Deutschlands Zukunft ist digital

Industrie 4.0 im Fokus

Marktanalysten und Experten drängen die Unternehmen zunehmend zu mehr ­Engagement und Mut im IT-Bereich. Um tonangebend zu bleiben, müssen die Firmen ihre Vernetzung und Digitalisierung weiter stärken.

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    Themen wie Industrie 4.0, Internet of Things und Big Data müssen auf die Tagesordnung der Unternehmen in Deutschland.

  • Omri Benayoun, Partech

    Omri Benayoun, General Partner von Partech Growth

  • Eric Schneider, M2M

    Eric Schneider, Vorsitzender der M2M Alliance

Wenn es um technologische Entwicklungen und Wirtschaftsleistung geht, gehören deutsche Unternehmen zu den weltweiten Spitzenreitern. Ein Selbstläufer sind die Erfolge aber nicht. Um tonangebend zu bleiben, müssen die Unternehmen ihre Vernetzung und Digitalisierung weiter verstärken. Ansonsten droht man im internationalen Vergleich abzufallen. So steht das Thema Industrie 4.0 beim Bundesministerium für Bildung und Forschung weit oben auf der Prioritätenliste. Dem Ministerium ist klar, wie wichtig die technologische Weiterentwicklung für die hiesigen Unternehmen ist. Auf Basis der sogenannten Industrie 4.0 sollen allein mit den sechs wichtigsten Branchen innerhalb der nächsten zehn Jahre Produktivitätssteigerungen in einem Gesamtvolumen von rund 78 Mrd. Euro erzielt werden. Laut der aktuellen Accenture-Studie „Digitalisierungsstrategien der deutschen Top 500“ sind es wieder die üblichen Zugpferde wie die Automobilindustrie oder der Maschinen- und Anlagenbau, die beim Thema Industrie 4.0 auf Kurs liegen. Die Studie zeigt, dass viele Unternehmen wissen, was auf sie zukommt. 66 Prozent der Unternehmen erwarten im Rahmen der Digitalisierung „sehr deutliche“ Auswirkungen für ihre Branche. Allerdings geht es bei den entsprechenden Geschäftsmodellen in erster Linie vor allem um Kosteneinsparungen.

Auch deshalb fordert Frank Riemensperger, Präsidiumsmitglied des Branchenverbands Bitkom und Vorsitzender von Accenture Deutschland, von den deutschen Unternehmen: „Mut, anders zu denken“. Denn trotz weiterhin positiver Ergebnisse gehen die Steigerungsraten der Studie zufolge tendenziell zurück. Und so warnt der Experte, dass Unternehmen, die bei einer reinen Produktherstellung blieben, früher oder später zu einem besseren Zulieferer degradiert werden könnten. Riemensperger sieht vor allem bei den Themen Industrie 4.0, Internet of Things und Big Data Handlungsbedarf. Diese müssten dringend auf die Tagesordnung der Unternehmen in Deutschland. Mit der Digitalisierung würden zukünftig neue Dienste und Businessmodelle das Leben bestimmen. Dementsprechend benötigten die Unternehmen eine passende digitale Strategie. „Die Chancen, die sich mit dem Internet of Things den Unternehmen bieten, sind gewaltig“, betont Eric Schneider, Vorsitzender der M2M Alliance. „90 Prozent der produzierenden Industrien in Deutschland werden nicht an Machine-to-Machine-Technologie vorbei kommen, wenn sie dem internationalem Markt auch in Zukunft einen Schritt voraus sein möchten.“ Als Beispiel nennt Schneider die Optimierung von Lieferketten und Lean Production. Auch die Servicequalität bzw. -abläufe und die damit verbundene Prozessoptimierung werden seiner Meinung nach ein entscheidender Mehrwert sein, um sich von dem Mitbewerben hervorzuheben. „Was jetzt und zukünftig generell benötigt wird, sind Big-Data-Netzwerke. Gerade pfiffige Start-ups könnten auf dieser Basis weitere Dienste anbieten, an die wir derzeit noch gar nicht denken“, so Schneider.

Schnell wachsende Technologie- und digitale Unternehmen, die bereits erste Erfolge feiern konnten, können seit kurzem übrigens auf eine Finanzspritze in Höhe von zehn bis 30 Mio. Euro hoffen. Wie Partech Ventures Ende Januar mitteilte, will das Investmentunternehmen in entsprechende Firmen investieren, die „eine globale Marktführerschaft anstreben und in der Lage sind, die Regeln ihrer Branche neu zu schreiben“, sagt Omri Benayoun, General Partner von Partech Growth. Das erste Closing des Fonds liegt bei insgesamt 200 Mio. Euro.
Partech Growth reagiert damit auf die mangelnde Verfügbarkeit von EU-Mitteln in diesem Bereich. Seit dem Jahr 2000 seien in Europa mehr als 30 Technologieunternehmen mit einem geschätzten Wert von 1 Mrd. US-Dollar entstanden. Dieser Trend beschleunige sich. „Die meisten Wachstumskapitaltransaktionen für europäische Unternehmen wurden bislang
jedoch von außereuropäischen

Firmen getätigt“, berichtet Mark Menell, General Partner von Partech Growth. Daniel Balmisse, als Executive Director für die Dachfonds-Aktivitäten von Bpifrance verantwortlich, erläutert, dass der Fonds „die besten schnell wachsenden jungen Unternehmen dazu befähigen soll, sich zu globalen Riesen zu entwickeln.“

Bildquelle "Deutschlandkarte": Thinkstock/Fuse

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