Trendreport

„Industrie 4.0 ist datengetrieben“

Vor wenigen Wochen veröffentlichte Lumen, vormals Centurylink, einen ­umfangreichen Trendreport über die vierte industrielle Revolution und deren ­Auswirkung auf die IT- und Unternehmenswelt. Lumen-Deutschlandchef Ralf Straßberger berichtet von den Ergebnissen.

Ralf Straßberger von Lumen

Eine für Industrie 4.0 und IoT perfekt aufgestellte IT-Infrastruktur vereint aus Sicht von Ralf Straßberger Connectivity-Kompetenz mit Computing-Effizienz.

ITD: Herr Straßberger, können Sie einige Erkenntnisse aus der Studie kompakt zusammenfassen?
Ralf Straßberger:
Gerne. Vier von fünf der Befragten – in Deutschland drei von vier – stimmten der Einschätzung zu, dass wir in den nächsten fünf Jahren so viel technologischen Fortschritt erleben werden wie früher in einem Jahrhundert. Spannend dabei: Drei Viertel der Befragten äußerten gleichzeitig, dass ihre derzeitige IT-Infrastruktur nicht darauf vorbereitet ist – sei es, was den mit IoT verbundenen Anstieg des Datenvolumens betrifft oder die erforderlichen Netzlaufzeiten. Hierzu äußerten die Befragten übrigens klare Qualitätsansprüche: Etwa 60 Prozent erwarten sich für ihre IoT-Anwendungen eine Latenz von höchstens zehn Millisekunden, ein Fünftel der Befragten von höchstens fünf Millisekunden.

ITD: Woher kommt in Zukunft die erforderliche Rechenleistung, wenn die derzeitigen IT-Infrastrukturen nicht genügen?
Straßberger:
Etwa 80 Prozent, in Deutschland 75 Prozent, äußerten, dass ein zentralisiertes Rechenzentrum- oder Cloud-Modell ihren Workloads künftig nicht mehr gewachsen sein wird. Neun von Zehn sagten, sie würden Anwendungen an den Netzwerk-Edge verlagern, wenn ein entsprechendes Angebot zur Verfügung stünde. Sie erwarten, dass für Industrie 4.0 und IoT-Anwendungen mehr Rechenleistung näher an den Ort des Geschehens verlagert wird. Edge Computing lautet also das Stichwort. Für Lumen gesprochen kann ich sagen: Wir sind hier bereits sehr gut aufgestellt, wenn wir in Richtung CDNs denken, etwa in der Video- oder Software-Distribution.

ITD: Wie können Unternehmen die Komplexität bei der Analyse und Auswertung ihrer immer größer werdenden Datenvolumen in den Griff bekommen?
Straßberger:
Eine für Industrie 4.0 und IoT perfekt aufgestellte IT-Infrastruktur vereint aus meiner Sicht Connectivity-Kompetenz mit Computing-Effizienz. Industrie 4.0 ist datengetrieben. Das heißt, ­Unternehmen müssen im ersten Schritt Daten aus allen Quellen, die ihnen zur Verfügung stehen, sammeln. Nächster Schritt ist es, diese Daten so aufbereitet vorliegen zu haben, dass sie mit Blick auf mögliche Handlungsoptionen analysiert werden können. Im dritten Schritt sind dann in agilen Prozessen die Produkte und Services kontinuierlich zu verbessern. Ein kontinuierlicher Kreislauf, das gilt für das EVU gleichermaßen wie für die Smart Factory. Dazu bedarf es einer sicheren Connectivity über alle Datenquellen hinweg. Des Weiteren braucht es Managed Services, um verteilte Anwendungen und Daten sicher bereitstellen und orchestrieren zu können.

ITD: Neben der Infrastruktur spielt auch die Netzanbindung eine wichtige Rolle. Was ist, wenn diese z. B. aus geografischen Gründen nur geringe Bandbreiten erlaubt?
Straßberger:
Wenn Sie aus geografischen Gründen nur eine geringe Bandbreite haben, dann wird es schnell schwierig. Salopp gesagt: Ihnen fehlt das „I“ als Standbein für Ihre IoT-Zukunft. Die Problematik Verfügbarkeit hatten wir ja beim Thema „Edge“ schon angerissen. Was ich für unser Unternehmen sagen kann, ist: Mit dem Lumen-Re-branding haben wir unsere Lösungen zu Netzwerk, Cloud, Security und Collaboration in einer Technologieplattform zusammengefasst, mit der wir künftig Edge-Computing-Fähigkeiten sowie IT-Agilität mit hoher Performance und sehr kurzen Netzlaufzeiten unterstützen werden. Was ich verraten kann, ist, dass wir in unserer Roadmap global von einer dreistelligen Anzahl an Edge-Computing-Knoten und Netzlaufzeiten von maximal fünf Millisekunden sprechen.

ITD: Gesteigerte Vernetzung bringt auch immer eine erhöhte Angreifbarkeit mit sich. Wie lässt sich garantieren, dass z. B. auch kleinteilige IIoT-Netzwerke langfristig sicher bleiben?
Straßberger:
Angesichts der zunehmenden Komplexität der IT-Umgebungen sind traditionelle perimeterbasierte Sicherheitskonzepte veraltet. Nehmen wir das Beispiel DDoS-Mitigation. Statistiken unserer Threat-Research-Experten der Black Lotus Labs zeigen, dass 89 Prozent der DDoS-Angriffe heute Multi-Vektor-Attacken sind. Bei über 80 Prozent der Angriffe handelt es sich hierbei um volumetrische Angriffe. Das bedeutet für Netz­betreiber und Unternehmen: Security gegen DDoS-Attacken greift zu spät, wenn Abwehrmaßnahmen allein erst on ­premises oder in der Unter­nehmens­infrastruktur beginnen. Ein ­gemeinsames Ziel muss sein, Großangriffe wie 400-Gbit/s-DDoS-Attacken abzuwehren, bevor die Datenwellen durchs Netz schwappen. Als Betreiber eines der weltweit größten IP-Backbones sind wir in der Lage, den Löwenanteil solcher volumetrischen Angriffe bereits am Eintrittspunkt zu blockieren, bevor diese in die globale Infrastruktur eindringen und ihre volle Wucht entfalten können.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Mit der Threat Intelligence unserer Black Lotus Labs sind wir in der Lage, C2-Server auszuschalten, die DDoS-Angriffe verursachen. Wenn wir C2-Takedowns vornehmen, achten wir natürlich sehr darauf, dass dies ohne Kollateralschäden geschieht. Wir kombinieren solche Maßnahmen mit dem herkömmlichen DDoS-Scrubbing. Die Fähigkeit, die Quelle der C2-Infrastruktur zu entfernen, ist von entscheidender Bedeutung, um IoT-DDoS-Angriffe auf skalierbare Weise zu bekämpfen.

Bildquelle: Lumen

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