Software Campus fördert den Nachwuchs

Impulse gegen den IT-Führungskräftemangel

Interview mit Karl-Heinz Streibich, Chef der Software AG, und der aufstrebenden Führungskraft Kinga Schumacher, warum angehende Führungskräfte vom Programm des Software Campus überzeugt sind

Karl-Heinz Streibich, Chef der Software AG, und die aufstrebende Führungskraft Kinga Schumacher

Der IT-Fachkräftemangel spitzt sich zu. Hoch dynamisch und innovativ fordert gerade der IT-Bereich den Newcomern eine hohe fachliche Kompetenz ab, dazu eine gehörige Portion an geistiger und räumlicher Flexibilität. Für IT-Kräfte, die mit ihrem Berufsweg Managementpositionen anpeilen, sind diese Anforderungen noch höher. Der „Software Campus“ – eine gemeinsame Initiative der Bundesregierung sowie Partnern aus Wirtschaft und Forschung – hat es sich zur Aufgabe gemacht, Informatikstudenten das Rüstzeug auf ihrem Weg in Spitzenpositionen mitzugeben.

IT-DIRECTOR hat sich mit Karl-Heinz Streibich, Chef der Software AG und Mitglied des Software Campus der ersten Stunde, und Kinga Schumacher, aufstrebende IT-Führungskraft und derzeit beschäftigt beim Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), über den Status quo und Wege aus dem IT-Führungskräftemangel unterhalten.

IT-DIRECTOR: Herr Streibich, wieso ist eine Initiative wie der Software Campus für den IT-Bereich so wichtig?
K. Streibich: Die Innovationskraft und dadurch Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft hängt im hohen Maße von qualitativ hochwertiger Software und damit verbundenen Dienstleistungen ab. Dies zu erreichen und sicherzustellen, erfordert eine starke Softwareindustrie, die sich auf exzellente Köpfe stützt. Angesichts dieser Herausforderung hat sich der Software Campus zur Aufgabe gemacht, mit einem interdisziplinären Konzept Spitzenforschung und Praxisnähe zu verbinden, um so hochqualifizierte Führungskräfte hervorzubringen.

IT-DIRECTOR: Noch erweisen sich fehlende Fach- und Führungskräfte als Hemmschuh für eine stärker prosperierende IT-Branche in Deutschland. Wirkt sich das auch auf die Software AG aus?
K. Streibich: Bisher ist es uns gelungen, hinreichend hochqualifizierte Kräfte zu finden. Der Kampf um Talente hat sich allerdings verschärft. Qualifizierte Hochschulabsolventen haben heute einen guten Job fast sicher in der Tasche, und sie können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Das heißt im Umkehrschluss: Arbeitgeber müssen, wenn sie den Kampf um IT-Talente gewinnen wollen, entsprechende Rahmenbedingungen schaffen. Dazu zählen mehr Selbstbestimmung für die Mitarbeiter und genügend Raum für sie, Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen. Wir kommen dieser Erwartungshaltung soweit wie möglich nach mit variablen Arbeitszeiten, Home-Office-Angeboten, Zeitkonten und Auszeitregelungen. Auch deshalb haben wir bislang den IT-Fach- und Führungskräftemangel noch nicht so stark zu spüren bekommen wie viele andere IT-Unternehmen.

IT-DIRECTOR: Welcher Typus IT-Führungskraft hat Ihr Unternehmen zum Erfolg geführt?
K. Streibich: Gezielte Entwicklungsprogramme sowie ein attraktives, innovatives Arbeitsumfeld sind nach meiner Einschätzung der Nährboden für erfolgreiche IT-Führungskräfte und ein erfolgreiches Unternehmen. Allerdings fordern wir unseren Führungskräften auch ein hohes Maß an geistiger und räumlicher Flexibilität ab, mit der Fähigkeit, über Länder- und Organisationsgrenzen hinauszudenken und aktiv zu werden. Kurz gesagt: Unser Managertyp muss sich nicht nur durch technologische Affinität, sondern auch durch strategisches Denken, Projekt- und Prozessmanagementqualitäten auszeichnen.

