Flächendeckende Giga-Netze bis 2025

Im Land der Träume

Während die Netzallianz und allen voran Alexander Dobrindt, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, diese Woche von der flächendeckenden Etablierung von Giga-Netzen bis 2025 träumen, reagieren die Netzbetreiber mit ihren Einschätzungen deutlich verhaltener.

Der Traum von gigabit-fähigen Netzen

Ein schöner Traum: Die Netzallianz möchte bis zum Jahr 2025 für die Etablierung flächendeckender gigabit-fähiger Netze sorgen.

Bereits Ende 2015 basierten rund 70 Prozent aller übertragenen Daten im Internet auf Video-Diensten. Tendenz steigend. Doch damit nicht genug, werden künftig doch Unmengen von Daten aus der Cloud, aus Virtual-Reality-Anwendungen und vor allem aus dem Internet der Dinge – z.B. Industrie 4.0, autonome Fahrzeuge oder Smart Grids – hinzukommen. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, inwieweit die heutigen Infrastrukturen und Netze die zu erwartende Datenflut überhaupt bewältigen können. Ein Frage, die sich einerseits die Politik auf nationaler wie internationaler Ebene und andererseits aber auch die Netzbetreiber, die damit künftig Geld verdienen wollen, stellen müssen.

Glaubt man der Politik, sind vorrangig Gigabit-Netze die Heilsbringer, um künftigen Breitbandanforderungen gerecht zu werden. Von daher haben die Beteiligen auch im Rahmen der Netzallianz am 8. November 2016 bis zum Jahr 2025 den Aufbau „einer gigabit-fähigen, konvergenten Infrastruktur“ versprochen. Was man davon halten kann, wird schnell klar, wenn man sich vor Augen führt, dass das bereits im Koalitionsvertrag der Großen Koalition verankerte Ziel, in Deutschland bis 2018 eine flächendeckende Versorgung mit 50 MBit/s schnellen Internetanschlüssen zu erreichen, wohl kaum zu erreichen ist.

Was bringt der Techie-Standard Docsis 3.1?

Das rasante Wachstum des Datenverkehrs im Internet stellt auch Kabelnetzbetreiber wie Unitymedia vor große Probleme. Im Rahmen eines gemeinsam mit Anga, dem Verband deutscher Kabelnetzbetreiber e.V., veranstalteten Workshops beschäftigte man sich kürzlich näher mit der Bewältigung des künftigen Bandbreitenbedarfs. Dabei sind laut Dieter Pfaender, Vice President bei Unitymedia, die eigenen Netzkapazitäten zuletzt jährlich um 50 Prozent gewachsen. Dies deckt sich haargenau mit dem vom dänischen Berater Jakob Nielsen ermittelten Gesetz, dass der Bandbreitenbedarf im Netz generell jedes Jahr um rund 50 Prozent zunimmt. Die Treiber für weiter steigenden Bedarf macht Pfaender schnell aus: Er zählt neben Virtual Reality vor allem IPTV und 4K- bzw. 8K-Ultra-High-Definition-Videos (UHD) dazu.

Doch wie kann die künftige Breitbandversorgung – bestenfalls mit flächendeckenden Gigabit-Netzen – überhaupt funktionieren? Für die Netzallianz liegt der Erfolg in der Mischung verschiedener Technologien. Dabei können sich für den Zugang ins Internet – neudeutsch Access Points – das Gigabit Passive Optical Network (GPON) für Glasfaserverbindungen oder auch die Spezifikation Docsis 3.1 eignen.

Dediziert für letztere hat sich Unitymedia entschieden, die eigenen Netze ab kommenden August darauf auszurichten. Die Vorteile von Docsis 3.1 liegen laut Dieter Pfaender u.a. in höheren Bandbreiten von 1 GB/s, einer besseren Energieeffizienz, geringeren Kosten im Betrieb und einer höheren Robustheit durch Low Density Parity Check (LDPC). Ein weiterer Pluspunkt sei die einfache Migration, da man sowohl Docsis 3.0 als auch 3.1 im Parallelbetrieb laufen lassen könne. Die Endkunden selbst müssten ihre bisherigen Modems auch zunächst nicht austauschen. Erst wenn sie künftig auf Gigabit-Bandbreite setzen wollen, wird ein neues Modem erforderlich. Aufgrunddessen können mit Docsis 3.1 existierende Technologien und damit bisherige Investitionen geschützt werden, ergänzt Carsten Engelke von Anga. Insbesondere gegenüber dem Glasfaserausbau auf Basis von Fibre to the Home (FTTH) hätte dies den Vorteil, dass man nicht sämtliche Infrastrukturkomponenten austauschen müsste.

In einem weiteren Schritt steht auch der mobilen Anbindung, z.B. im Rahmen der sogenannten Fixed Mobile Convergence, nichts im Wege. Laut Carsten Engelke wird insbesondere der nächste Übertragungsstandard 5G die Konvergenz der Festnetz- und Mobilfunknetze vorantreiben. In diesem Fall könnten 5G-Mobilfunkzellen in Docsis 3.1 eingebunden werden.

Nicht zuletzt setzt Unitymedia seit längerem neben dem klassischen Kabelnetz auch auf den Glasfaserausbau. In sogenannten HFC-Netzen (Hybrid Fibre Coax) verwendet man im Regionalbereich Glasfaserstrecken, die bis in die Nähe der Haushalte führen. Hier sprechen die Experten dann von Fibre to the Curb (FTTC), was ihrer Ansicht nach ein weiterer wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zur Realisierung von Giga-Netzen sein wird.

Bildquelle: Thinkstock/Purestock

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok