Tüv Rheinland setzt auf agile Software-Entwicklung

Im Sprint zum neuen Prüfsystem

Weil die Hauptuntersuchung von Verkehrsmitteln im Fokus des Tüv Rheinland liegt, machten sich die Verantwortlichen auf die Suche nach einer neuen IT-Lösung, die Prüf- und Verwaltungsprozesse unterstützt und von Sachverständigen gerne eingesetzt wird.

  • Sprinter in Startposition

    Mit agiler Software-Entwicklung und Sprint für Sprint gelangt Tüv Rheinland zu einem neuen Fahrzeuguntersuchungssystem.

  • Dr. André Hollstein, Tüv Rheinland

    Dr. André Hollstein, IT-Leiter des Geschäftsbereichs Mobilität und Gesamtprojektleiter Zeus

  • Techniker Tür Rheinland

    In Zukunft setzt der Tüv Rheinland auf das „Zentrale Einheitliche Untersuchungs-System“ (Zeus).

Künftig werden die über 1.500 Prüfer mit dem vom IT-Dienstleister Adesso entwickelten „Zentrales Einheitliches Untersuchungs-System“ (Zeus) arbeiten. Das betrifft nicht nur die Oberfläche der Software, auch unter der „Haube“ wird alles erneuert. Ziel des Projektes, das langsam auf die Zielgerade einbiegt, ist eine Lösung, die den kompletten Untersuchungsprozess unterstützt. Egal, ob on- oder offline, ob in einer der Prüfstellen oder beim Werkstattkunden vor Ort, ob durchdachte Benutzerkonzepte oder die Verbindung mit dem kaufmännischen Backend-System: annähernd jeder Aspekt des Untersuchungsprozesses wird optimiert.

„Wir merkten unserem System an vielen Ecken an, dass seine Wurzeln weit zurückreichen. Die technischen Möglichkeiten waren damals ganz andere, und auch die Gestaltung der Benutzeroberfläche und die verwendeten Technologien waren nicht mehr zeitgemäß“, erläutert Dr. André Hollstein, IT-Leiter des Geschäftsbereichs Mobilität und Gesamtprojektleiter Zeus, den Hintergrund des Projekts.

Daraus erwuchsen handfeste Probleme für die Anwender. Das Alter und die monolithische Architektur sorgten dafür, dass die IT-Teams Änderungen und Updates nur mit großem Aufwand umsetzen konnten. Und das in einem Umfeld, in dem nicht nur die internen Prozesse komplex sind. Dank des technischen Fortschritts und der regelmäßigen gesetzlichen Änderungen sind die Rahmenbedingungen von Fahrzeuguntersuchungen einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen.

Nebenan statt Offshore

All das führte zu den Planungen des Projektes Zeus. Es sollte die identifizierten Schwachstellen der vorhandenen Lösung beheben: flexibel und modular statt monolithisch, attraktiv und durchdacht statt antiquiert.

Die Fachleute des IT-Dienstleister machten sich vor Ort in einer Prüfstelle ein Bild von der Arbeit der Sachverständigen, sprachen mit den späteren Anwendern, führten Workshops durch. So entwickelten sie ein Gefühl für die Arbeitsweise. „Von Haus aus“ brachte der Anbieter die richtigen Antworten auf einige zentrale Fragestellungen des Projektes mit: Nicht irgendwo offshore, sondern auf der anderen Rheinseite sitzt das neunköpfige Team. Nicht nach starren Vorgaben, sondern mit den Ideen agiler Softwareentwicklung wollte der IT-Dienstleister entwickeln. Wie geplant, legte das Team Mitte 2014 los.

So richtig der agile Ansatz war, so notwendig war es auch, den Themen Budgetierbarkeit und Planbarkeit gerecht zu werden. Gemeinsam fanden die Verantwortlichen beider Seiten dafür einen gangbaren Mittelweg. „So haben wir im Vorfeld zusammen erarbeitet, wo die Aufwandstreiber des Projektes liegen“ erläutert der Projektleiter Zeus. Dies ist uns gut gelungen, sodass der Entwicklungsprojektteil aktuell auf Plan liegt.

Auch für die Beteiligten des Dienstleisters fällt das Resümee positiv aus: „Agilität bringt neue Facetten in der Zusammenarbeit und in der Projektsteuerung mit sich. Es ist eine enge Abstimmung mit dem gesamten Team nötig, die wir im Projekt nicht zuletzt durch unsere örtliche Nähe gestalten konnten. Das hat uns die üblichen nerven- und zeitaufwendigen Change-Request-Verfahren weitgehend erspart und alle zusammen konnten effizient und fristgerecht die Sprints abwickeln“, fasst Nikolas Mehnert, Projektleiter auf Adesso-Seite, zusammen.

Aber auch das, was das Software-Entwicklungs-Team bisher geliefert hat, überzeugt. „Ob Funktionen, Oberfläche, Benutzerführung, Workflows oder Performance – ein Unterschied wie Tag und Nacht im Vergleich zum alten System“, erklärt Dr. André Hollstein. „Es sind die zahlreichen Details, die zum positiven Gesamtbild beitragen.“ Es entsteht eine flexible Lösung, in der die Mitarbeiter in Zukunft viele Prozesse eigenhändig steuern und regeln können.

Zeus hat viele Väter

Sprint für Sprint arbeiten sich die Entwickler und die Mitarbeiter von Tüv Rheinland durch das Projekt. „Von unserer Seite aus arbeiten zahlreiche Kollegen an der Entwicklung mit, einige davon in Vollzeit“, beschreibt der Projektleiter. Dazu gehören Fachvertreter ebenso wie kaufmännische und IT-technische Experten. Hinzu kommen neun Mitarbeiter des IT-Partners, die Rollen wie Scrum Master, Entwickler oder Tester ausfüllen. Insgesamt – sowohl was die Zahl der späteren Anwender als auch was den Budgetumfang angeht – das zurzeit größte Entwicklungsprojekt, das bei Tüv Rheinland umgesetzt wird.

Bis zum flächendeckenden Einsatz liegen noch einige Sprints vor den Entwicklern. Obwohl in das laufende Projekt immer wieder Phasen der Qualitätssicherung eingebaut wurden, wird diesem Thema am Ende noch einmal viel Zeit gewidmet, bevor es dann die Schulungen der Mitarbeiter und die Pilotphase startet. Im Laufe des Jahres 2016 wird Zeus verfügbar sein. Dabei wird der Rollout genauso ablaufen, wie es entwickelt wird: sehr agil.

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