IT-DIRECTOR: Mit mehr als 5.400 Mitarbeitern verteilt auf 70 Länder trägt die Software AG einerseits die Züge eines Konzerns, andererseits die eines mittelständischen Unternehmens in den einzelnen Ländern. Was bedeutet dies für die Herausbildung von IT-Führungskräften?
K. Streibich: Wir versuchen, aus beiden Zügen das Beste zu machen. Als Konzern streben wir mittelständische Vorzüge wie Flexibilität, Agilität und Schnelligkeit an. Die Konzernstrukturen nutzen wir, um für unser Wachstum die passenden Rahmenbedingungen und Richtlinien zu schaffen und weltweit durchzusetzen. Diese Strategie aus beidem sollten natürlich unsere IT-Führungskräfte verinnerlichen und täglich in Denken und Handeln umsetzen.

Wir bieten dazu als Orientierung weltweit die gleichen Rahmenbedingungen. Dazu gehört ein Verhaltenskodex, der länder- und landeskulturübergreifend grundlegende Werte und Verhaltensregeln für alle Mitarbeiter umfasst. Nur so kann unter allen unseren Mitarbeitern ein gemeinsames Selbstverständnis entstehen, das deren Denken und Handeln im Sinne eines global agierenden Konzerns prägt.

IT-DIRECTOR: Frauen in Führungspositionen: Nach einer Erhebung liegt deren Anteil in deutschen IT-Unternehmen im mittleren Management bei 30 Prozent, im Topmanagement sogar nur bei 20 Prozent. Wie sieht es bei der Software AG in dieser Hinsicht aus?

K. Streibich: Wir haben es sich zur Maxime gemacht, sich bei der Auswahl von Mitarbeitern an deren Qualifikation und Leistung zu orientieren sowie an der Funktion, die dieser Mitarbeiter künftig erfolgreich ausfüllen soll. Das unabhängig vom Geschlecht der Person, soweit die Rahmenbedingungen und Erwartungshaltungen in den einzelnen Ländern dies zulassen. Noch liegt die Frauenbeschäftigungsquote bei uns im Schnitt bei 29 Prozent der Belegschaft und 20 Prozent bei den Führungspositionen. Zuversichtlich stimmt mich, dass bereits 25 Prozent unseres Förderkreises für Führungskräfte Frauen sind.

IT-DIRECTOR: Frau Schumacher, wieso haben Sie sich gerade die IT ausgesucht?

K. Schuhmacher: Mich begeistert nicht nur die Informatik, sie liegt mir auch noch. Was lag also näher als Informatik zu studieren? Besonders fasziniert von intelligenten, lernfähigen Softwaresystemen kam ich zum Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz. Was mich zusätzlich an der IT-Branche reizt: Sie ist äußerst innovativ, hoch dynamisch und ruft förmlich nach einem interdisziplinären Methodeneinsatz, was meiner Denkweise entgegenkommt.

IT-DIRECTOR: Was überzeugt sie am Programm des Software Campus, an dem Sie von Anfang an, 2010, teilnehmen?
K. Schumacher: Vor allem drei Stoßrichtungen haben mich überzeugt. Da ist zum einen die gezielte Förderung eigener Forschungsprojekte, was mich wesentlich bei meiner Doktorarbeit unterstützt hat. Zweitens bringt das Programm Industrie und Forschung zusammen. Theorie und marktnahe Praxis verschmelzen so zu einer Einheit. Nicht zu vergessen, drittens, werden „Ausbildungs“-Maßnahmen angeboten, die die Teilnehmer dazu befähigen, in Führungspositionen hineinzuwachsen.

IT-DIRECTOR: Welche Skills muss nach Ihrer Einschätzung eine Topmanagerin in der IT-Branche mitbringen?

K. Schumacher: Neben einer hohen fachlichen Qualifikation sind nach meiner Einschätzung viele Eigenschaften für diese Topposition essenziell: immer den Überblick behalten, das Ziel nie aus den Augen verlieren, dennoch flexibel auf neue technische und wirtschaftliche Entwicklungen und durch soziale Kompetenz auf gesellschaftliche und politische Veränderungen reagieren.

IT-DIRECTOR: Was war für Sie in Ihrer jungen IT-Karriere die größte Herausforderung, der Sie sich stellen mussten?
K. Schumacher: Jede neue Lebensphase ist spannend. Egal, ob es das Studium, die Diplomarbeit, der Arbeitsanfang oder die Promotion ist. In jeder dieser Lebensphasen ist man mit zahlreichen Herausforderungen konfrontiert, wie die erste Konferenz, der erste Projektantrag usw. Die größte Herausforderung ist immer die, vor der man gerade steht. Dabei gilt es jedes Mal hinzuzulernen, damit man gleiche oder ähnliche Aufgabenstellungen in Zukunft einfacher meistern kann.


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