Rudolf Kergaßner, IPsoft

Hybrid-Cloud-Services sind stark gefragt

Interview mit Rudolf Kergaßner, Managing Director von IPsoft Deutschland in Frankfurt am Main

Rudolf Kergaßner, IPsoft

Rudolf Kergaßner, Managing Director von IPsoft Deutschland in Frankfurt am Main

IT-DIRECTOR: Welche Standards existieren bereits für das Cloud Computing?
R. Kergaßner:
Die Standards heißen Private-, Public- und Hybrid-Cloud. In letzter Zeit hat sich gezeigt, dass insbesondere Hybrid-Cloud-Services nachgefragt werden. Sie bieten vielen Unternehmen die ideale Kombination, um die Aspekte Flexibilität, Skalierbarkeit und Datensicherheit unter einen Hut zu bringen.

Außerdem ermöglichen sie eine maximale TCO-Optimierung.
Darüber hinaus haben sich die Cloud-Ansätze IaaS, PaaS und SaaS inzwischen als Standard etabliert. IaaS- und SaaS-Lösungen sind bereits weit verbreitet, aber auch die Nachfrage nach PaaS wird in diesem Jahr stark zunehmen, wie es auch die Marktforscher von IDC Ende 2012 prognostizierten.

IT-DIRECTOR: Was halten Sie von dem Softwareprojekt „OpenStack“? Inwiefern wird die Verbreitung der daraus resultierenden Technologien vorangetrieben?
R. Kergaßner:
OpenStack ist sicherlich ein interessantes Projekt, da es von vielen größeren Unternehmen wie AMD, Canonical, Citrix Systems, Dell, Hewlett-Packard, IBM, Intel, NASA, Rackspace, Red Hat oder Suse Linux unterstützt wird. Zudem ist die Entwicklung auf Open Source basiert und frei verfügbar.

Wir gehen an dieser Stelle einen anderen Weg und bringen IPcloud auf den Markt. IPcloud ist unsere Antwort auf heterogenes Cloud-Management. Die Lösung arbeitet Hand in Hand mit der IPcenter-Suite zusammen, unserem integrierten Service-Delivery-Portal, über das alle Anwenderumgebungen und -technologien verwaltet werden. Dadurch wird ein automatisiertes Management von heterogenen Cloud-Umgebungen nahtlos und ohne Schnittstellen ermöglicht.

IT-DIRECTOR: Inwieweit sollten die Bundesregierung oder die EU hinsichtlich der Etablierung von Cloud-Standards aktiv werden?
R. Kergaßner:
Aus unserer Sicht sollte dies durch den freien Markt und Wettbewerb und nicht durch Kommissionen oder Regierungen geregelt werden.

IT-DIRECTOR: Woran liegt es, dass sich Standards für Cloud Computing aktuell noch nicht flächendeckend etablieren konnten?
R. Kergaßner:
Viele Unternehmen befinden sich hier noch in der „Findungsphase“ und in Deutschland gibt es zudem viele rechtliche Bedenken. Das bremst natürlich zum Teil die Entwicklung bei der Auslagerung von Daten, denn auch die Nutzung einer Hybridlösung bedeutet immer, dass ein Teil der Daten extern gespeichert wird.

Generell sehen wir aber im Hinblick auf die Etablierung von Standards, dass VMware deutlicher Marktführer ist und dass es ESX- und vSphere-Produkte in nahezu jedem Unternehmen gibt, mit dem wir Kontakt haben. Es hat sich ein IaaS-Layer auf Basis von VMware-Technologie etabliert, der zum „Quasi-Standard“ geworden ist und für viele unterschiedliche Einsatzzwecke genutzt werden kann. Daneben existiert natürlich Amazon als mittlerweile weltweit größter Cloud-Anbieter von IaaS-Lösungen. Hier sehen wir ebenfalls viele Unternehmen, die dort sehr einfach Rechenzeit hinzukaufen.

IT-DIRECTOR: Stichwort Migration: Worauf sollten IT-Verantwortliche, die Teile ihrer IT in die Cloud verlagern wollen, hinsichtlich Interoperabilität bzw. Datenkonsistenz achten?
R. Kergaßner:
Eine Verlagerung von Daten in die Cloud ist prinzipiell häufig mit einem Umzug des Rechenzentrums verbunden. Oft erfolgt dabei zudem auch noch ein Versions-Upgrade. Das bedeutet nach ITIL „Service Design“ und „Service Transition“ – und diese Bereiche und Prozesse müssen natürlich exakt geplant werden.

Zudem sollten IT-Verantwortliche auch auf Lizenzfragen achten. Werden weiterhin die bestehenden Enterprise-Lizenzen genutzt oder kommen SPLA-Lizenzen (Services Provider License Agreement) zum Einsatz? Bieten alle Softwareprovider auch cloud-fähige Lizenzen an? Hier muss man insbesondere die Bereiche Datenbanken und Middleware genau unter die Lupe nehmen.

IT-DIRECTOR: Wie können die Anwenderunternehmen sicherstellen, dass ihre Cloud-Services untereinander bzw. mit älteren, bereits im Unternehmen vorhandenen Softwaresystemen integriert werden können?
R. Kergaßner:
Zuerst einmal sollte man darauf achten, dass man durch die Nutzung eines Cloud-Angebotes keinen „Vendor-Lock-in" erhält, der die zukünftigen Cloud-Services als Einbahnstraße darstellt. In hybriden IaaS-Clouds erhalten Unternehmen die Möglichkeit, auch ihre in die Jahre gekommenen Systeme innerhalb des Virtualisierungslayers in die angeschlossenen Rechenzentren weitestgehend problemlos auszuweiten. Auf dem Application Layer oder in SaaS-Umgebungen ist wiederum das richtige Servicedesign entscheidend, um eine Interoperabilität sicherzustellen.

IT-DIRECTOR: Worauf sollten die Verantwortlichen bei der Technologieauswahl und beim Vertragsabschlusses achten, damit es bei einem Wechsel von der Cloud zurück auf „herkömmliche“ Systeme nicht zu einem bösen Erwachen kommen wird?
R. Kergaßner:
Die meisten Cloud-Lösungen funktionieren prinzipiell auch als „Private Cloud“, deshalb kann der Kunde eine Rücknahme in seinen eigenen Betrieb meist auf diesem Weg realisieren. Generell kommt es natürlich auf eine exakte Planung, Koordination und Umsetzung in den Bereichen „Solution Architecture“ und „Service Design“ an, damit die Daten bei einer Rücknahme entsprechend aus der Cloud exportiert werden können, um sie in die „herkömmlichen Systeme“ zurückführen zu können.

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