitioniert, zumal vor allem in vielen ländlichen Regionen noch Nachholbedarf besteht. Allerdings gibt es eine Reihe von positiven Signalen, wie die Aufstockung des Förderprogramms in Bayern auf 1,5 Mrd. Euro.

IT-DIRECTOR: Wie können Anwenderunternehmen, deren Standorte noch nicht von den Vorzügen des Breitbandausbaus profitieren können, dennoch für stabile und schnelle Netzverbindungen sorgen?
C. Dietl:
Für Unternehmen gibt es eine Reihe von Alternativen. Je nach Lage und Bandbreitenbedarf lohnt gegebenenfalls eine Anbindung per Glasfaserleitung, wir binden beispielsweise in der Umgebung der großen Metropolen Firmen direkt an unsere City Fibre Networks (CFN) an. Via Richtfunk sind Bandbreiten von 100 Mbit/s in der Regel problemlos möglich. Auch eine Anbindung per Satellit kommt in Frage, ist allerdings wegen der langen Signallaufzeiten für einige Anwendungen wie Videokonferenzen weniger gut geeignet.

IT-DIRECTOR: Vor welchen Herausforderungen stehen Unternehmensverantwortliche, die vor dem Hintergrund solch weißer Flecken flexible Home-Office-Arbeitsplätze etablieren sollen (... sie können ihren Mitarbeitern wohl kaum verbieten, aufs Land zu ziehen)?
C. Dietl:
Für das Home Office ist in der Tat die Anbindung per DSL erste Wahl, allerdings gibt es Alternativen, die in vielen Fällen gut funktionieren, wie UMTS oder LTE. Über entsprechende Router, die im Haus ein WLAN-Netz zur Verfügung stellen, können mehrere Endgeräte auf das Internet zugreifen.

IT-DIRECTOR: Wie können dabei netzabhängige Technologien wie Unified Communications oder Virtual Desktop Infrastructure (VDI) erfolgreich eingebunden werden?
C. Dietl:
Mit UCC-Anwendungen wie z.B. Videokonferenzen haben wir z.B. über LTE gute Erfahrungen gemacht.

IT-DIRECTOR: Ein Blick in die Praxis: Inwiefern bauen insbesondere Großunternehmen und Konzerne vor dem Hintergrund fehlender Bandbreiten ihre eigenen Netzinfrastrukturen auf?
C. Dietl:
Große Unternehmen setzen seit jeher auf „private“ Netzwerke, die sie unabhängig vom Internet aufgebaut haben bzw. die – als „Virtual Private Network“ – von einem Netzwerkprovider für das Unternehmen betrieben werden. Von daher sind große Firmen weniger auf eine DSL-Infrastruktur angewiesen. Der Breitbandausbau in der Fläche ist aber von Bedeutung, wenn es um die Anbindung von kleineren Filialen oder Home Offices geht.

IT-DIRECTOR: Auf welche Weise unterstützen TK-Anbieter oder auch Provider hier die Kunden, um an sämtlichen Standorten hervorragende Netzanbindungen garantieren zu können?
C. Dietl:
Netzwerkanbieter habe in der Regel verschiedene Technologien zur Verfügung, die je nach Bedarf und Verfügbarkeit eingesetzt werden. Größere Unternehmensstandorte werden zumeist per Glasfaserleitung angebunden. Die besondere Kompetenz eines Providers wie BT besteht darin, aus den verschiedenen technischen Komponenten eine – auch über Kontinente hinweg – einheitliche Lösung zu erstellen, ohne dass der Kunde sich um die Details kümmern muss. In den unzugänglichen Regionen des Amazonasgebiets setzen wir beispielsweise Satellitenverbindungen ein, an anderen entlegenen Orten kommt wiederum Richtfunk zum Einsatz. Im Rahmen unseres „Managed Mobility“-Portfolios können wir außerdem eigene Mobilfunkangebote integrieren.

IT-DIRECTOR: Aufgrund der aktuellen Trends hin zur mobilen Arbeitsweise, zum Internet of Things oder zur Industrie 4.0 werden Privathaushalte wie auch Unternehmen immer leistungsfähigere Netze benötigen, um die Daten schnell von A nach B zu senden. Inwieweit trägt die derzeitige Breitbandstrategie diesen Entwicklungen bereits Rechnung?
C. Dietl:
Das Vorhaben der Bundesregierung, den Netzausbau in dünn besiedelten oder strukturschwachen Gebieten mit öffentlichen Mitteln zu fördern, ist sicher ein Schritt in die richtige Richtung. In Großbritannien ist es mit dem Projekt „Superfast Cornwall“ auf ähnliche Weise bereits gelungen, schnelles Internet für mehr als 90 Prozent der Haushalte und Unternehmen verfügbar zu machen.

IT-DIRECTOR: Wie lautet Ihre persönliche Einschätzung: Kann der geplante Netzausbau diese zukünftig exorbitante Datenlast locker stemmen? Oder werden die Infrastrukturen über kurz oder lang darunter zusammenbrechen?
C. Dietl:
Die Entwicklung vollzieht sich in Zyklen: Als die ersten VDSL-Leitungen verfügbar waren, sagten viele: Was sollen wir mit so viel Bandbreite, es gibt doch gar keine Anwendungen? Mittlerweile gibt es viele Anwendungen, dafür fehlt mancherorts die Bandbreite. Ich bin zuversichtlich, dass die Netzbetreiber auch die zukünftigen Herausforderungen meistern werden. Dort, wo Bandbreite knapp ist, gilt es, intelligente Lösungen einzusetzen, etwa zur Kompression oder Applikationsoptimierung. Die Notwendigkeit, den Breitbandausbau voranzutreiben, bleibt bestehen, denn soviel steht fest: Ohne Netz gibt es keine Kommunikation, und die modernen Lösungen zur Zusammenarbeit wären nicht möglich.

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