Cloud Computing

Immer öfter genutzt, immer noch ungeliebt

Jedes zweite Unternehmen ist in der Cloud. Das bringt den Anbietern insgesamt mehr als neun Milliarden Euro Umsatz: Eine wolkige Bilanz.

Es geht aufwärts: Gut jedes zweite deutsche Unternehmen nutzt laut dem „Cloud Monitor 2016“ des IT-Branchenverbandes Bitkom die Wolke. Das sind gut doppelt so viele wie vor fünf Jahren. Die meiste Verbreitung hat das Cloud Computing bei den großen Unternehmen mit mehr als 2000 Mitarbeitern, hier sind ungefähr 70 Prozent in der Cloud.

Diese Zahlen zeigen, dass der Markt für die Anbieter von Cloud-Diensten lukrativ ist und stetig wächst. Zum Beispiel T-Systems, die Großkundensparte der Deutschen Telekom. Sie versorgt gut 600 Großunternehmen mit Cloudservices. Erst vor zwei Jahren gingen neue Zwillings-Rechenzentren in Biere und Magdeburg als Datendrehkreuz ans Netz. Dank des Marktwachstums reichen die derzeitigen Kapazitäten kaum noch aus und müssen aufgestockt werden: Bis 2018 um 150 Prozent.

Cloud bringt neun Milliarden Euro Umsatz

Die Telekom gehört zwar bei der Cloud zu den Marktführern, hält aber immer noch gehörigen Abstand zu den beiden globalen Megaplayern bei Infrastruktur-Dienstleistungen aus der Cloud: Microsoft und Amazon Web Services AWS. Beide sind sehr an dem als finanzstark geltenden deutschen Markt interessiert und haben hier eigene Rechenzentren aufgebaut.

Microsoft hat dabei als Ergänzung seines sonstigen Betriebsmodells sogar ein völlig neues Konzept entwickelt: Es stellt die Cloud-Software, hat aber den eigentlichen Betrieb der Cloud der (offenbar unvermeidlichen) Telekom in Treuhandschaft übertragen. Damit ist tatsächlich der Hauptteil des Großkundenmarkts in festen Händen.

Trotzdem sind die großen Cloud-Dienstleister nicht allein. Insgesamt gibt es im deutschen Markt gut 450 Anbieter, die Cloud-Technologien oder -Services anbieten - eine Zahl, die die IT-Beratung Experton Group für ihren „Cloud Vendor Benchmark 2016“ ermittelt hat. Der gesamte Cloud-Markt erwirtschaftete 2015 einen Umsatz von mehr als neun Milliarden Euro. Mehr als die Hälfte davon entfällt auf Cloudservices im engeren Sinne, der Rest auf Technologie und Beratungsdienstleistungen.

Durch den vor wenigen Jahren noch nicht absehbaren großen Aufschwung von Cloud Services in Deutschland kommen Anbieter herkömmlicher IT-Produkte und -Services unter Druck. Nicht umsonst gibt es inzwischen kaum noch eine größere Software, die nicht auch als „Software as a Service, SaaS“ aus der Cloud angeboten wird oder zumindest ein Cloud-ähnliches Betriebsmodell nach dem Abo-Prinzip einsetzt.

Die Bedeutung der herkömmlichen, lokal installierten Software sinkt auf breiter Front. Ein gutes Beispiel dafür ist Microsoft Office. Es wird zwar noch als Einzelplatzversion ohne Cloud-Anbindung angeboten, doch diese Produktvariante taucht im Marketing von Microsoft fast nicht mehr auf.

Solche Entwicklungen sind auch dafür verantwortlich, dass der als Cloud-skeptisch verschriebene deutschen Mittelstand aufgeholt hat: Gut 62 Prozent der Unternehmen ab 100 Mitarbeitern setzen laut Cloud Monitor auf das Rechnen in der Wolke. Bei kleineren Unternehmen gibt es allerdings noch Nachholbedarf, hier nutzt nur gut die Hälfte die Cloud.

In vielen Unternehmen gibt es noch Widerstand gegen die Cloud

Eine interessante Entwicklung ist der Aufschwung der Public Cloud. Sie wurde vor fünf Jahren lediglich von 6 % der Unternehmen genutzt, inzwischen sind es schon mehr als ein Viertel. Und ein weiteres Fünftel plant den Einsatz von Public-Cloud-Anwendungen.

Einer der wichtigsten Treiber dieser Entwicklung sind die Cloud-Lösungen von Microsoft, die sich immer stärker verbreiten und bald bei jedem zweiten Unternehmen vertreten sind. Logisch, dass Groupware wie E-Mail und Kalender ebenfalls aus der Cloud kommt, immerhin bietet ja Microsoft ein solches Paket für seine Office-Kunden an.

Doch auch Geschäftsanwendungen oder Collaboration-Tools wie Slack werden von einem guten Drittel der Unternehmen gerne eingesetzt. Diese Tendenzen zeigen eines ganz deutlich: Cloud Computing ist inzwischen wirklich Alltag und mit Recht nicht mehr im Gartner Hypecycle enthalten.

Die Cloud wird genutzt, aber nicht geliebt. Sicherheitsbedenken verhindern ein starkes Wachstum des Public Cloud Computing, das vor allem wegen eines möglichen unberechtigten Zugriffs auf sensible Unternehmensdaten weniger beliebt als die Private Cloud ist.

Interessant ist, dass in 40 Prozent der für die Bitkom-Studie befragten Unternehmen interner Widerstand als großes Hemmnis gesehen wird. Möglicherweise sind manchmal sogar die IT-Organisationen die Bremser: Einige Unternehmen fürchten, ihr IT-Knowhow zu verlieren und künftig nur noch auf Dienstleister angewiesen zu sein.

Eine zweite Sorge betrifft die Compliance-Anforderungen, vor allen Dingen im Bereich Datenschutz. Denn einen kleinen Pferdefuß hat die Cloud auf jeden Fall: Compliance wird nicht mehr in Eigenregie erfüllt, sondern an den Cloudservice abgetreten. Gleichzeitig ist es sehr unwahrscheinlich, dass kleine und mittelgroße Unternehmen eigene Audits bei ihren Dienstleistern durchführen - es fehlen schlicht die personellen Ressourcen hierfür.

Deshalb ist Cloud Computing weitgehend Vertrauenssache und Unternehmen bevorzugen überwiegend den Einsatz von deutschen Rechenzentren und Dienstleistern mit Rechtsstand in Deutschland. Ein Wunsch, der nicht nur bei den Großen der Branche für klingelnde Kassen sorgt.

Bildquelle: Thinkstock

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